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Sensationsfund am WCCB-Hotel: Archäologen stoßen auf Pfostengruben einer antiken Römer-Halle

Sensationsfund am WCCB-Hotel : Archäologen stoßen auf Pfostengruben einer antiken Römer-Halle

Archäologen haben auf der Baustelle des World Conference Center Bonn (WCCB) einen sensationellen Fund gemacht. Laut Ausgrabungsleiter Cornelius Ulbert handelt es sich um sogenannte Pfostengruben, die darauf hinweisen, dass an dieser Stelle in Höhe des WCCB-Hotels gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus ein 14 Mal 20 Meter großer, überdachter Saal gestanden haben muss.

"Es muss sich um einen Versammlungsraum oder um eine Speicherhalle gehandelt haben", vermutet Ulbert, der mit seinem Grabungsteam von der Firma Archaeonet im Auftrag der Denkmalbehörde dreieinhalb Wochen lang fünf Meter tief an der Stelle gegraben hat, wo die Experten schon lange die Fortsetzung einer bei früheren Grabungen auf der WCCB-Baustelle entdeckten Mauer aus Basaltsteinen vermutet hatten.

"Schon diese Mauer war für uns ein bedeutsamer Fund, weil es für die Römer eigentlich ungewöhnlich war, Mauern aus Basalt zu errichten", sagte er. Das jetzt freigelegte Stück Mauer diente dazu, den Saal - laut Ulbert wohl ein zweischiffiges Gebäude - zur hangseitig gelegenen Tempelanlage abzustützen.

Bei Grabungen im Jahr 2006, die Ulbert ebenfalls geleitet hat, waren im Zuge der Errichtung des WCCB-Kongresszentrums im ehemaligen Regierungsviertel Reste einer römischen Siedlung - der sogenannte vicus bonnensis - gefunden worden, darunter auch ein Tempel und eine Therme.

Letztere wurde damals aufwendig versetzt, weil genau an ihrer Stelle das Hotel entstand. Die Therme soll später, so hat es Hotel-Käufer Jörg Haas (Bonnvisio) zugesagt, in die Spa-Anlage des Hotels integriert werden. Das Gros der Fundstücke, darunter Glasgefäße, Tonscherben und Goldschmuck, wird im Rheinischen Landesmuseum aufbewahrt und muss noch ausgewertet werden.

Der Mauerfund samt Pfostengruben ist für Ulbert ein bedeutsamer Beweis dafür, dass sich auf dem Areal nicht nur eine einfache, dörfliche Siedlung befand mit Wohn- und Handwerkerhäusern zur Versorgung der Soldaten im römischen Legionslager, dem castra bonnensia (heute Bonn-Castell). Diese Siedlung müsse weitaus städtischer gewesen sein, als man bislang angenommen hatte, erklärte er. "Es ist für unser Team ein spektakulärer Fund. Darüber haben wir uns sehr gefreut."

Davon zu sehen ist inzwischen allerdings nichts mehr. Nachdem die Archäologen ihre Grabungen vergangene Woche abgeschlossen und den Fund dokumentiert hatten, haben sie die Baustelle wieder für die Arbeiter freigegeben, die dort die Zufahrtsrampe für die Hotellieferungen errichten.

Die Trennung des Hotels vom Konferenzzentrum hatte zur Folge, dass die Logistik komplett neu gestaltet werden musste, erklärte der für das Hotelprojekt zuständige Jörg Pierdzig von Bonnvisio. "Wir haben einige Wochen Bauverzögerung durch die Grabungsarbeiten aufzuholen", räumte er ein. Dennoch gehe seine Firma davon aus, dass das Hotel mit 336 Zimmer wie bisher geplant Ende 2015 fertiggestellt und Anfang 2016 eröffnet werden kann.