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Konzert an der Chorruine: Jazz vor historischer Kulisse im Kloster Heisterbach

Konzert an der Chorruine : Jazz vor historischer Kulisse im Kloster Heisterbach

Die beiden Größen der Jazzmusik Barbara Dennerlein und Karolina Strassmayer spielen im Juli ein Benefizkonzert vor der Kulisse der Chorruine Kloster Heisterbach. Der Erlös geht an den Verein Bunter Kreis.

Wenn Dieter Streve-Mülhens über Jazz spricht, strahlt sein Gesicht. Dann erinnert er sich an einen Musiklehrer aus der Schulzeit, der ihn mit Rhythmusgefühl und Improvisationstalent beeindruckte. An die ersten eigenen Versuche auf der Klarinette. An jene Jahre, als er während seiner Ausbildung in New York die großen Jazzclubs besuchte. Und an die zahlreichen Konzerte im In- und Ausland, die er in den vergangenen Jahren miterlebte.

„Jazz ist meine musikalische Sprache“, sagt der 74-Jährige heute. Und so wundert es nicht, dass zwei Größen der Jazzmusik im Mittelpunkt eines Benefizkonzerts zugunsten des Bunten Kreises Rheinland stehen, das Streve-Mülhens mitorganisiert: Karolina Strassmayer und das Barbara Dennerlein Trio spielen am Sonntag, 8. Juli, vor der Kulisse der Chorruine Heisterbach.

"From Jazz with Love"

Es ist ein Herzenswunsch, den sich Streve-Mülhens mit dem Konzert kurz vor seinem 75. Geburtstag im August erfüllt. Auch deshalb lautet das Motto des Abends „From Jazz with Love“. Die Chorruine kennt das Oberhaupt der traditionsreichen Königswinterer Familie, die einst die Marke „4711“ weltweit bekannt machte, seit seinen Kindertagen.

Vom Wohnsitz der Familie auf dem Wintermühlenhof sei er häufig über den Reitrundweg nach Heisterbach gekommen. „Es ist ein magischer Ort“, sagt er. Klassische Konzerte und Theateraufführungen habe es dort bereits gegeben. „Doch noch nie ein Jazzkonzert. Vor diesem Hintergrund ist der 8. Juli eine echte Premiere.“

Festangestellt in der WDR Big Band

Und die bestreiten zwei Frauen, die, wie Streve-Mülhens sagt, „in der von Männern dominierten Welt des Jazz ihren Mann gestanden haben“. Die österreichische Altsaxofonistin Karolina Strassmayer eröffnet den Konzertabend mit ihrem Quartett „Klaro“. Die heute 47-Jährige hat viele Jahre in New York gelebt, dort mit namhaften Jazzstars gespielt und wurde 2004 als erste Frau in der WDR Big Band Köln fest angestellt.

Dort hat sie auch Streve-Mülhens erstmals bei einem Konzert vor vielen Jahren gehört: „Sie geht der Seele des Jazz auf den Grund“, sagt er. Begleitet wird Strassmayer bei ihrem Auftritt in Kloster Heisterbach von dem Pianisten Rainer Böhm, Bassist Thomas Stabenow und Schlagzeuger Drori Mondlak, Strassmayers Ehemann, den sie einst in New York kennenlernte.

Mondlak wird an diesem Abend indes nicht nur mit seiner Frau, sondern nach der Pause auch mit Barbara Dennerlein auf der Bühne stehen. „Sie ist die First Lady der Jazz-Orgel“, sagt Streve-Mülhens. „Sie spielt auf ihrer klassischen Hammond B 3-Orgel, flitzt in atemberaubenden Tempo mit ihren Füßen über die Basspedale, so dass ein echter akustischer Basssound entsteht. Sie ist sozusagen Organistin und Bassistin in einer Person.“ Gemeinsam mit ihren Begleitern, Gitarrist Fabiano Pereira und Mondlak, spielt das Trio modernen Jazz, Latin-Jazz, Blues in moderner Interpretation, „rhythmisch und sehr energiegeladen“, wie Streve-Mülhens es beschreibt.

Konzert gemeinsam mit dem Bunten Kreis

Gedanklich ist der 74-Jährige seit Monaten mit der Organisation des Konzerts beschäftigt. Die Idee jedoch sei noch früher entstanden, als er Inka Orth, Vorsitzende des Bunten Kreises Rheinland, kennenlernte. Der Verein unterstützt seit rund 15 Jahren schwerstkranke Kinder und deren Familien. „Wir haben im vergangenen Jahr gemeinsam eine Benefiz-Oldtimer-Rallye organisiert“, sagt er. „Als es nun darum ging, dieses Jazzkonzert auf die Beine zu stellen, war für mich gleich klar, dass dies gemeinsam mit dem Bunten Kreis geschehen soll.“

Auf 400, vielleicht sogar 600 Besucher hoffen Streve-Mülhens und Orth an diesem Abend. Unter ihnen wird wohl auch Pfarrer Markus Hoitz, Geschäftsführer der Stiftung Kloster Heisterbach, sein. „Als ich ihn etwas bange gefragt habe, ob er sich Jazz vor der Chorruine vorstellen kann, hat er gleich begeistert zugesagt“, erinnert sich Streve-Mülhens. Und dann strahlt er erneut: „Eigentlich profitieren alle: Die Musiker, die vor der einzigartigen Kulisse spielen, Musikliebhaber und die Kinder und Familien, die der Verein unterstützt.“ Auch deshalb lautet das Motto des Abends eben „From Jazz with Love“.