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Kita-Streik in Niederkassel: 150 Erzieherinnen und Erzieher demonstrieren für höhere Löhne

Kita-Streik in Niederkassel : 150 Erzieherinnen und Erzieher demonstrieren für höhere Löhne

Es war ein ohrenbetäubender Lärm, den die rund 150 Erzieherinnen und Erzieher am Montag um Punkt zwölf mit ihren Trillerpfeifen erzeugten. Mit dieser Aktion eröffneten sie die Kundgebung auf dem Niederkasseler Rathausplatz, mit der sie sich gemeinsam mit einigen Eltern und Kita-Kindern Gehör verschafften.

Die Gewerkschaft Verdi unterstützte sie dabei. "Der Platz ist zentral und nahe bei denen, die für die Besoldung zuständig sind", begründete Verdi-Gewerkschaftssekretär NRW Süd Stefan Dreesbach die Wahl des Ortes. Kurz nach der Eröffnung ließen sich dann auch Bürgermeister Stephan Vehreschild und die Beigeordnete Mechtild Schlösser-Macke sehen. Vehreschild äußerte Verständnis für die Forderungen, forderte jedoch Augenmaß, was ihm Pfiffe einbrachte. Auch aus Troisdorf und dem gesamten Kreis seien rund 70 Erzieherinnen und Erzieher nach Niederkassel gekommen, um ihre Forderungen kund zu tun, so Dreesbach.

Für Niederkassel, das nach Troisdorf gestern die am stärksten bestreikte Stadt des Rhein-Sieg-Kreises war, hatten die Kita-Leiterinnen Sylvia Krieger (Kita Langgasse) und Liane Ruffing (Familienzentrum Pappelweg) die Aktion organisiert. 13 der 15 städtischen Kitas machten mit. Besonders am Herzen lag den Erzieherinnen und rund 15 Erziehern, dass das Berufsbild, das sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert habe, aufgewertet werde. U 3-Gruppen, frühkindliche Bildung oder Inklusion erforderten hohe fachliche Standards, die jedoch nicht bezahlt und damit anerkannt würden. "Wir leisten immer mehr Sozialarbeit und bekommen diese nicht entsprechend bezahlt", lautete ein Argument.

Negative Stimmen zum Kita-Streik gab es im Umfeld des Rathausplatzes gestern nicht. Einige Eltern mit ihren Kita-Kindern unterstützen die Forderungen nach höheren Besoldungsstufen. So berichtet Pia Drießen, deren drei Kinder die Einrichtung in der Kopernikusstraße besuchen, dass diese seit einem Jahr ohne Leitung sei und die Arbeit von den verbliebenen Erzieherinnen übernommen werden müsse. Zwar sei sie grundsätzlich bereit, höhere Beiträge zu zahlen, andererseits müsse die Finanzierung ihrer Meinung nach durch eine Umverteilung im Haushalt der Stadt sichergestellt werden, forderte sie.

Auch Mareike Ludwig setzte sich für die Höhergruppierung der Erzieherinnen ein. "Wir geben unsere Kinder in gute Hände - und das sollte entsprechend honoriert werden." Ihre Zwillinge besuchen die Kita-Weidenstraße, und sollte der Streik fortgeführt werden, hätte die medizinisch-technische Assistentin ein Problem. "Dann muss ich testen, wie sozial mein Arbeitgeber eingestellt ist", so die Mutter. Ob in Niederkassel weiter gestreikt wird, wurde gestern noch im Organisationsteam beraten. "Wir müssen berücksichtigen, dass die wenigsten Erzieherinnen, die heute streiken, gewerkschaftlich organisiert sind", meinte die Leiterin der Kita Schillerstraße, Christine Nettersheim. Damit verzichteten sie mit jedem Streiktag auf einen Tag Gehalt.

Auch abseits der Streikenden gab es durchaus Verständnis für die Aktion. Markus Kötter kam zufällig vorbei und meinte, er habe zwar keine Kinder, aber es sei wichtig, dass die Entlohnung der Erzieher stimme. "Für diese Forderungen hätte ich mich auch dort hingestellt", meinte er.