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Interview Silvia Möller: "Dann frage ich einfach meine Kinder"

Interview Silvia Möller : "Dann frage ich einfach meine Kinder"

Die Hangelarer Journalistin Silvia Möller veröffentlicht im Januar ihr zweites fiktives Kinderbuch. Was sie macht, wenn sie beim Schreiben mal nicht weiter weiß, hat sie im Interview verraten.

Sie liebt das Schreiben - das ist nicht verwunderlich für eine ausgebildete Redakteurin und Buchautorin. Dass sie jedoch ihre Geschichten überwiegend vor einem christlichen Hintergrund verfasst, ist eine Besonderheit der Hangelarer Autorin Silvia Möller (42).

Auch wenn die Geschichte des Drachen Chasiri - ihr Erstlingswerk - eine Sequenz aus dem eigenen Leben erzählt: Keinen Zweifel an dem katholischen Hintergrund lässt ihr aktuelles Kinderbuch, das als Erstkommunion-Krimi unter dem Titel "Der geheimnisvolle Diebstahl", noch im Januar erscheint. Diesen Auftrag hat die Journalistin über ihren Mentor und Freund, den Hangelarer Buchautor und Theologen Georg Schwikart, an Land gezogen.

Der einstige Katholik konvertierte zum evangelischen Glauben, nachdem Kardinal Meisner seine Berufung zum Diakon ablehnte - ein Vorgang, der vor zwei Jahren in der Hangelarer Pfarrgemeinde und darüber hinaus für Empörung sorgte.

Über Möllers Motivation, christliche Literatur für Kinder zu verfassen, sprach Martina Welt mit der Autorin.

Frau Möller, Sie sind ausgebildete Redakteurin, schreiben jetzt jedoch fast ausschließlich Bücher. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Silvia Möller: Ich habe drei Kinder, die an oberster Stelle in meinem Leben stehen. Da ist das mit dem Arbeiten als Journalistin schwierig. Die Aufträge zu den Büchern habe ich fast alle über Georg Schwikart bekommen, den ich über die Kirchengemeinde Sankt Anna kennengelernt habe. Er hat mich gefragt, ob ich einen Auftrag übernehmen könnte, da er das zeitlich nicht hinbekommt. So ist das auch bei meinem aktuellen Buch gewesen.

Woher kommt Ihre große Affinität zum Glauben und ihr theologisches Wissen?
Möller: Ich bin überzeugte Christin und engagiere mich seit mehr als zehn Jahren in meiner Heimatgemeinde. Kirchliche Jugendarbeit mache ich schon seitdem ich 16 Jahre alt bin. Danach war ich Firmkatechetin, habe Wortgottesdienste gestaltet und bin aktuell wieder Kommunionkatechetin.

Ihr erstes fiktives Kinderbuch über den Drachen Chasiri hat keinen religiösen Hintergrund. Wie ist es entstanden?
Möller: Als das Buch entstand, war meine mittlere Tochter Annika neun Jahre alt. Sie fragte mich damals, was ich eigentlich gemacht habe, bevor die Kinder kamen, und ich erzählte ihr, dass ich Journalistin bin und dass ich sogar mal beim Fernsehen gearbeitet habe. Annika bekam bei diesem Stichwort ganz große Augen und fand das toll. Ich versuchte ihr dann zu erklären, dass es auch Geschichten gibt, die man nicht unbedingt in der Öffentlichkeit erzählen möchte, und dann habe ich dieses Buch geschrieben, in dem genau darum geht.

Wie viel von Silvia Möller steckt in der Geschichte vom Drachen Chasiri?
Möller: Eine ganze Menge, denn gerade bei RTL erging es mir damals ähnlich. Ich war 19 Jahre alt und habe kaum reflektiert, was ich da mache. Man läuft mit und hat nicht den Blick von außen. Der kommt dann erst später, gerade wenn man eigene Kinder hat und sich vorstellt, dass sie so in das Rampenlicht gezerrt werden könnten.

Was hat Annika zu dem Buch gesagt?
Möller: Sie war begeistert und hat es bis heute in ihrem Zimmer stehen, so dass man es gleich sehen kann. Ich habe die Geschichte zunächst ja nur für sie geschrieben. Die Idee, daraus ein Buch zu machen, kam von Georg Schwikart.

Ihr neues Buch erklärt die erste heilige Kommunion?
Möller: Es ist eine fiktive Detektivgeschichte und ein Kommunionbuch zugleich. Der Ernst-Kaufmann-Verlag stellte sich eine Geschichte vor, in der etwas Wertvolles aus der Kirche verschwindet und eine Gruppe von Kindern das Rätsel lösen. Das war die Marschrichtung vor dem Hintergrund der Erstkommunion.

Wie haben Sie diesen Bogen gespannt?
Möller: Ich habe mir einen Gegenstand gesucht, der aus der Kirche stammt und der geklaut wird. In meinem Fall war das ein wertvolles Evangelium. Die vier Helden bekommen mit, dass das Buch fehlt und die Suche beginnt. Der Verdacht fällt zunächst auf Lukas, der in die gleiche Kommuniongruppe geht wie sie. Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten. Es geht um Themen wie Freundschaft, Vertrauen, Versagen, Ausgrenzen und Versöhnen.

Wie gehen Sie dann vor? Erstellen Sie erst ein Konzept oder schreiben Sie einfach drauf los?
Möller: Ich habe eine Geschichte in Stichworten im Kopf. Dann aber setze ich mich hin und erstelle eine Art Mind-Map. Das sind zum Schluss oft riesige Bögen, mit Pfeilen, Querverweisen und Kritzeleien. Im Zentrum stehen die Protagonisten, die mit Leben gefüllt werden müssen. In dieser Phase kann es dann schon mal passieren, dass ich beim morgendlichen Hundespaziergang mit mir selbst spreche und so meine Figuren weiterentwickle. Und wenn es knifflig wird, frage ich einfach meine Kinder. Die erzählen mir dann schon, wie man zum Beispiel als Siebenjähriger so richtig flucht. Bei meinem neuen Buch hatte ich zudem mit Kristin Lückel als Lektorin eine wundervolle Partnerin. Das ist nicht selbstverständlich.

Gibt es schon eine Geschichte für Ihr nächstes Buch?
Möller: Ich schreibe im Moment eine Geschichte für Jugendliche. Ob die mal ein Buch wird, weiß ich noch nicht. Thematisch geht es um ein Mädchen - das Schattenmädchen -, das nach dem Tod des Vaters versucht, aus dem tiefen Loch, in dem sie steckt, wieder heraus zu kommen.

Zur Person

Silvia Möller ist 42 Jahre alt und wohnt seit zwölf Jahren mit ihrer Familie in Hangelar. Sie hat drei Kinder im Alter von sieben, zwölf und 14 Jahren. Geboren wurde die Ostfriesin in Emden, wo sie erste journalistische Erfahrungen während ihrer Schulzeit bei der Emder Zeitung sammelte. Die ausgebildete Redakteurin studierte in Bamberg Germanistik, Journalistik und Medienrecht. Studienbegleitend arbeitete sie für den Privatsender RTL. Nach dem Studium war Möller in der Pressestelle des Deutschen Bundestages bis zur Geburt ihrer Tochter tätig.