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Gespräch am Wochenende: "Am Sonntag bin ich richtig kaputt"

Gespräch am Wochenende : "Am Sonntag bin ich richtig kaputt"

Wenn andere Menschen sich etwas zurücklehnen können, geht für Engelbert Hennes der Stress richtig los. Der 58-jährige Seelsorgebereichsmusiker für Alfter ist an den Ostertagen hauptverantwortlich für die musikalische Gestaltung von acht Messen.

Mit ihm sprach Hans-Peter Fuß.

Sie führen in der Messe am Ostersonntag (9.30 Uhr in der Alfterer Pfarrkirche) Mozarts Spatzen-Messe auf. Worauf können sich die Messbesucher freuen?
Engelbert Hennes: Es ist eine festliche Messe mit Trompeten, Pauken und Streichern. Wie bei Mozart üblich, hat sie eine volkstümliche Melodik.

Warum haben Sie sich für die Spatzen-Messe entschieden?
Hennes: In den vergangenen Jahren haben wir andere Mozart-Messen aufgeführt. Jetzt war die Spatzen-Messe wieder an der Reihe, auch wegen ihres Bezugs zu Ostern.

Worin liegt der begründet?
Hennes: Die originale Notenniederschrift ist verschollen. Man nimmt aber an, dass Mozart die Messe um den Jahreswechsel 1775/76 komponiert hat. Sie wurde dann Ostern 1776 im Salzburger Dom uraufgeführt. Im Zuge der Aufklärung wollte die Kirche damals auch die geistliche Musik vom barocken Pomp und Glanz befreien. Mozart stand im Dienste des Salzburger Erzbischofs Colloredo. Und der wollte eine kurze Messe. Denn auch ein Festhochamt sollte nicht länger als 45 Minuten dauern.

Was bedeutete diese Vorgabe für den Komponisten?
Hennes: Mozart musste sich beschränken. Das Kyrie dauert nur knapp zwei Minuten, die ganze Spatzen-Messe gerade mal eine gute Viertelstunde. Er konnte in der Messe keine ausgedehnten Arien unterbringen. Auch auf Schluss-Fugen und Textwiederholungen musste er in diesem Werk verzichten.

Worin besteht dann der Reiz des Werkes?
Hennes: Trotz der Kürze schafft Mozart eine Spannung durch die Abwechslung zwischen Chor und Solisten. Einheitlichkeit entsteht durch ein Orchestermotiv im Gloria und im Credo. Mozart rundet die Messe ab, indem er in der Friedensbitte "Dona nobis pacem" am Ende auf die Melodie des Kyrie zurückgreift.

Worauf beruht der Name der Messe?
Hennes: Auf einem Motiv im Sanctus, das sich wie das Zirpen eines Spatzes anhört.

Wie lange und auf welche Weise haben Sie an dem Werk geprobt?
Hennes: Wir haben zum Jahresbeginn mit den Proben begonnen. Mit dem Chor waren es sechs Mal zwei Stunden, die Orchestermusiker haben zunächst individuell geübt. Am heutigen Samstag treffen wir uns zur Generalprobe mit Chor, Orchester und Solisten.

Welche Herausforderungen stellt das Werk an Chor und Orchester?
Hennes: Bei der Kürze des Werks kommt es auf jede Note, auf jedes Wort an. Der Text muss verständlich sein, die Aussprache klar. Alle Beteiligten müssen auf Synchronität achten. Bei jedem Takt ist höchste Konzentration gefordert. Bei den Streichern hört man jeden falschen Ton. Man kann nichts kaschieren. Gesang und Musik müssen genau aufeinander abgestimmt sein. Mozart hat das Werk komponiert wie ein Maler mit feinen Pinselstrichen. Laut, leise, die richtigen Betonungen.

Was erwarten Sie von Ihren Sängern und Musikern?
Hennes: Eine gute Vorbereitung und volle Konzentration. Wir wollen die eigene Freude an der Musik den Zuhörern vermitteln und die Messe würdig und feierlich gestalten.

Worauf müssen Sie als Dirigent während der Messe achten?
Hennes: Auf 1000 Dinge. Zunächst einmal darauf, dass alle pünktlich sind, damit keine Hektik entsteht. Der gleichzeitige Einsatz ist wichtig, ebenso die richtigen Anfangstöne. Ich muss das Geschehen am Altar im Auge haben, um eventuell Überbrückungen vorzunehmen.

Können Sie sich überhaupt auf die heilige Handlung am Altar konzentrieren?
Hennes: Das ist kaum möglich. Während der Messe bin ich hauptsächlich auf die Musik konzentriert.

Wie greifen Sie ein, wenn Sie einen falschen Ton hören?
Hennes: Die Kunst eines Dirigenten besteht darin, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Durch Erfahrung entwickelt man einen siebten Sinn für schwierige Stellen, durch die man Chor und Orchester mit Gesten im Voraus manövriert.

Hat ein Chorleiter an den Feiertagen überhaupt noch Muße?
Hennes: Das ist schwierig. Von Gründonnerstag bis Ostersonntag habe ich neun Dienste, wobei die Osternachtsmesse am Samstag mit gut zwei Stunden die anstrengendste ist. Danach treffen wir uns noch im Pfarrheim zu einem Glas Wein. Dann geht es am Sonntagmorgen weiter. Am Mittag esse ich mit der Familie, und am Nachmittag bin ich dann richtig kaputt.

Welches Werk nehmen Sie sich als nächstes vor?
Hennes: Wir feiern im nächsten Jahr Doppeljubiläum. Der Chor besteht 150 Jahre, das Orchester 50 Jahre. Deshalb wollen wir bereits am 22. November 2015 mit dem Lüftelberger Chor zusammen "Die Schöpfung" von Haydn aufführen. Es ist ein opulentes, zweistündiges Oratorium. Wir haben schon mit den Proben begonnen.

Welche Musik hören Sie privat gerne? Auch mal Rock und Pop?
Hennes: Aktuelle Sachen weniger. Ich mag die Beatles und den Rock'n'Roll der 50er Jahre. Außerdem höre ich gerne Jazz und Swing von Glenn Miller und Benny Goodman, die Bläck Fööss und natürlich klassische Musik.

Zur Person

Engelbert Hennes (58) stammt aus Bonn. Nach dem Abitur am Helmholtz-Gymnasium absolviert er ein Studium an der Musikhochschule Köln und schließt ein Dirigentenstudium an. Sein Diplom schafft er mit Auszeichnung. Er spielt Klavier und Orgel. Seit 1984 leitet er den Lüftelberger Kirchenchor, seit 2001 ist er Seelsorgebereichsmusiker für Alfter. Mit seiner Frau Barbara lebt Hennes in Oedekoven.