Ergebnisse des Zensus 2011 Zweifel an Einwohnerzahlen im Rhein-Sieg-Kreis

RHEIN-SIEG-KREIS · Nachdem Ende Mai die Zahlen der Volkszählung von 2011 veröffentlicht worden sind, steht fest: Im Rhein-Sieg-Kreis leben rund 21.000 Menschen weniger, als bislang gedacht. Für Städte und Gemeinden könnte das Ergebnis finanzielle Folgen haben. Weniger Einwohner bedeuten etwa auch weniger Landesgeld. Einige Kommunen äußern jedoch Zweifel am Ergebnis und kritisieren das Zählverfahren.

 Für viele Kommunen überraschende Zahlen brachte der Zensus 2011.

Für viele Kommunen überraschende Zahlen brachte der Zensus 2011.

Foto: dpa

Bis 8. Juli hatten die Kommunen Zeit, beim Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) zu den neuen Zensuszahlen Stellung zu nehmen und etwaige Bedenken anzumelden. Bis Ablauf der Anhörungsfrist haben einige Kommunen davon Gebrauch gemacht. Rechtsrheinisch haben etwa Sankt Augustin und Siegburg Bedenken angemeldet. Laut den Zensuszahlen mit Stand vom 9. Mai 2011 leben im Vergleich zur Bevölkerungsfortschreibung der Stadt mit Stand vom 30. Juni 2011 genau 1813 Menschen weniger in Sankt Augustin. In Siegburg fallen laut Zensus für die gleichen Zeitpunkte 998 Einwohner weg.

"Wir können die Abweichung nicht nachvollziehen", sagte Pressesprecherin Eva Stocksiefen. Sankt Augustin hatte IT.NRW einen gänzlich anderen Anfangsbestand gemeldet, als nun angegeben wurde. Die Stadt geht deshalb davon aus, dass lediglich rund 1500 Einwohner weniger in Sankt Augustin leben. Zur Diskrepanz zwischen den Einwohnerzahlen der Stadt und denen des Zensus wünsche sich die Stadt Aufklärung, auch im Bezug auf die konkreten Berechnungsschritte, die zu den Zensuszahlen geführt haben. "Wir behalten uns vor, Klage einzureichen, wenn unsere Bedenken nicht ausgeräumt werden", so Stocksiefen.

Auch Siegburg hat von der Möglichkeit der Anhörung Gebrauch gemacht. Die Stadt erwartet daher Akteneinsicht und steht dem Zählverfahren kritisch gegenüber. "Zum einen ist das gesamte Verfahren nicht transparent genug, zum anderen sind wir der Auffassung, ein durchaus gutes Melderegister zu haben", sagte Co-Dezernent Bernd Lehmann auf Anfrage. Man warte nun die Gelegenheit der Akteneinsicht ab, danach würde die Stadt überlegen, ob sie die Zahlen akzeptiert oder Klage erhebt.

Hennef und Niederkassel haben von der Möglichkeit einer Anhörung hingegen keinen Gebrauch gemacht. "Die Auswirkungen auf die Kommunen lassen sich ohnehin kaum abschätzen, weil die Bevölkerungszahl insgesamt gesunken ist", sagte Hans-Ulrich Busch, Pressesprecher der Stadt Niederkassel.

Auch wenn einige Kommunen sich gegen die neuen Zahlen wehren, für Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler sind die Zensuszahlen nachvollziehbar. Die rund 21.000 Menschen weniger im Kreis entsprächen rund 3,5 Prozent der Weggezogenen. Er vermutet, dass es sich dabei überwiegend um Ausländer handelt, die in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, ohne sich abzumelden. "Für mich persönlich ist das die naheliegendste Erklärung", so Tengler. Eine Diskrepanz von 3,5 Prozent sei für ihn daher eine durchaus plausible Größe.

Zensus 2011

Vor dem Zensus aus dem Jahr 2011 hatte es zuvor 1987 eine Volkszählung gegeben. Während damals jedoch eine Vollzählung durchgeführt wurde, wurden 2011 nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung gezählt. Die Ergebnisse beruhen auf Haushaltsbefragungen, die mit den Melderegistern der Städte und Gemeinden abgeglichen wurden. Zusätzlich wurden die Zahlen mittels mathematischer Berechnungen bereinigt.