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SV Dernau nach Hochwasser-Katastrophe: Trainer und Spieler sichern den Spielbetrie

Nach der Flutkatastrophe : Trainer und Spieler sichern den Spielbetrieb des SV Dernau

Ehemalige Spieler und Trainer des SV Dernau sichern den Spielbetrieb und sanieren den durch die Flutkatastrophe zerstörten Fußballplatz. Hilfe kommt auch vom 1. FC Köln.

Die Flut an der Ahr Mitte Juli riss alles mit, hinterließ eine Schneise der Zerstörung in der Region. Auch der Fußballplatz des SV Dernau wurde stark beschädigt. Drei Masten der neuen Flutlichtanlage, die alleine 30.000 Euro gekostet hatte, wurden umgeknickt wie Strohhalme. Auf dem Platz türmte sich eine hohe und zunehmend steinhart werdende Schlammschicht auf. Und auch im Vereinsheim hatte die Flut mit der vollen Zerstörungswucht zugeschlagen. Zunächst ging man beim SV sogar davon aus, dass das Vereinsheim abgerissen und neu gebaut werden müsse. Auch das komplette Vereinsequipment wurde von den Wassermassen weggespült. Trikots, Bälle, Trainingsleibchen, Tore – alles unwiederbringlich zerstört ebenso wie die zahlreichen emotional aufgeladenen Gegenstände und Erinnerungsstücke.

Doch das alles spielte zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Der Fußball geriet angesichts der Katastrophe in den Hintergrund. Spieler des Vereins waren betroffen, auch nahezu der komplette Vorstand. Einige Vereinsmitglieder kamen auf die Idee, sich auf der Sportanlage umzusehen und die Schäden aufzuzeichnen.

 An eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken. Im August teilte der Verein dem Fußball-Kreisvorsitzenden Dieter Sesterhenn den Verzicht am Spielbetrieb der kommenden Saison mit. Davon betroffen sollten auch die Nachwuchskicker sein, die zusammen mit den Spielern der SG Kreuzberg, des SV Mayschoss und der SG Walporzheim die JSG Mittelahr bilden.

Ehemaliger Spieler gründet Notvorstand

Mitte August dann die Kehrtwende: Unter Federführung des ehemaligen Spielers Michael Krämer wurde ein Notvorstand gebildet, der seitdem die Führung des Vereins übernommen hat. Krämer ist Vorsitzender des Notvorstands und hat dabei viele Leute mit ins Boot geholt, unter anderem den Trainer der ersten Seniorenmannschaft, Bekim Gerguri, sowie dessen Co-Trainer Samir Handanagic. „Wir haben als Trainer der beiden Seniorenmannschaften darauf hingewiesen, dass der Verein vielleicht nicht mehr existiert, wenn wir jetzt nicht mehr weiterspielen. Es muss irgendwie weitergehen“, berichtet Bekim Gerguri.

Hintergrund: Es stand zu befürchten, dass Spieler abwandern und nach Instandsetzung der Sportstätte nicht mehr zurückkehren würden. Nach einer Abstimmung mit den Mannschaften herrschte dann schnell Klarheit: „Alle wollten spielen“, sagt Gerguri.

Auch der 1. FC Köln hat seine Hilfe angeboten

Seither geht es aufwärts und die Solidarität ist beeindruckend. Dernau kann auf dem Platz der Grafschafter SG Vettelhoven trainieren und die Heimspiele ausrichten.  Auch die Eintracht Esch, der SV Oberzissen und die SG Niederzissen haben ihre Plätze angeboten. Die Spenden für den schwer getroffenen Verein kommen seitdem von verschiedenen Stellen, teilweise auch vollkommen unverhofft. So hat auch der 1. FC Köln seine Hilfe angeboten – über die ehemalige Spielerin des SC 07 Bad Neuenahr, Nicole Bender, die mit Krämer seit ihrem Engagement in Bad Neuenahr (2000 bis 2007) befreundet ist. „Michael Krämer hat auf meine Frage, was am dringendsten benötigt wird, ,Bälle’ geantwortet“, sagt Bender. Kurzerhand machte sich die heutige sportliche Leiterin der Frauenfußballabteilung des FC auf den Weg ins Ahrtal.

Nicht nur, um gemeinsam mit Freunden und Kollegen in Dernau mit anzupacken. Auch 20 Bälle und Trainingsleibchen vom FC hatte die ehemalige Mittelfeldspielerin neben Schaufeln und Eimern im Gepäck. „Ich habe eine enge Verbindung zum Ahrtal und es ist ein Herzenswunsch hier zu helfen.“ So kam es auch, dass die ehemalige Spielerin gemeinsam mit FC-Präsident Werner Wolf vor Schulbeginn 200 Schulranzen im Namen der FC-Stiftung persönlich nach Bad Neuenahr brachte und übergab. Mit Freunden überlegt Bender derzeit, wie sie dem Verein und der Kita in Dernau noch weiter helfen können: „Es ist noch nichts spruchreif, wir überlegen noch, wie wir weiter unterstützen können.“

Zwei Baucontainer dienen als provisorisches Vereinsheim

In Dernau geht es derweil weiter aufwärts. Das Vereinsheim ist praktisch in Eigenregie entkernt worden und muss nun trocknen. Der Kunstrasenplatz wird ebenfalls von Schlamm befreit und muss nicht komplett neu gebaut werden, er braucht wohl lediglich einen neuen Belag. Damit wenigstens wieder ein bisschen Normalität und Identifikation mit dem Verein entsteht, wurden zwei Baucontainer als provisorisches Vereinsheim aufgestellt. „Es geht voran, auch wenn noch viel zu erledigen ist“, meint Krämer.