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Kommentar: Zu lange gewartet

Kommentar : Zu lange gewartet

Bezahlbare Wohnungen sind in Bonn ein rares Gut. Alle Prognosen sagen stark wachsende Einwohnerzahlen voraus. Bei einem Mangel an Bauland ist klar, was das in den nächsten Jahrzehnten für die Mietpreise bedeutet.

Um so wichtiger, die freien Kräfte des Marktes zumindest ein wenig zu bändigen, damit auch finanzschwächere Bonner eine Chance auf angemessene Unterkünfte haben. Neben dem Bau von Sozialwohnungen, an denen es mangelt, ist ein Mietspiegel das einzige Instrument für dieses Ziel.

Genau das macht die aktuelle Entscheidung eines Bonner Amtsrichters so brisant. Er hält den Mietspiegel der Stadt nicht für qualifiziert genug, um daraus eine verbindliche Vergleichsmiete abzuleiten. Die dient jedoch als Grundlage für die gesetzlich verankerte Mietpreisbremse, nach der Erhöhungen maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Preisniveau liegen dürfen. Der Bonner Mietspiegel hat gleich zwei Makel: Erstens ist die letzte Mieterumfrage schon fünf Jahre alt und danach nur mathematisch fortgeschrieben worden.

Sprich: Man hat den allgemeinen Verbraucherpreisindex auf die Mieten umgerechnet. Das aber kann nicht die Realität in einer Stadt abbilden, in der die Immobilienpreise seit 2011 förmlich explodiert sind. Zweitens war die Rückmeldungsquote von den Mietern an die Stadt damals wohl zu gering. Bei der neuen Umfrage, die (leider erst) im Frühjahr 2015 gestartet wurde, scheint sich das Problem noch zu verschärfen. Dabei wäre es im eigenen Interesse der angeschriebenen Mieter, Auskunft zu geben. Vielleicht suchen sie ja selbst irgendwann wieder eine möglichst preiswerte Wohnung in Bonn.