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Medizin in Bonn: Viele kommen mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus

Medizin in Bonn : Viele kommen mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus

Immer mehr Menschen wenden sich wegen Rückenschmerzen an ein Krankenhaus. Fast jeder zweite kommt als Notfall. Stationäre Behandlungen aufgrund dieser Beschwerden sind seit 2007 in Nordrhein-Westfalen um mehr als 80 Prozent gestiegen.

Laut den Ergebnissen des Gesundheitsreports der DAK-Gesundheit gehen bundesweit immer mehr Menschen wegen Rückenschmerzen ins Krankenhaus – fast jeder zweite Patient als Notfall. Stationäre Behandlungen aufgrund dieser Beschwerden sind seit 2007 in Nordrhein-Westfalen um mehr als 80 Prozent gestiegen. „Die Medizin muss im Bereich der Behandlung von Rückenproblemen deutlich präventiver werden“, sagte Klinikdirektor Dieter Wirtz von der Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Bonner Universitätsklinikum (UKB).

Durchschnittlich fünf Rückenoperationen pro Tag werden am UKB durchgeführt, „darunter alles vom einfachen Bandscheibenvorfall bis hin zur komplexen Rekonstruktion einer Wirbelsäule bei einem Tumorgeschehen“, sagte Robert Pflugmacher, Co-Leiter des interdisziplinären Wirbelsäulenzentrums. Pro Jahr werden dort eine große Anzahl von Patienten konservativ und mehr als 1500 operativ behandelt.

Anfang 2018 wurden Neurochirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) als Wirbelsäulenzentrum der höchsten Stufe zertifiziert. Das UKB ist damit eine von aktuell zehn Kliniken in Deutschland, die das gesamte Spektrum von degenerativen, rheumatischen und entzündlichen Erkrankungen über Wirbelbrüche, Verletzungen bis hin zu Skoliosen und Tumorerkrankungen nach den kontrollierten Kriterien der DWG behandelt. Zudem besteht auf dem Venusberg für Patienten mit Altersproblemen wie Osteoporose, Demenz, Sturzprophylaxe sowie Mehrfacherkrankungen eine Kooperation des Wirbelsäulenzentrums mit der Geriatrie des Bonner Malteser Krankenhauses. Dadurch kann ein interdisziplinäres Team aus Orthopäden und Unfallchirurgen, Neurochirurgen und Geriatern für eine an ältere Patienten angepasste, optimale Therapie für Rückenleiden sorgen.

Drei von vier Berufstätigen hatten 2017 mindestens einmal Rückenbeschwerden, stellt der Gesundheitsreport fest. Jeder vierte der 5,8 Millionen Versicherten der Krankenkasse hat aktuell Probleme, und jeder siebte leidet chronisch an Rückenschmerzen. Der Report zeigt auch, dass Rückenschmerzen von verschiedenen Faktoren abhängen: häufiges Arbeiten in unbequemer Körperhaltung, Termin- und Leistungsdruck sowie eine schlechte Work-Life-Balance. Krankmeldungen sind zudem abhängig vom Alter, von der Schwere und Dauer der Schmerzen und davon, ob der Arbeitsalltag mit Freude erledigt wird.

Die große Mehrheit versuche, zunächst alleine mit den Schmerzen zurechtzukommen und sich zu schonen. 61 Prozent nutzen Wärme in Form von Heizkissen, Bädern oder Sauna. 42 Prozent bewegen sich, etwa bei einem Spaziergang. Jeder Dritte lebe normal weiter und rechne damit, dass die Schmerzen wieder verschwinden. „Wer plötzlich mit einem Hexenschuss oder starken Nackenschmerzen zu kämpfen hat, muss nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen“, sagte Susanne Bleich von der DAK. „90 Prozent aller akut auftretenden Rückenschmerzen verschwinden innerhalb von zwei Wochen wieder.“