1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Neue Show im Malente-Theater: "Im weißen Rössl" feiert Premiere im Bonner Spiegelzelt

Neue Show im Malente-Theater : "Im weißen Rössl" feiert Premiere im Bonner Spiegelzelt

"Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein" und "Was kann der Sigismund dafür" sind nur einige der Gassenhauer des Singspiels „Im weißen Rössl“. Damit hat die Familie Malente nun Premiere in ihrem Spiegelzelt an der B9 gefeiert.

Nach ihrem Ausflug in die 60er Jahre begibt sich die Familie Malente mit ihrem neuen Stück in die kunterbunte Postkartenidylle des Wolfgangsees: In den nächsten drei Monaten steigen sie mit ihren Gästen im Weißen Rössl ab, bei Wirtin Josepha, ihrem liebeskranken Zahlkellner Leopold und all den Piefkes, die aus dem fernen Berlin bei den Österreichern einfallen.

Die Premierenbesucher im vollen Theaterpalast an der B 9, teils in Dirndl und Lederhose, hatten bereits ihren Spaß an den vielen bekannten Melodien, dem aufwendigen Bühnenbild und natürlich den zehn Schauspielern. Für die gab es am Donnerstagabend lang anhaltenden Stehapplaus.

Das lag an der stimmigen, oft frivolen Inszenierung – eine Wundertüte aus Schauspiel, Gesang, Tanz und Revue: Effektvoll, wenn alle beim großen Regen ihre Herzschirme aufspannen und synchron in Richtung Publikum drehen. Das Rund des belgischen Spiegelzeltes ist dabei wie geschaffen, um einige Szenen auch mitten ins Publikum zu setzen. So etwa bei „Zuschau’n kann i net“, wo Dirk Vossberg-Vanmarcke (Leopold) im Scheinwerferlicht der Manegenmitte frustriert sein Liebesleid klagt.

Aufkommendes Operettengefühl

Dem Ensemble gelingt die Gratwanderung, dass bei allem Klamauk die anrührenden Szenen nicht im klebrigen Kitsch absaufen. Als die Wirtin (Knut Vanmarcke) schließlich dem lange verschmähten Leopold den Heiratsantrag ins Arbeitszeugnis schreibt und die beiden sich innig küssen, fließen bei einigen Zuschauern sogar ein paar Tränen. Diese Umarmung ist auch als ein Statement zu verstehen, denn die beiden Männer sind seit einigen Jahren miteinander verheiratet.

Zur Handlung: Der Berliner Fabrikant Otto Giseke will seine Tochter Otilie mit dem Sohn seines Konkurrenten Sülzheimer verheiraten, die verliebt sich aber in den Rechtsanwalt Dr. Siedler, auf den auch die Rössl-Wirtin ein Auge geworfen hat. Für die schmachtet aber auch der Oberkellner, sodass manche Verwirrung zu entwirren ist – letztlich durch den Kaiser persönlich, der im Wechsel von Walter Ullrich (Kleines Theater) und Bill Mockridge (Springmaus) gespielt wird. „Es ist großartig, das klassische österreichische Operettentheater macht so viel Spaß“, so Mockridge.

Das färbt aufs Publikum ab, das bei den Gassenhauern mitsingt. Besonders sticht der Sopran von Tabea Tatan (Ottilie) heraus, die dadurch für das richtige Operettengefühl sorgt. Doch auch die anderen Stimmen harmonieren bei den Duetten und mehrstimmigen Parts – dank des musikalischen Leiters Daniel Kirchmann, Bad Godesbergs katholischer Seelsorgebereichsmusiker.

Bis 28. Februar in Bad Godesberg

Höhepunkt der Choreographie von Marc Bollmeyer ist die Badeszene, bei der die Wirtin mit rotem Haar unerkannt planschen will und in ihrem rotweißen Badeanzug an Hollywoods berühmteste Badenixe Esther Williams von 1946 erinnert. Tüpfelchen auf dem i sind die vielen geschliffenen und witzigen Textpassagen wie „Auf dem Balkon dürfen Sie sich ausärgern nach Herzenslust“ oder „I bin doch kein Depp – Du bist noch jung, Du kannst noch einer werden“. Das schönste Fazit zieht schließlich der liebenswürdige Kaiser: „Es war sehr schön. Es hat mich sehr gefreut.“

„Im weißen Rössl“ läuft bis zum 28. Februar, in der Regel täglich außer Montag und Dienstag (samstags meist zwei Vorstellungen). Karten ab 25 Euro gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen. Mehr steht auf theaterpalast.de.