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Der Frühling war viel zu trocken: Warten auf den Landregen

Der Frühling war viel zu trocken : Warten auf den Landregen

Zur Trockenheit kommt für die Bauern noch die Mäuseplage auf den Feldern

VON GÜNTHER SCHMITT

Für die Bauern im Kreis Ahrweiler ist es eine verkehrte Welt. Wenn der Regen gebraucht wird, kommt er nicht und umgekehrt. "Seit Jahren beobachten wir, dass das Frühjahr zu trocken ist und der Herbst zu nass", sagt Franz-Josef Schäfer. Der Eckendorfer ist Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbandes Ahrweiler.

Er beklagt wie alle seine Kollegen die anhaltende Trockenheit. "Die Niederschläge von März bis Mai waren weit unter dem Durchschnitt. Da half auch der Regen beim Gewitter in der Nacht zum Samstag mit 20 Litern Niederschlag pro Quadratmeter wenig", sagt Schäfer, der mitten in der Erdbeerernte steckt. Dafür sind in seinem 95 Hektar großen Betrieb rund 100 Erntehelfer im Einsatz.

Bedingt durch die Trockenheit liege, obwohl die Pflanzen über Tropfschläuche bewässert würden, der Ertrag zwischen 25 und 30 Prozent "unter Normal". Und auch die Fruchtgröße stimme nicht. "Pro Schale brauchen wir rund 40 Erdbeeren statt sonst unter 30."

Größer als bei den Erdbeeren sei jedoch die Problematik beim Wintergetreide. Während dieses im Spätherbst "nasse Füße" bekam und so kein großes Wurzelwerk entwickeln konnte, fehlt jetzt der Regen für die weitere Entwicklung. "Denn ohne Wasser können keine Nährstoffe transportiert werden", sagt Schäfer mit Blick auf ein Getreidefeld, dessen Halme rund 15 Zentimeter kürzer sind als an den Stellen, wo beim Spritzen mit dem Trecker durch Lecks am Ausleger zusätzlich noch Wasser hinkam.

Schäfer berichtet aber auch von einigen Kollegen in den Höhenlagen des Kreises, die bei der ersten Mahd fürs Vieh deutlich weniger Silage oder Heu einbrachten als üblich.

"Es ist so trocken, dass wir morgens noch nicht einmal Tau haben. Eine komische Situation", sagt Schäfer, der sich wie seine Kollegen nichts dringender wünscht als einen warmen Landregen. Aber er hält es auch mit einem Spruch, den die Grafschafter Bauern schon vor mehr als 100 Jahren hatten: "Bete nicht um Regen, es kann schnell zu viel sein." Als wichtig sieht er für die Zukunft der Landwirtschaft an, dass auf Drainage und Bewässerung gesetzt. Drainage, damit im Herbst das Wasser abläuft, Bewässerung unter anderem über Tropfschläuche, damit Trockenperioden im Frühjahr ausgeglichen werden können. Schlimmer als die Trockenheit sei jedoch aktuell die Mäuseplage auf der Grafschaft. Auf bis zu 1000 Wühlmäuse oder 4000 Feldmäuse pro Hektar wird der Befall geschätzt. Wobei Wühlmäuse sich nicht nur am Wurzelwerk der Pflanzen, sondern auch an den Tropfschläuchen unterirdisch zu schaffen machen.

"Kommt nach 200 Metern am Ende des Schlauches kein Wasser mehr an, fängt die Sucherei nach Löchern an", erklärt Schäfer und berichtet von einem benachbarten Kollegen, der einen Mitarbeiter nur für die Mäusebekämpfung eingestellt hat. Dass dieses Not tut, zeigt ein Blick in Apfel- und Birnenplantagen auf der Grafschaft. Bis zu 80 Prozent der jungen Bäume sind dabei durch Mäuse geschädigt.

Aber auch Zweibeiner haben die Ernte im Visier. "Kein Bauer hat was dagegen, wenn siche jemand eine Erdbeere vom Feld nimmt. Wenn aber ganze Familien mit Gefäßen anrücken, hört der Spaß auf", sagt Schäfer, dessen Erntehelfer mir "geplünderten" Erdbeerreihen am Wegesrand deutlich schneller fertig sind als ihre Kollegen in Reihen mitten im Feld.

"Ein Phänomen, dass es aber von der Grafschaft bis zum Vorgebirge gibt", so der Bauernfunktionär. "Und alle machen meist nur eine Faust in der Tasche, obwohl es eigentlich Diebstahl ist."