1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

Begeisternde Premiere von "Ziemlich beste Freunde": Die Kunst zu leben

Begeisternde Premiere von "Ziemlich beste Freunde" : Die Kunst zu leben

Es gibt Geschichten, von denen man sagt, sie seien zu schön, um wahr zu sein. Die Geschichte von den "Ziemlich besten Freunden" ist so eine, hat aber den Vorzug, tatsächlich wahr zu sein oder zumindest auf einer wahren Begebenheit zu beruhen.

Was vor einigen Jahren Millionen im Kino eine ebenso herzerweichende wie amüsante Vorführung beschert hat, ist jetzt als Komödie im Bonner Contra-Kreis-Theater zu sehen. Den Vergleich zum Film muss man nicht ziehen - die von Gunnar Dreßler besorgte Bühnenfassung führt ihr eigenes, kluges Leben, sie kommt leichtfüßig daher, ohne die Schwergewichtigkeit des Stoffes zu leugnen.

Es ist ja schon, bei allem Wahrheitsgehalt, ein rechtes Sozialmärchen, was da abläuft. Philippe, der reiche, querschnittsgelähmte Adelige mit wenig Lebensmut, probiert einen neuen Pfleger aus, Driss, den dunkelhäutigen Ex-Knacki mit losem Mundwerk, der eigentlich alles andere im Sinn hat, als den Samariter zu spielen. Der Zusammenprall der Kulturen und sozialen Milieus - "Sie bringen mir Benehmen bei und ich Ihnen das Leben", sagt Driss - führt zu einer ungewöhnlichen Freundschaft und zu Erkenntnissen, vor allem über Kunst und Leben oder über die Kunst zu leben.

Autor Dreßler und Regisseurin Pia Hänggi führen das Ganze in einem noblen roten Salon (Bühne: Bodo Wallerath/Pia Hänggi) in knapp gefassten Szenen vor, die in einem schönen Rhythmus vorwärtsdrängen. Hänggi bringt dabei das Kunststück fertig, durchaus anrührende Wirkung zu erzielen, ohne sich in Rührseligkeit zu verlieren. Spätestens immer dann, wenn eine Mitleidsträne droht, schlägt die Inszenierung ganz unpathetisch einen geschickten Bogen ins Saloppe. Fürs komplette Theaterglück sorgen freilich die beiden Darsteller dieser so ungleichen Männer. Sigmar Solbach, dem Fernsehpublikum über viele Jahre als "der Arzt, dem die Frauen vertrauen" geläufig, lässt sich als Philippe auf die Herausforderung ein, sozusagen körperlos, nur mit Mimik und Stimme einen strapaziösen Bühnenabend durchzustehen. Er schafft das bewundernswert, nicht nur im virtuosen Umgang mit einem elektrischen Rollstuhl, sondern vor allem in kleinsten Ausdrucksveränderungen. Neben ihm wirkt die Körperlichkeit von Peter Marton natürlich besonders präsent; sein Driss hat den Charme des Herzens, und selbst im kräftigsten Witz schwingt immer Zärtlichkeit mit.

Um die beiden herum bewegt sich Kerstin Gähte liebevoll und lebenspraktisch als Privatsekretärin Magalie. Für Lutz Reichert, Olaf Böhnert und Julia Streich bleiben kleine, stichwortgebende Rollen, denen sie, soweit in der Kürze möglich, durchaus Profil geben. Das Publikum im Contra-Kreis-Theater reagierte begeistert und mit standing ovations.

0 Bis zum 26. April auf dem Spielplan des Contra-Kreis-Theater; Karten unter anderem in den Geschäftsstellen des General-Anzeigers