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Gastspiel: Beethoven Orchester feiert Abschied in Amsterdam

Gastspiel : Beethoven Orchester feiert Abschied in Amsterdam

Das Beethoven Orchester gastiert unter Leitung von Christof Prick im Concertgebouw in Amsterdam. Das Publikum ist begeistert.

Die Chefs des Bonner Beethoven Orchesters verabschieden sich offenbar gern im Ausland von ihren Musikern. Im vergangenen Jahr dirigierte Generalmusikdirektor Stefan Blunier in Toblach, Südtirol, sein letztes Konzert, sein Nachfolger Christof Prick beendete seine einjährige Amtszeit nun mit einem umjubelten Abend im Amsterdamer Concertgebouw.

In diesem 1888 eröffneten Konzertsaal, der nicht nur wunderschön ist, sondern auch wegen seiner Akustik zu den führenden Häusern weltweit zählt, zu spielen, ist für die Gäste aus Bonn schon wegen der Situation daheim etwas sehr Besonderes: Der qualitative Sprung vom World Conference Center, den sie in der vergangenen Saison wegen der Sanierungsarbeiten an der Beethovenhalle als Interimsspielstätte nutzten, zum Großen Saal des Concertgebouw ist ein gewaltiger.

Die Bonner stellten sich in dem voll besetzten Haus mit einem klassisch-romantischen Programm bestehend aus Werken von Johannes Brahms, Max Bruch und Ludwig van Beethoven vor. Von Brahms spielten sie zu Beginn die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn in B-Dur op. 56a, das, wie man seit Langem weiß, gar nicht von Haydn stammt. Das tut der Musik, mit der sich der Komponist vorsichtig ans Schreiben der großen Sinfonie herantastete, keinen Abbruch.

Unter Pricks sehr genauer und umsichtiger Leitung zeichnete das Beethoven Orchester die Farben und Schattierungen der Partitur mit feinem Pinsel nach.

Glücksfall Viviane Hagner

Für das erste Violinkonzert in g-Moll von Max Bruch eine Solistin wie die aus München stammende Viviane Hagner zur Verfügung zu haben, ist ein Glücksfall. Auch wenn die Deutsch-Koreanerin bekannt für ihre Leidenschaft für zeitgenössische Musik ist – unter anderem hat sie das Violinkonzert von Unsuk Chin uraufgeführt –, bringt sie doch, wie man am Donnerstagabend in Amsterdam eindrucksvoll erleben konnte, das große romantische Repertoire zum Glühen. Sie zeigt keine Scheu, die Leidenschaften und Gefühle in dieser Musik mit leuchtendem Ton und einer atmenden Phrasierung zum Leben zu erwecken. Die wunderschönen Melodien, die das Werk in verschwenderischer Fülle bereithält, klingen bei ihr mit innigem und tiefem Ausdruck. Prick spielte hier die Rolle des Regisseurs, der das Zusammenspiel in diesem orchestral überaus fein durchwobenen Werk subtil und souverän lenkt.

Das Publikum applaudierte nach dem Bruch-Konzert ebenso begeistert wie nach der sechsten Sinfonie in F-Dur von Ludwig van Beethoven, der „Pastoralen“, die im Anschluss auf dem Programm stand. Auch wenn Beethoven seine Sinfonie ausdrücklich nicht als Malerei in Tönen verstanden wissen wollte, kann der Hörer dennoch sehr konkret etwa das Plätschern eines Baches, Vogelrufe und vor allem das Gewitter identifizieren.

Letzter Einsatz vor dem Ruhestand

Doch Prick setzt hier nicht allein auf den Effekt, der im Gewitter natürlich seine Wirkung nicht verfehlte, sondern ihm gelingt es, eine feine Balance aus Naturschilderung und poetischem Ausdruck zu erzielen, wie im ersten Satz, wo er die Musik gleichsam aus sich selbst heraus entwickelt, oder in der „Szene am Bach“ mit ihren beseelt gespielten Holzbläserpassagen.

Für Carla Spannbauer aus den Reihen der ersten Violinen, Dietmar Paul Roehrig, Stimmführer bei den zweiten Violinen, sowie für den seit 1981 im Orchester spielenden Solocellisten Christian Brunnert war diese großartige „Pastorale“ der letzte Einsatz vor dem Ruhestand. Sie gingen mit einer Rose aus der Hand von Christof Prick.