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Ausstellung „Skulpturen in Ton“ von Stina Tummel: „Weibsen“ sind in die Unkeler Kulturwerkstatt eingezogen

Ausstellung „Skulpturen in Ton“ von Stina Tummel : „Weibsen“ sind in die Unkeler Kulturwerkstatt eingezogen

Stina Tummel zeigt bis Ende Juli in der Kulturwerkstatt Unkel ihre drallen, fröhlichen „Weibsen“. Sie macht den Anfang einer Reihe von Einzelausstellungen, die nach der Absage von „Kunst in Unkeler Höfen“ Künstlern eine Präsentationsmöglichkeit geben sollen.

Frauen, die sinnierend in Bäumen sitzen oder auf Ästen balancieren, Trockenschwimmübungen machen oder aussehen, als würden sie gerade zum Flug abheben, sind in die Unkeler Kulturwerkstatt eingezogen. Künstlerin Stina Tummel hat ihre „Weibsen“, wie sie ihre Keramik-Figuren nennt, für eine Ausstellung aus Weilbach an den Rhein gebracht. In Unkel haben ihre „Skulpturen in Ton“ schon Freunde, waren sie doch bereits zweimal bei „Kunst in Unkeler Höfen“ zu sehen, eine Veranstaltung, die in diesem Jahr ausfiel.

Damit die Künstler dennoch zu Ausstellungsmöglichkeiten kommen, sorgen Jochen Seidel und Michael Koslar, alias Malte Sonnenfeld, die Hausherren in der Kulturwerkstatt, für Ersatz: „Wir präsentieren hier in Kooperation mit der Stadt bis Ende des Jahres jeden Monat Arbeiten, Schwerpunkt: Keramik, Skulptur, Objekte“, so Seidel.

Barbie-Figuren sind nicht ihr Ding

Die „Weibsbilder“ machen den Anfang. „Selbstbewusst und stark waren meine Frauenskulpturen schon immer“, erläuterte Stina Tummel bei der Eröffnung ihrer Ausstellung.

In fast 20 Jahren hat sie den Frauentypus ihrer kleinen Skulpturen entwickelt. Es sind dralle Damen, unter deren Kleidung sich Rundungen abzeichnen. „Barbie-Figuren überlasse ich meinen männlichen Kollegen. Ich möchte mit meinen Arbeiten Lebensfreude ausdrücken“, hob die Keramikerin hervor.

Faszination für den menschlichen Körper

Jedes Schmunzeln der Betrachter, die ihre Arbeiten oft in die Nähe von Karikaturen rücken, sei ihr wichtig und ein weiterer Ansporn, neue träumerische, schwebende und nachdenkliche, vor allem aber gut gelaunte „Weibsen“ zu schaffen.

„Die Arbeiten von Stina Tummel spiegeln die Faszination für den menschlichen Körper wider“, so Seidel.

Seit einigen Jahren bindet die Künstlerin auch Tierdarstellungen mit ein. Dabei sei es ihr wichtig, sagte Seidel, Mensch und Tier in eine harmonische, gleichberechtigte Beziehung zueinander zu setzen.

Tiermasken statt Corona-Schutzmaske

Ihre jüngsten Arbeiten zeigten Mischwesen, aber nicht die üblichen Tierkörper mit einem menschlichen Kopf wie bei Sphinx, Nixe und Centaur, berichtete die Künstlerin.

Pate stand der als Corona-Schutzmaßnahme getragene Mund-Nase-Schutz, den sie „quasi zu einer kompletten Leoparden- und Wolfskopfmaske vergrößert“ habe.

Sie erklärte zudem die bei den Figuren angewandte alte Technik des Schmauchbrands.

Dabei wird der Scherben in einen mit brennenden Sägespänen, Laub oder Stroh gefüllten Behälter gelegt und dieser mit einer Haube luftdicht abgeschlossen. Kupfer- und Eisenoxid färben den Scherben grünlich und rötlich, während sich in Haarrisse eindringender Kohlenstoff schwarz ablagert.

Da sich bei dieser Technik der Brennverlauf kaum steuern lässt, entstehen ausschließlich Unikate. Weil die Arbeiten bei 1100 Grad Celsius gebrannt wurden, sind sie wetterfest und eignen sich auch als Objekte für Garten oder Balkon.

Die Ausstellung „Skulpturen in Ton“ ist an den Wochenenden, 11./12. Juli, 18./19. Juli sowie 25./26. Juli zu sehen. Die Künstlerin ist von 11 bis 18 Uhr in der Kulturwerkstatt in Unkel, Pützgasse 2, anwesend. Es können zudem Besuche unter ☏ 0 22 24/47 77 vereinbart werden.