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Corona-Krise im Siebengebirge: Tourismus wird schwer getroffen

Tourismus im Siebengebirge : „Ab Freitag haben wir keinen Gast mehr“

Die Corona-Krise trifft die Tourismusbranche in der Region besonders hart. Viele hoffen auf das Kurzarbeitergeld.

„Mehr Gäste, mehr Übernachtungen“, meldete der GA im September 2019 die Steigerung der Besucherzahlen. Besonders beliebt bei Touristen aus der ganzen Welt: das Siebengebirge. Doch wo der Tourismus wichtiger Standortfaktor ist, sind die Einbrüche durch die Corona-Krise dramatisch.

„Der Buchungsrückgang ist katastrophal“, schildert Martin Brehm, seit November 2019 Chef im Maxx by Steigenberger in Bad Honnef, am Donnerstag die Situation. Zwei Nächte schon sei das Haus ohne Gast. Brehm geht davon aus, dass an einer Schließung auch als Herberge kein Weg vorbei führt. Minimaler Hoffnungsschimmer: Für den Herbst gehen derzeit die ersten Buchungen ein. Brehm: „Wir sind und bleiben permanent besetzt, um alles aufzunehmen. Wenn es Licht am Ende des Tunnels gibt, müssen wir voll da sein. Es ist gut zu sehen, dass im Team jetzt alle zusammenhalten.“

Auch Großveranstaltungen, die das Haus im In- und Ausland beworben hat, sind abgesagt. „Von Rhein in Flammen haben wir uns viel versprochen“, so der 53-Jährige. „Wir müssen reagieren, die Kosten laufen weiter.“ Zum „Support“ der Arbeitsagentur zur Kurzarbeit sagt er: „Ich verstehe, dass mit der Situation alle überfordert sind. Aber alle brauchen jetzt Unterstützung.“

Sorgen sind erdrückend

Das gilt umso mehr für kleinere Betriebe wie das Weinhaus Hoff in Rhöndorf. „Ab Freitag haben wir keinen Gast mehr“, so Inhaberin Inga Schmitz. Auch für sie sind die Sorgen erdrückend. Schmitz: „Die Gastronomie hat sowieso Probleme, Personal zu bekommen. Wir haben gutes Personal, und das wollen wir unbedingt halten.“ Die Bürokratie käme mit den angekündigten Hilfen wie Kurzarbeitergeld aber nicht mit. „Das alles ist einfach haarsträubend“. Schmitz: „Wir alle wissen doch, wer dieses Land am Laufen hält, der Mittelstand.“ Da sei mehr gefragt als Ankündigungen und monatelanger Papierkram. Die Zeit habe man einfach nicht.

„Arbeitsplätze zu erhalten ist jetzt die oberste Prämisse“, sagt auch Vladimir Saal, Geschäftsführer im Gästehaus Petersberg. Auch das ehemalige Bundesgästehaus leidet in der Krise, auch dort steht Kurzarbeit an. Auch sozial macht er sich Gedanken. Zwar sei bislang nicht an einen Lieferservice gedacht, zumal die Gastronomie ruhe. Aber wenn die Versorgung der Bevölkerung es nötig mache, stehe man bereit. Saal: „Jeder, der sagt, es geht bald vorbei tappt in eine Falle. Nach Corona ist vor der Rezession.“

„Tourismus lebt vom Kundenkontakt“, sagt Oliver Bremm, Geschäftsführer der Tourismus Siebengebirge GmbH. „Insofern trifft uns die Situation natürlich hart.“ Traditionell beginnt mit den Osterferien auch im Siebengebirge die Touristensaison, doch derzeit hagele es Absagen von den Reiseveranstaltern und Reedereien. „Stand jetzt ist bis Mitte Mai alles abgesagt“, so Bremm. Aber er betont: „Die Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter hat absolute Priorität.“

Internetpräsenz wird überarbeitet

Seit Montag arbeitet ein Teil im Homeoffice, ein Teil ist vor Ort, um unter anderem die Hotline zu betreuen. Nur wenige Anrufe seien dort bislang eingegangen. Er selbst nutze die Zeit, um an der neuen Internetpräsenz der Gesellschaft zu arbeiten. „Selten war ein guter Internetauftritt so wichtig wie in diesen Zeiten“, glaubt er. Mitte Juni stehen die nächsten größeren Veranstaltungen im Terminkalender: Der Auftakt des Königssommers mit dem Straßenmusikfestival und der Seven Mountains Music Night. „Der Tourismus ist hart getroffen, und die Nachwirkungen sind noch nicht absehbar.“

Am vergangenen Freitagnachmittag hat Schloss Drachenburg die Tore geschlossen. Das Gelände ist bis einschließlich Sonntag, 19. April, dicht. „Auch hier ist erst einmal alles abgesagt, die nächsten größeren Termine sind zwei Konzerte im Juni und August“, sagt Alexandra von dem Brinke, auf dem Schloss zuständig für die Veranstaltungen. „Einzig die Verwaltung ist täglich hier in einer Notbesetzung“, sagt sie.

Besetzt ist auch das Restaurant auf dem Drachenfels, trotz der Corona-Schließung. Er sei mit der Situation etwas überfordert, gibt Drachenfels-Wirt Hermann-Joseph Nolden zu. Der Frühling ist Hauptsaison auf dem Drachenfels. „Normalerweise tragen die Einnahmen aus dieser Jahreszeit uns über den Winter“, sagt er. Auch seine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Wenn er in seinem leeren Restaurant ist, sieht er nur ein paar vereinzelte Wanderer.

Hilfen für die Durststrecke

Nolden ist trotzdem zuversichtlich. „Wir werden das überleben“, ist er sicher. Glücklicherweise habe er Reserven und es gebe öffentliche Hilfen für diese Durststrecke. Er geht davon aus, dass er zu den Sommerferien wieder öffnen kann. Und davon, dass die Menschen dann froh sind, wenn sie wieder auf den Drachenfels gehen oder fahren können, um dort ein Eis zu essen.

Die Kollegen in der Krise aufzubauen, versucht Didi Pörzgen, der Vorsitzende der Linzer Werbegemeinschaft. Er sieht, wie sehr die Gastronomen und Einzelhändler in der kleinen Stadt vor allem die Ungewissheit der Situation ängstigt. „Für viele ist die Schließung, und dass keine Touristen mehr kommen, existenziell bedrohlich.“ Pörzgen fürchtet auch, dass vor allem die älteren Gastronomen und Händler, die ohnehin schon auf der Suche nach einem Nachfolger sind, in dieser Situation vorzeitig aufgeben.

Dass die Touristen wiederkommen, da ist sich Janine Petit, Leiterin der Linzer Tourist-Information, sicher. „Ab Juni sind bei uns wieder Stadtführungen gebucht und bisher auch nicht abgesagt.“