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Flutkatastrophe Ahrweiler: Malu Dreyer zieht Halbjahresbilanz

Halbjahresbilanz nach Flut : Dreyer: Wollen den Weg in ein nachhaltiges Ahrtal gehen

Ministerpräsidentin Malu Dreyer zieht bei einem Besuch an der Ahr durch den Ort Schuld zufrieden Bilanz über den bisher geleisteten Wiederaufbau. Der Begriff eines „zukunfsweisenden Ahrtals“ wird hochgehalten.

„Es ist unglaublich, was in den vergangenen Monaten im Ahrtal geleistet worden ist“, schwärmte Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Mittwochnachmittag im von der Flutwelle stark zerstörten Ort Schuld. Sehr schnell und sehr gezielt habe man den Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe in Angriff genommen. „Was sonst Jahre dauert, wurde hier in nur wenigen Monaten geschafft“, so Dreyer, die mit zwei Landesministern und einer Staatssekretärin an die Ahr gekommen war. Sechs Monate nach dem verheerenden Ereignis zog sie eine Zwischenbilanz und gab einen Ausblick: „Mit viel Mut, Zuversicht und viel Tatkraft gehen wir in die nächsten Monate.“ Der Wiederaufbau im Ahrtal gehe gut voran.

Flutkatastrophe Ahrweiler: Malu Dreyer zieht Halbjahresbilanz
Foto: Martin Gausmann

„Dass wir heute da stehen, wo wir stehen, ist den Menschen in der Region und den vielen tausend Helfern zu verdanken“, sagte die Ministerpräsidentin, die – begleitet von zahlreichen Pressevertretern – einen Rundgang durch den Ort Schuld unternahm, sich von Bürgermeister Helmut Lussi und Bürgern über den Stand der Sanierungs- und Wiederaufbauarbeiten unterrichten und sich einzelne Baustellen zeigen ließ. 

Flutkatastrophe Ahrweiler: Malu Dreyer zieht Halbjahresbilanz
Foto: Martin Gausmann

So besuchte Malu Dreyer gemeinsam mit Wirtschafts- und Verkehrsministerin Daniela Schmitt, Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder sowie Staatssekretärin Nicole Steingaß zwei alte Fachwerkhäuser, die sich derzeit in der Sanierungsphase befinden. Neue Böden haben die historischen und den Ortskern prägenden Häuser bereits, an den Wänden wurde neuer Lehm verputzt. In einem der Fachwerkbauten lodert sogar bereits wieder ein Kaminfeuer. Dennoch: Es wird noch Monate dauern, ehe in Schuld wieder so etwas wie Normalität einkehren kann. Dreyer: „Es sind weiterhin Kraft und Geduld gefragt.“

Dreyer: „Wir wissen, es ist noch ein schwieriger Weg“

Kreisbeigeordneter Horst Gies hatte die hochkarätige Delegation aus Mainz am Fuße der Kirche willkommen geheißen. Der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion, Wolfgang Treis, war ebenso gekommen, wie die Chefs des Landesbetriebes Mobilität oder auch zahlreiche Kreispolitiker. „Wir wissen, es ist noch ein schwieriger Weg. Ich bin aber überzeugt, dass wir gemeinsam das Ahrtal wiederaufbauen“, rief die Ministerpräsidentin ihnen und den Bürgern des durch die Flutwelle schwer zerstörten Ortes zu.

Flutkatastrophe Ahrweiler: Malu Dreyer zieht Halbjahresbilanz
Foto: Martin Gausmann

Die Schäden an privatem Eigentum und öffentlicher Infrastruktur wie Straßen, Gebäuden oder Leitungsnetzen werden insgesamt auf mehr als 20 Milliarden Euro geschätzt. Rund 15 Milliarden Euro waren nicht durch Versicherungen gedeckt und sollen durch Soforthilfen und den Aufbaufonds erstattet werden. In dem am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Landkreis Ahrweiler sind 42.000 Menschen betroffen. Rund 8.800 Gebäude an der Ahr wurden bekanntlich zerstört oder stark beschädigt, darunter Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser.

Alle Kinder aus dem Kreis haben wieder einen Schulplatz

Sechs Monate nach der Flut könnten alle Kinder wieder ihre Schulen besuchen, auch wenn diese teilweise Container-Schulen sind. Im Bereich der Kindertagesstätten seien direkt im Anschluss an die Flutkatastrophe schnelle und unbürokratische Lösungen für die Notbetreuung der Kinder gefunden worden, bilanzierte die Ministerpräsidentin. Die Landesregierung habe zudem sehr schnell den Aufbau eines Traumanetzwerkes und eines Traumatherapiezentrums unterstützt.

„Infrastrukturprojekte, die normalerweise Jahre dauern, wurden binnen 100 Tagen aufgebaut: Eine Hochdruckgasleitung, Teile der Ahrtalbahn oder die Kläranlagen in Sinzig und Dümpelfeld. Dreyer: "Von Anfang an war es oberste Prämisse der Landesregierung, den Betroffenen schnell zu helfen und die Infrastruktur wiederaufzubauen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort treibt sie mit Hochdruck den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur voran. Bereits sechs Wochen nach der Flut waren alle Ortschaften wieder über klassifiziertes Straßennetz erreichbar. Bereits Ende Juli konnte das Mobilfunknetz im Ahrtal weitgehend wiederhergestellt werden."

Vorrangiges Ziel bleibe es auch in diesem Jahr, allen Betroffenen so schnell wie möglich zu helfen und beim Wiederaufbau zu unterstützen, führte die Landeschefin weiter aus. „Die schrecklichen Ereignisse verdeutlichen einmal mehr, warum der Einsatz gegen den menschengemachten Klimawandel so wichtig ist“, ergänzte Klimaschutzministerin Katrin Eder. Die Flutkatastrophe habe zudem nochmal deutlicher gemacht, dass Hochwasservorsorge nicht an Gemeinde- oder Landkreisgrenzen enden darf. Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt sagte: „Was am Abend und in der Nacht des 14. Juli im Ahrtal geschehen ist, war ein tiefgreifender Einschnitt in das Leben aller betroffenen Menschen.“ Der Wiederaufbau komme gut voran, unterstrich Schmitt, die auf zahlreiche Straßenbauprojekte verwies, die zumindest provisorisch dafür sorgten, dass zerstörte Verbindungen wiederhergestellt werden konnten.

Abschließend erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer: „Wir wollen ausgehend von der großen Katastrophe den Weg in ein nachhaltiges, zukunftsweisendes, modernes Ahrtal gehen. Es ist unser gemeinsames Ziel, den Wiederaufbau nachhaltig und zukunftsweisend zu gestalten. Die Tatkraft, die Solidarität, das Engagement, das man bei jedem Besuch im Ahrtal erlebt, machen Mut für diese große Aufgabe: gemeinsam bauen wir das Ahrtal wieder auf.“