Michael Barth gibt am Sonntag sein Debüt als musikalischer Leiter des Collegium musicum Bonn Ein Glücksfall

Bonn · Manchmal muss eben der Zufall ein wenig nachhelfen. Als im vergangenen Frühjahr der vielbeschäftigte Dirigent und kommissarische Leiter des Collegium musicum Bonn, Andreas Winnen, eine Probe absagen musste, bat er seinen Kollegen Michael Barth einzuspringen.

Barth, der sich seit einiger Zeit zwar zugunsten eines Lehramts am Friedrich-Ebert-Gymnasium als aktiver Dirigent rar gemacht hatte, sagte zu, besorgte sich die Noten von Sergej Rachmaninows zweiter Sinfonie und legte los.

Er hatte nichts verlernt: Seine Arbeit stieß bei den studentischen Musikern auf große Resonanz. "Ich bekam schon am nächsten Tag einen Anruf, ob ich mir vorstellen könnte, das Orchester zu leiten", erzählt Barth in einem Gespräch. "In dieser Phase meines Lebens ist das ein absoluter Glücksfall für mich."

Die vergangenen Jahren hatte Barth sich vor allem auf seine Arbeit als Musik- und Bio-Lehrer konzentriert. Und sich um seine vier Kinder gekümmert. Nun soll wieder die Musik in den Vordergrund rücken.

Die erste Probenphase haben sie hinter sich, am Sonntag ist Premiere für den neuen Dirigenten des Collegium musicum mit einem spannenden Programm. "Ich wollte das erste Konzert möglichst früh machen", sagt Barth, der in der Uni-Aula Peter Iljitsch Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" und Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3, die "Rheinische", dirigieren wird.

"Ich habe das Dirigieren ja von der Pike auf gelernt", sagt Barth. In den 1990er Jahren studierte er an der Kölner Musikhochschule bei dem früheren Bonner Generalmusikdirektor Volker Wangenheim, wechselte später nach Essen, wo er 2002 an der Folkwang-Hochschule sein Examen bei David de Villiers mit Auszeichnung absolvierte.

Er leitete verschiedene studentische Orchester, wirkte als Korrepetitor in Hagen und Dortmund, und nahm bis 2014 einen Lehrauftrag für Dirigieren an der Kölner Musikhochschule wahr.

Dass die Konzerte des Collegium musicum mittlerweile wieder in der Aula der Universität stattfinden, ist nach den Turbulenzen um die Zukunft des Orchesters an der Universität vor drei Jahren nicht selbstverständlich. Der Eklat um die Neubesetzung der Stelle des Universitätsmusikdirektors und die Auflösung des Collegium musicum als universitäre Einrichtung hätten ohne den ausgeprägten Überlebenswillen der studentischen Musiker das Aus für das 1953 von Emil Platen und Joseph Schmidt-Görg gegründete sinfonische Ensemble bedeuten können.

Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und das Ensemble des Collegium musicum ist 2016 dem Kulturforum der Uni beigetreten. "Seither unterstützt die Uni uns sehr gut", erzählt die Cellistin Greta Lansen. Auch wenn noch längst nicht alles perfekt läuft. Etwas mehr Freiheit und weniger bürokratische Reibungsverluste bei der Organisation wünscht man sich schon.

"Wir können zum Beispiel nicht eigenständig Räume reservieren. Das muss immer über das Kulturforum laufen. Das ist manchmal schon ein bisschen doppelt gemoppelt."

Doch Barth, der Vorstand und das Orchester blicken sehr optimistisch in die Zukunft. Auch was die mittelfristige Planung angeht. Barth wünscht sich, dass Orchester und auch der Chor des Collegium musicum wieder mehr als Kulturbotschafter der Universität etabliert würden und möchte daher auch gern wieder vermehrt Konzertreisen unternehmen. "Einmal pro Jahr wäre ideal, mindestens aber alle zwei Jahre."

Konzert am Sonntag, 20 Uhr, in der Aula der Bonner Universität. Der Eintritt ist frei, Einlasskarten sind nicht erforderlich.

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