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Sebastianus-Junggesellen: "Das ist Dorfleben"

Sebastianus-Junggesellen : "Das ist Dorfleben"

Wenn die Sebastianus-Junggesellen auf Bettelgang sind, öffnen die Oberdollendorfer gern ihre Türen.

"Ich bin neu im Dorf. Aber dieses Brauchtum des Bettelgangs finde ich sehr schön." Gerade eben hatte Renate Monschau vor ihrer Haustür an der Falltorstraße einen Geldschein in die Sammelbüchse der Sankt-Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft gesteckt. Mit einem traditionellen Lied war sie von den jungen Sammlern herausgelockt worden. "He wonnt de Herr von Dibbedibbedibb, dä hät noch Wing em Faas, der mooss jesoffe sen. Seid lustig, seid fröhlich, ihr Sankt-Sebastianus-Brüder...": Diese Zeilen des alten Bruderschafts-Liedes hatten Präsident Felix Ting, der neue Brudermeister Jörg Marciniak und Christian Wischrath gesungen.

Ulla Olböter, Leiterin des katholischen Kindergartens, hatte extra mit ihrem Wochenendeinkauf gewartet, damit die Junggesellen nicht vor verschlossener Tür stehen. "Der Bettelgang ist jedes Jahr. Das ist Dorfleben." Für Paul-Heinz Nolden stellt es sogar Erinnerung an die eigene Jugend dar. Der 86-Jährige zog einst als Mitglied der Bruderschaft selbst von Haus zu Haus. "Das ist schön und wichtig, für die Armen zu sammeln", sagt er. Und er gibt den Junggesellen gleich noch eine kleine Nachhilfestunde. "Ihr schreibt immer 'Böölsche' auf Euren Informationsblättern. Aber das wird mit nur einem 'ö' und zwei 'l' geschrieben." Präsident Felix Ting versprach, das zu ändern.

An zwei Samstagen hatten die Sebastianer ganz Oberdollendorf und Römlinghoven in Dreiergruppen "abgeklappert". Mussten sie am ersten Sammeltag durch den Schnee stapfen, so wurden sie nun von Sonnenschein begleitet. Und freundlich und gebefreudig zeigten sich auch die Bürger. Viele wussten durch Zeitungshinweise und die vorher ausgetragenen Infozettel der Junggesellen, für welche Zwecke die Bruderschaft diesmal sammelt, andere fragten nach.

Wie immer geht ein Drittel des Bettelgangerlöses an die eigene Pfarrgemeinde zur Unterstützung Not leidender Menschen im Ort. Jeweils ein Drittel wird dem Waisenhaus in Opoczno im Bistum Radom und der Priesterhochschule des Bistums Kinkala in der Republik Kongo zur Verfügung gestellt. Wer nicht zu Hause angetroffen wurde, kann immer noch unter dem Kennwort "Bettelgang 2015" per Überweisung spenden. Informationen dazu und Spendenquittungen gibt es beim Pfarramt.