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Tag der offenen Tür in Wachtberg: Nacktsein ausdrücklich erwünscht

Tag der offenen Tür in Wachtberg : Nacktsein ausdrücklich erwünscht

Der Familiensportbund Bonn präsentiert sein Angebot auf dem Gelände bei Arzdorf. Zu Gast sind auch Nudisten aus England auf dem Weg zum Start der Tour de France.

Von der Straße sieht es aus wie ein Waldgebiet, aber wenn man dieses Gelände an der Alten Landstraße bei Arzdorf betritt, findet man dort eine schmucke ruhige Anlage vor. Wohnwagen sind über das halbe Gelände verteilt, das dem Familiensportbund Bonn gehört, einige stehen dort schon seit vielen Jahren. Dorthin hatte sich Siegfried Steinhauer begeben: Ein Bekannter hatte ihm davon vorgeschwärmt. „Wir wohnen schon so lange hier.“ Den Tag der offenen Tür am Sonntag wollte er nutzen, um sich alles mal anzuschauen.

Ihm kam sehr entgegen, dass der gemeinnützige Verein, der Sport und Naturismus – also Freikörperkultur in der freien Natur – anbietet, 2016 eine neue Sauna eingerichtet hat. So etwas finde er kaum noch in der Umgebung. „Wir sind immer auf die rechte Rheinseite ausgewichen“, so Steinhauer. Mit FKK habe er es ansonsten nicht so – bisher.

„Nacktheit ist bei entsprechender Temperatur schon erwünscht“, sagte der Vorsitzende Friedhelm Trinkel. Aber heutzutage sei es, anders als in der Anfangszeit, nicht mehr Pflicht - mit einer Ausnahme: Im vereinseigenen Badesee darf nur unbekleidet geschwommen werden. Die Temperaturen am Sonntag reizten aber niemanden, dort dazu unbekleidet herumzulaufen. Und beim Sport hätten die Mitglieder schon aus Sicherheitsgründen Kleidung an.

Da wird einiges geboten: In einem besonders windgeschützten Bereich kann man zum Beispiel Badminton spielen, ansonsten auch Tennis, Beachvolleyball, Volleyball, Tischtennis, Bogenschießen, Tanzen, Leichtathletik, Schwingstab-Training, es gibt Fitnessgeräte, und natürlich Schwimmen im See. Das alles werde als Breitensport betrieben, so Trinkel: Spaß an Bewegung statt Leistungsdruck.

Das Gelände kann nicht jeder nutzen, weder für Sport noch zum Campen. Nur Mitglieder des FSB oder anderer Naturistenvereine in Deutschland und Europa mit entsprechendem Ausweis werden eingelassen. Zum Beispiel hatte man am Wochenende Besuch aus England, zwei junge Männer, die mit dem Rad zum Start der Tour de France fahren wollten und sich vorher auch für eine Übernachtung angemeldet hatten. Sie gehören einem britischen Naturistenverein an, und ihr Ausweis verriet, dass sie wissen, wie man sich auf so einem Gelände verhält.

Derzeit zählt der Verein, der 1949 in Lohmar gegründet wurde und seit 1959 das jetzige Gelände gestaltet, mehr als 380 Mitglieder, die aus einem recht großen Einzugsgebiet mit den Eckpunkten Cochem, Niederlande, Leverkusen und Olpe kommen. Ein Aufwärtstrend dank der Tage der offenen Tür in den letzten Jahren: „Mittlerweile haben wir wieder eine florierende Nachwuchsriege“, so Trinkel. Aber die Zahlen der 60er und 70er Jahre, als dem FSB mehr als 1000 Menschen angehörten, erreiche man heute wohl nicht mehr.

Damals war Nacktsein rebellisch und verpönt- „Der Pfarrer hatte damals beim Einsegnen des benachbarten Feldes darum gebeten, dass die Nackten bald verschwinden mögen“, erzählte Trinkel. Heute ist das längst akzeptiert. Deswegen, sagte Trinkel, gebe es heute auch niemanden, der etwas gegen das Treiben auf dem Gelände einzuwenden hat. „Wer das nicht mag, der kommt halt nicht.“