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Roland Migende engagiert sich für Waldpädagogik: Entdeckungsreisen im Forst

Roland Migende engagiert sich für Waldpädagogik : Entdeckungsreisen im Forst

Seinen Ruhestand verbringt Forstamtsrat Roland Migende am liebsten im Wald. Regelmäßig ist er im Bad Godesberger Süden am Rodderberghang unterwegs. Besonders liegt ihm am Herzen, Kindern und Jugendlichen den Wald und seine Bewohner nahe zu bringen. In Sachen Umweltbildung engagiert er sich nicht nur in Bonn, sondern seit 25 Jahren ehrenamtlich in Ungarn.

Viele Kinder kennen Migende von der jedes Jahr mit Spannung erwarteten Tierbescherung an Heiligabend im Niederbachemer Wald. Die Idee hierzu brachte Migende von seinem früheren Arbeitsort Würselen mit.

"Es ist eine moralische Verpflichtung in einer globalisierten Welt, erworbene Kenntnisse an Menschen im Rahmen von Netzwerken lokal, regional und international weiterzugeben", sagt Roland Migende. Der Kontakt nach Ungarn entstand vor 25 Jahren bei einer Studienfahrt. Der Forstamtsrat besuchte dort mit der Berufsvertretung Deutscher Forstleute ein Waldjugendheim. Ein regelmäßiger Austausch begann, der Migende schon 74 Mal nach Ungarn geführt hat. Sein Engagement bezeichnet er als "Dankeschön für die Grenzöffnung". Die Ereignisse in Ungarn, die letztlich zur Wiedervereinigung geführt hätten, seien nicht selbstverständlich gewesen, sagt der 74-Jährige.

Der Austausch mit Ungarn ist vielfältig: Bis heute gab es insgesamt 16 Studienaufenthalte ungarischer Waldpädagogen, Lehrer, Erzieherinnen und Forstleute in Nordrhein-Westfalen, außerdem Besucher ungarischer Schüler im Jugendwaldheim des Landesbetriebes Wald und Holz in Arnsberg im Sauerland. Aber auch bei Zeltlagern der Deutschen Waldjugend war Migende beteiligt. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit lag und liegt auf der Durchführung von Waldpädagogikseminaren, Sommeruniversitäten, Vorträgen und Wettbewerben in Ungarn selbst. Die Teilnehmerzahl insgesamt hat inzwischen die 600 überschritten.

Wie lebendig die deutsch-ungarische Zusammenarbeit ist, das haben unter anderem Ausstellungen im Berliner Reichstag und bei der Internationalen Messe Dortmund gezeigt. Stetig wachsende Zeugnisse sind außerdem die drei gemeinsamen Baumpflanzungen, davon eine im Berliner Tiergarten, in der Nähe zum Kanzleramt.

Reges Interesse an der Zusammenarbeit zeigt auch der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz. Als Ex-Bürgermeister von Würselen lernte er Migende bereits kennen, als dieser noch Leiter des städtischen Forstbetriebes war. Martin Schulz erlebte damals auch die Anfänge der Kontakte mit, die Roland Migende nach Ungarn knüpfte. Im Jahr 2000 konnte in der Botschaft von Ungarn, damals noch in Bonn, ein offizielles Protokoll über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Waldpädagogik zwischen Ungarn und Nordrhein-Westfalen unterzeichnet werden. "Das Thema Nachhaltigkeit passt heute noch wunderbar zum UN-Standort Bonn", findet Migende. 2012 wurde die ehrenamtliche Wald-pädagogikarbeit als offizielles Projekt in der UN-Dekade biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Gerade bereitet sich der Waldexperte auf die nächste ungarische Schülergruppe vor, die nächste Woche anreist. "Solange ich mit fit fühle, möchte ich weitermachen", sagt der 74-Jährige. In "seinem Wald" ist er spätestens Heiligabend wieder mit einheimischen Familien unterwegs. scv/koe