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Niederdollendorfer Züchter Siegfried Schwabe: Seine Kaninchen entspannen bei Schlagern

Niederdollendorfer Züchter Siegfried Schwabe : Seine Kaninchen entspannen bei Schlagern

Einzelzimmer, leichte Musikbeschallung, frische Luft und immer Nahrung vor der Nase - man kann es schlechter antreffen als die Kaninchen von Siegfried Schwabe. Der Vorsitzende des Rassekaninchenzuchtvereins R415 Dollendorf-Oberkassel ist eben mit ganzem Herzen Züchter. Über sein Hobby, die bevorstehende Schau in Oberkassel und über Kaninchenbraten sprach der 69-Jährige aus Niederdollendorf mit Silke Elbern.

Herr Schwabe, Schlagermusik im Kaninchenstall hätte ich jetzt nicht erwartet.
Siegfried Schwabe: Das war der Tipp eines befreundeten Züchters. Wenn ich diese Musik laufen lasse, sind die Tiere bei den Ausstellungen viel ruhiger. Vorher haben sie auch schon mal gekratzt oder gebissen, wenn sie durch die Jury-Hände gewandert sind.

Gibt es weitere Geheimtipps zur guten Haltung?
Schwabe: Die Kaninchen müssen immer Frischluft haben. Es dürfen sich keine Dämpfe bilden. Außerdem bin ich kein Freund von dunklen Ställen, sondern habe hier Tages- und Kunstlicht.

Was zeichnet Ihre Tiere aus?
Schwabe: Auf die Deutschen Kleinwidder habe ich mich vor vier Jahren spezialisiert. Die Rasse ist entspannt, hat im Gegensatz zu anderen hängende Ohren und einen großen Kopf. Meine sind grau.

[Zur Person]Und Sie schneiden bei den Schauen gut ab?
Schwabe: Ja, ich war schon einmal Landesmeister. Die Richter achten zum Beispiel auf Fellfehler, Haltungsfehler oder die Länge der Ohren. Die liegt bei mindestens 31 Zentimetern. Wenn ein Tier gut bewertet wird, kann man es weiterverkaufen an andere Züchter.

Und wenn ein Tier, nennen wir es, durchfällt?
Schwabe: Dann gibt es einen guten Braten. Ich brate die Keulen und Rückenstücke scharf an und lasse sie dann in Rotwein, Zwiebeln, Senf und Gewürzen 2,5 Stunden ziehen. Vor allem zu Weihnachten ist das ein Genuss. Älter als drei Jahre sollte das Tier nicht sein.

Der ein oder andere Leser könnte es als kalt empfinden, dass Sie "Ihre" Kaninchen essen.
Schwabe: Nein, ist es nicht und war auch früher gang und gäbe. Zum Beispiel zur Selbstversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg. Meine Kleinwidder haben auch keine Namen, bei 30 Tieren wäre das auch einfach zu viel. Sie tragen tätowierte Nummern im Ohr.

[Kaninchenausstellung]Stichwort früher: Die Züchter werden immer älter, der Nachwuchs fehlt. Sind Ausstellungen wie die am Sonntag in Oberkassel auch zur Mitgliedergewinnung gedacht?
Schwabe: Idealerweise schon. Aber man kann schon verstehen, warum dieses Hobby immer seltener wird. Die Bebauung wird immer enger, und es ist eben nicht wie beim Computer, wo man den Deckel einfach zu macht. Ich bin jeden Abend rund drei Stunden im Stall, täglich bekommen die Kaninchen frisches Wasser und neu eingestreut. Ein Mal pro Woche erfolgt eine Generalreinigung. So was übernimmt der Nachbar nicht mal gerade im Urlaubsfall, die Fütterung einer Katze hingegen schon.

Was erwartet die Gäste in Oberkassel?
Schwabe: Wir sind zum 25. Mal dort. 15 Aussteller zeigen ihre schönsten Tiere der verschiedenen Rassen. Für Kinder gibt es ein kleines Streichelgehege, und der Eintritt ist an beiden Tagen frei.