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Aus Anatolien in die Voreifel: 93 kurdische Familien aus dem Dorf Zelxider wohnen in Meckenheim und Rheinbach

Aus Anatolien in die Voreifel : 93 kurdische Familien aus dem Dorf Zelxider wohnen in Meckenheim und Rheinbach

Alican Tayfur (42) ist türkischer Kurde und wohnt mit seiner Frau Saadet (39) und seinen drei Söhnen Serdil (14), Ahmet (11) und Mirbey (5) in Alt-Meckenheim. Geboren wurde Alican Tayfur in einem kleinen Dorf in Ostanatolien.

Das Dorf heißt Zelxider, liegt etwa 600 Kilometer Luftlinie von Ankara entfernt und hat rund 2500 Einwohner - allerdings nur im Sommer, wenn alle auf dem Land sind. Im Winter ziehen viele nach Istanbul, wo das Leben dann einfacher ist. Viele von ihnen wandern auch aus wegen der schwierigen Verhältnisse für Kurden in der Türkei.

Wenn die Bewohner von Zelxider der Türkei den Rücken kehren, ist ihr Ziel in Deutschland meist die Voreifel: 93 Familien aus dem Dorf haben sich in den vergangenen 20 Jahren hier angesiedelt: 75 Familien in Meckenheim und 18 Familien in Rheinbach.

Alican Tayfur lebt bereits seit 1989 in Deutschland, wohnte zunächst jedoch in Königswinter, bis er 1993 in Meckenheim im Möbellager eine Arbeit fand. Heute ist er Busfahrer, CDU-Mitglied und Sachkundiger Bürger im Ausschuss für Familie, Integration und Soziales.

Seine Frau Saadet kannte er vor der Verlobung nicht. "Sie wohnte im Nachbardorf in der Türkei und meine Oma hat gesagt, dass ich sie kennenlernen soll, also haben wir telefoniert und uns verlobt", erzählt Alican Tayfur. Erst nach der Verlobung durfte seine zukünftige Ehefrau zu ihm.

So wie Alican und Saadet haben die 93 Familien in Meckenheim und Rheinbach alle ihre eigene Geschichte. Einige davon möchte Alican Tayfur in einem Buch sowie einer Ausstellung erzählen und damit einen Beitrag leisten zum besseren Kennenlernen und Verständnis und somit zur Integration seiner Landsleute.

Unterstützung bekommt er von Horst-Pierre Bothien, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bonner Stadtmuseum, und dessen Frau Annette, die das Projekt angestoßen hat. Sie gibt für die Volkshochschule Integrationskurse.

"Ich fand es hochinteressant, dass so viele Kurden, die auch noch alle aus demselben Dorf kommen, sich in Meckenheim oder Rheinbach niederlassen", sagt Annette Bothien. Ihr Interesse nach den Beweggründen und den Lebensumständen der Menschen war geweckt. Erste Versuche, dieses auch öffentlich zu machen und damit einen Beitrag zur Verständigung zwischen den Kulturen zu leisten, seien jedoch versandet.

Erst als Annette Bothien in einem ihrer Kurse dann Alican Tayfurs Cousin Alisan kennenlernte, der ebenfalls aus dem ostanatolischen Dörfchen kommt, nahm das Projekt Gestalt an. Ein Fragebogen wurde entwickelt, der die Auswanderer nach ihren Familienverhältnissen, Sprachkenntnissen und Befindlichkeiten befragt. 110 Fragebögen wurden verteilt, 62 kamen zurück.

Demnach lässt sich schon jetzt erkennen, dass die große Anzahl an Kurden aus Zelxider in Meckenheim auf Verwandtschaftsverhältnisse und die Erzählungen aus Deutschland zurückzuführen ist. Die Lebensverhältnisse in dem kurdischen Dorf ähneln eher denen in Deutschland vor hundert Jahren, glaubt Bothien.

Es werde noch per Hand gemolken, selbst Brot gebacken und die Häuser seien aus großen Steinquadern mit Lehm dazwischen gebaut. Allerdings sei auch schon ein Wandel erkennbar. Den drei Akteuren ist es wichtig zu zeigen, wo die kurdischen Nachbarn, der türkische Obsthändler oder der Döner-Verkäufer herkommen. "Dann versteht man vieles besser", sagen sie einhellig.

"Wir hatten den Eindruck, dass die Kurden nur darauf warteten, dass auch mal Deutsche auf sie zukommen und fragen, wie es ihnen geht", beschreibt es der Neffe Tayfurs, Cemal Tayfur, der an der Uni Bonn Politische Wissenschaft studiert hat und sich an dem Projekt beteiligt.

Für das Ehepaar Bothien und Alican Tayfur bleibt die Hoffnung, mit der geplanten Ausstellung mit Fotos und Interviews sowie mit einem Buch, das sie veröffentlichen wollen, einen kleinen Mosaikstein zur Integration der Kurden beizutragen.

Erscheinen soll das Buch in türkischer und deutscher Sprache im Frühsommer 2013, die Ausstellung, für die sie auch noch Sponsoren suchen, könnte während der Kulturtage in Meckenheim gezeigt werden. Die Stadt hat bereits Unterstützung signalisiert.