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Kommentar zur Integration der Flüchtlinge: Die Chance nutzen

Kommentar zur Integration der Flüchtlinge : Die Chance nutzen

Die Experten sind uneinig: Werden die Hunderttausenden Menschen, die in den vergangenen Monaten nach Deutschland gekommen sind, das Land dauerhaft belasten? Oder sind die Flüchtlinge möglicherweise der Ausweg aus der demografischen Falle, auf die die alternde deutsche Gesellschaft sich zubewegt?

Werden die Renten von Deutschen, denen die zurzeit ungesteuerte Zuwanderung heute Kopfzerbrechen bereitet, in zwanzig Jahren womöglich von den in diesen Monaten gekommenen Flüchtlingen finanziert?

Tatsache ist, dass der deutsche Arbeitsmarkt zurzeit auch eine größere Anzahl von Kräften aufnehmen kann. Viele Stellen sind unbesetzt, Unternehmen und Handwerk suchen Fachkräfte und Auszubildende. Die Arbeitslosenzahlen gehen weiter zurück, die Beschäftigung befindet sich auf einem anhaltend hohen Niveau.

Tatsache ist aber auch, dass viele Flüchtlinge sicher den Willen haben, sich in Deutschland eine neue Heimat zu schaffen - und zwar nicht als dauerhafte Kostgänger des Sozialstaates - ihnen aber die notwendigen Grundvoraussetzungen fehlen. Welche Qualifikationen die Menschen mitbringen, und was diese Qualifikationen in Deutschland wert sind, kann aber vielfach nicht geklärt werden, solange die Zuwanderung so chaotisch läuft wie zurzeit noch. Tatsache ist zudem, dass auf dem Weg in die Arbeit hohe Hürden zu bewältigen sind. Eine davon ist hausgemacht, nämlich die viel zu lange Dauer der Asylverfahren. Monatelang sind Flüchtlinge zur Untätigkeit gezwungen, weil unklar ist, ob sie überhaupt im Land bleiben können und wie ihr Aufenthaltsstatus dann ist. In Nachbarländern laufen die Verfahren viel schneller ab, ohne dass die Rechtsstaatlichkeit verloren geht.

Die zweite Barriere ist die Sprache. So schnell und so umfassend wie möglich müssen Flüchtlinge, die dauerhaft bleiben dürfen (und wollen), in die Lage versetzt werden, sich auf Deutsch verständlich zu machen und selbst zu verstehen. Die erste Generation der Gastarbeiter und ihre Kinder wurden in dieser Frage weitgehend sich selbst überlassen. Die Probleme, die entstanden sind, belasten die Gesellschaft noch heute. Diese Fehler dürfen sich nicht wiederholen. Investitionen in Sprachkurse gehören auf jeden Fall zu den sinnvollen Ausgaben.

Ein Fehler wäre es dagegen, für Migranten auf dem Arbeitsmarkt Sonderregeln zu schaffen - zum Beispiel durch das Aussetzen des gesetzlichen Mindestlohns, wie wirtschaftsnahe Politiker dies teilweise fordern. Dadurch würden Flüchtlinge erstens zu Arbeitskräften zweiter Klasse degradiert. Zweitens wäre es für Arbeitgeber, die dies wollen, ein leichtes, die Billiglöhner gegen ihre Stammbelegschaften auszuspielen. In einer sowieso aufgeheizten Debatte über den Umgang mit dem Flüchtlingsstrom würde unnötig weiteres Gift gekippt. Das kann niemand wollen.