1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn: So lässt sich digitaler Hass bekämpfen

Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn : So lässt sich digitaler Hass bekämpfen

Rechtsextremismusexperten der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn informieren über umstrittene Inhalte von Imageboards im Internet. Beleidigungen sind dort an der Tagesordnung.

Nicht erst seit dem Attentat von Halle sind Internetplattformen in den Fokus von Behörden und Experten gerückt. Sogenannte Imageboards, auf denen Nutzer anonymisiert Inhalte posten, sind schon seit vielen Jahren Schauplätze menschenfeindlicher Beleidigungen und werden von Terroristen sogar dazu genutzt, ihre Taten anzukündigen. Beim BpB-Forum „Weißer digitaler Hass“ gaben Rechtsextremismusexpertin Karolin Schwarz und ihr Kollege Jan Rathje einen Einblick in politische und unpolitische Foren im Netz. Eine „Welt, die neu und sicherlich auch fremd ist“, wie sie sagten.

„Stellen Sie sich die schlimmsten Ihnen bekannten Beleidigungen vor und multiplizieren Sie sie mit zehn“, so Schwarz. Dann habe man ungefähr die Art der Beleidigungen, die auf Imageboards, auch Chans genannt, Alltag seien. Nicht selten gehe es in den Diskussionen um politische Themen – Migration, Klimawandel oder Antisemitismus. Doch nicht nur für die Leugnung des menschengemachten Klimawandels werden die Plattformen genutzt, Unterhaltungsthemen fänden ihren Platz dort ebenfalls, so die Expertin. Animes oder lustige Katzenbilder erwecken teils den Anschein, dass die Foren gar nicht so problematisch sind. Das und die „provokante Sprache“, die von Rechtsextremen als Köder genutzt werde, locke die relativ jungen, potentiellen Nutzer an.

Die Foren sind aufgeteilt in Channels, für jedes Thema einer. Besonders stellte Schwarz die sogenannten Pol-Channels, die Abkürzung für „politically incorrect“, heraus und bezog sich auf den Channel, der als „random“, also zufälliger Inhalt, gekennzeichnet ist. Neben Pornografie und Gewalt seien die beiden Kanäle Schauplätze offener Menschenfeindlichkeit. Dabei sei es schwierig, Portale wie diese zuverlässig zu moderieren. Zu viel Inhalt auf zu vielen Unterseiten mache das kaum möglich.

Gefahr auch Offline

Was wie ein Internetphänomen scheint, kann auch offline gefährlich werden. Schwarz nennt Aktionen, bei denen intime Fotos prominenter Frauen veröffentlicht, das Hakenkreuz in die Bestenliste bei Google Trends gelangt und eine Elfjährige „massenhaft mit Morddrohungen bombardiert“ worden sei. Imageboards seien „Ursprung vieler Aktionen, bei denen Menschen zu Schaden kommen“.

Wenn mal eines der Portale Inhalte sperrt oder das Forum aus diesen Gründen abschaltet, dauert es nicht lange, bis die Nutzer zu einer weiteren, ähnlichen Plattform umziehen. Von dort aus koordinieren die Mitglieder ihre Aktionen dann weiter und beeinflussen beispielsweise auch die Diskussion in den größeren sozialen Medien wie Facebook und Twitter – oft mit Hilfe sogenannter Fakeaccounts.

„Neue Definition terroristischer Gruppierungen“

Was die Imageboards so erfolgreich macht, sei „die Gemeinschaft, in der die Nutzer machen können, was sie wollen“, stimmten Schwarz und Rathje überein. Vollständigen Schutz vor terroristischen Angriffen könne es niemals geben. Was jetzt nötig sei, so die Referentin, sei eine „neue Definition terroristischer Gruppierungen“. Immerhin hätte kein Nutzer einen Mitgliedsausweis, über den man ihn rückverfolgen könne. Und: Die Internetkompetenz in den Behörden müsse ausgebaut werden, sagte Schwarz mit einem Schmunzeln. Sie rief dazu auf, „heftige Beleidigungen nicht zu normalisieren und gab den Rat, sich „aus psychischen Gründen“ auf die Arbeit der Forscher und Behörden zu verlassen und die Plattformen nicht selbst zu nutzen.

„Man muss nicht gleich zum Superhelden mutieren“, so Schwarz – aber das Melden von menschenfeindlichen Inhalten gehe auch anonym. Rathje machte deutlich: „In den Chans sieht man Hardcore-Content, den man eine Weile nicht mehr aus dem Kopf bekommt.“