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Überfall im Meßdorfer Feld: Austauschschülerin: "Ich hatte keine Angst"

Überfall im Meßdorfer Feld : Austauschschülerin: "Ich hatte keine Angst"

Austauschschülerin schlägt Täter in die Flucht. Erst später spürt die 16-Jährige die Schmerzen. "Ich habe nur seinen Arm gesehen. Dann lag ich auch schon auf dem Boden."

Nur wenige Tage nach einem Überfall im Meßdorfer Feld wirkt Maria Odom (16) gefasst, doch die Angst, dass sie dem Täter, den sie in die Flucht geschlagen hat, wieder begegnet, ist groß. Die körperlichen Wunden, die sich die Austauschschülerin aus Nordamerika bei der Tat zugezogen hat, sind noch nicht verheilt; die seelischen werden noch länger bleiben. Dennoch sagt Maria: "Ich liebe Deutschland. So etwas kann auch bei mir zu Hause passieren."

Vom Räuber, der die 16-Jährige am Donnerstag vergangener Woche in der Nähe der "Schwarzen Brücke" auf dem Meßdorfer Feld angesprochen hatte, hat die Polizei nach eigenen Angaben keine Spur. Nach der Veröffentlichung des Falles mit der Beschreibung des Täters seien bisher auch keine Hinweise eingegangen, teilte Behördensprecher Harry Kolbe auf Anfrage mit.

Am 22. März ist Maria mit ihrem Fahrrad auf dem Weg von der Schule heim zu ihren Gasteltern. "Es war ein ganz normaler Tag, und weil das Wetter so schön war, bin ich durchs Meßdorfer Feld gefahren." Normalerweise fahre sie über öffentliche Straßen, weil das schneller sei. Als sie auf dem Feldweg an einer Kreuzung ankommt, sieht sie einen Mann, "der auf den Boden schaute und seine Hände in den Hosentaschen hatte".

Mit dem Wort "Entschuldigung" habe er sie angehalten, berichtet Maria. Dann habe er sie nach der Uhrzeit gefragt. Es ist 14.37 Uhr. "Ich habe mich nur auf die Uhr konzentriert und überlegt, wie ich dem Mann die Zeit auf Deutsch sagen soll", sagt die Schülerin.

Plötzlich kippt ihr Fahrrad zur Seite, sie selbst fällt zu Boden. Der Täter hat sie gegen den Kopf geschlagen. Maria: "In diesem Moment habe ich nichts gefühlt, auch keine Schmerzen gespürt. Ich hatte keine Angst." Als er jedoch ihren Rucksack gepackt und versucht habe, ihn ihr zu entreißen, habe sie gerufen: "Hilfe, Hilfe, was machst Du?"

Die zierliche 16-Jährige wehrt sich beherzt: Auf dem Rücken liegend schlägt sie ihre Beine nach hinten und trifft den hinter ihr stehenden Täter am Kopf. Der sei darauf hin "ganz schnell weggelaufen". In dem Rucksack ist kein Geld. Maria hat nur Schulbücher und das Handy ihres Gastbruders dabei. Aber das habe sie sich auf keinen Fall stehlen lassen wollen, sagt sie.

Nachdem der Unbekannte weg ist, rappelt sich Maria hoch und schiebt ihr kaputtes Fahrrad durchs Meßdorfer Feld. Jetzt erst fühlt sie Schmerzen, ihre Strümpfe und Bluse sind gerissen, das Bein blutet. In einem Garten trifft sie zwei Männer und eine Frau, die sofort fragen, ob sie helfen können. "Die haben dann auch die Polizei gerufen", so die 16-Jährige.

Die Kripo bittet weiterhin um Hinweise (Telefon: 0228/150). Der Gesuchte ist 20 bis 25 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß, hat kinnlange, glatte, braune Haare und spricht deutsch. Bekleidet war er mit einer grauen Jogginghose, einem blau-lila-Flanellhemd mit hochgekrempelten Ärmeln. Zudem trug er eine graue Wollmütze.