Vollversammlung der Bischofskonferenz: In der Wagenburg

Hat die am Donnerstag zu Ende gegangene Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz den ersehnten neuen Aufbruch für die von Missbrauchsskandalen, Kirchenaustritten und zunehmender innerer Distanz zu den Bischöfen geschüttelte katholische Kirche gebracht?

Mit einem Aufsehen erregenden Bußakt wurden die Opfer des Missbrauchsskandals um Vergebung gebeten. Ob damit das Thema von der kirchlichen Tagesordnung verschwindet, bleibt fraglich. Zugleich ist es nicht das zentrale Thema, das die über 25 Millionen Kirchenmitglieder wirklich bewegt.

Sie setzten große Hoffnungen in den vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in Gang gesetzten Dialogprozess. Zollitsch jedoch bekannte zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung: "Eine Revolution wird es nicht geben."

Die hatte allerdings kaum jemand erwartet. Wohl aber eine offene Debatte über brennende Fragen, die die deutschen Bischöfe zu einem mutigen Vorpreschen in Rom ermuntern sollte - vom Zölibat bis zur Priesterweihe für Frauen, vom echten Mitspracherecht der Laien bis hin zu einer der Welt zugewandten, aber nicht in ihr aufgehenden Kirche.

Geblieben ist ein Brief an die Gemeinden und ein vierjähriger Dialogprozess zu theologischen und kirchlichen Fragen, die ohnehin auf der Tagesordnung stehen. Der Ökumene wurde ein eigener Studientag gewidmet. Doch auch hier nichts als eine Wiederholung des Satzes, es gebe keinen Stillstand. Aber wo bewegt sich die katholische Kirche, die der protestantischen "versöhnten Verschiedenheit" immer nur die Forderung nach einem Konsens in grundlegenden theologischen Fragen entgegensetzt? Die ökumenische Wagenburgmentalität ist unübersehbar. Sie gilt selbstverständlich auch für weite Teile des Protestantismus.

Große Hoffnungen setzen die Oberhirten der 27 Diözesen auf den für September geplanten dritten Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist sicher, dass der Papst den katholischen Christen "wertvolle Impulse geben" und zugleich eine "lebendige, selbstbewusste und mit der Weltkirche besonders verbundene Ortskirche erleben" werde.

Zumindest letzteres ist mehr Wunsch als Wirklichkeit. Denn die katholische Kirche ist gegenwärtig alles andere als eine selbstbewusste Kirche. Sie leidet weniger unter den Missbrauchsfällen als unter dem Priestermangel, der geistliches Leben vor Ort erschwert und die Bindung an die Kirche gefährlich lockert.

Leider hat auch die Paderborner Frühjahrsvollversammlung die starke Wagenburgmentalität vieler Bischöfe nicht überwunden. Kein Wunder also, dass die Entfremdung vieler katholischer Christen von ihrer Kirche weiter wächst. Von einem neuen Aufbruch leider keine Spur.