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Spendentour: Von Siegburg aus auf den Jakobsweg

Spendentour : Von Siegburg aus auf den Jakobsweg

Der Siegburger Felix Franke fährt bis nach Santiago de Compostela und sammelt Spenden. Auf dem Weg gibt es so manchen Glücksmoment.

Dass diese Reise nicht nur Entbehrungen, sondern auch Belohnungen bereit halten würde, hatte Felix Franke erhofft. Was dem 49-jährigen Familienvater aus Siegburg aber direkt am ersten Tag seiner Reise vom Kölner Dom nach Santiago de Compostela in Spanien passiert ist, daran hatte er nicht einmal im Traum gedacht: Am Zielort seiner ersten Tagesetappe wurde von Tausenden Menschen frenetisch bejubelt und gefeiert. Der Zielort war Nürburg in der Eifel. Das Datum: Karfreitag, oder besser: „Carfreitag“.

„Das war schon unglaublich: Die Straßen waren von den vielen Autos verstopft, der einzige der noch fahren konnte war ich“, erzählt Franke. Die Ankunft inmitten der Auto-Tuning-Fans war der Beginn der Radtour, die ihn entlang der Mosel nach Frankreich bereits bis nach Lyon führte und bis Anfang August schließlich bis nach Santiago de Compostela bringen soll – mal direkt auf der berühmten Pilgerstrecke des „Camino de Santiago“, mal auf ganz eigenen Wegen, aber immer Richtung Süden.

Die Idee zu dieser Reise beschäftigte Franke schon lange. Im Studium verbrachte er ein Auslandssemester in Santiago de Compostela. 1995 war das. Der Gedanke, irgendwann auf dem Fahrrad in den berühmten Wallfahrtsort zurückzukehren, ließ ihn nicht mehr los.

„Ich bin nicht besonders religiös, aber die historische und kulturelle Bedeutung dieses Weges für Europa faszinieren mich“, sagt Franke. Und dann kam noch eine weitere Idee dazu: Warum nicht mit der Reise gleichzeitig noch etwas Gutes tun? Franke nutzt die Aufmerksamkeit, die er durch die Reise erhält, um Spenden für das Friedensdorf in Oberhausen zu sammeln. Die Einrichtung leistet medizinische Versorgung von Kindern aus Kriegs- und Krisenregionen.

Unterstützung von der Familie

Volle Unterstützung erhält Franke dafür von seiner Frau Rachel und seinen beiden Töchtern (acht und elf Jahre alt) – gar nicht so selbstverständlich, schließlich opfert Franke fast seinen gesamten Jahresurlaub für seine Reise. Das funktionierte allerdings nur in zwei Teilen. So bewältigte Franke, der als technischer Trainer beim Kölner Kunststoffhersteller Igus arbeitet, den ersten Abschnitt bis Lyon bereits Ende April. Dann kehrte samt Fahrrad mit dem Zug nach Hause zurück, bevor er am vergangenen Samstag zum zweiten Teil seiner Reise (Lyon – Santiago) aufbrach. „Meine Frau liebt es als Engländerin grundsätzlich, wenn Leute verrückte Aktionen für den guten Zweck machen“, so Franke.

Für die rund 1800 Kilometer, die jetzt noch vor ihm liegen, hat Franke besondere Vorbereitungen getroffen: „Die dickere, schwere Kleidung, die ich am Anfang noch benötigt hatte, lasse ich jetzt zu Hause.“ In Nordspanien erwarten ihn in den kommenden Tagen Temperaturen bis zu 30 Grad und mehr.

„Ich habe das Selber-Kochen überbewertet. Klar, den Kaffee am Morgen koche ich selbst, aber ansonsten finden sich immer genügend Einkehrmöglichkeiten“, sagt Franke. Was er beim Essen an Gewicht auf dem Rad spart, wird er jetzt allerdings mit zusätzlichem Wasservorrat wieder hinzugewinnen. Sein Tipp: „Auf Friedhöfen findet man immer überall Leitungswasser.“ Schlafen will Franke, wie bereits auf der ersten Etappe entweder im Zelt oder in den typischen Pilgerunterkünften.

Dabei handelt es sich meist um sehr einfach gehaltene Mehrbettzimmer, das man sich mit anderen Pilgern teilt, darunter auch einige, die ebenfalls mit dem Rad reisen.

Bis jetzt habe er die Tour ohne Panne oder Unfall überstanden, so Franke. Nur einmal ist er in einem Regenschauer richtig nass geworden. Und auch, wenn Tag eins seiner Reise, die vielleicht schönste Überraschung der ganzen Tour bot, erlebte er doch zahllose Glücksmomente. Franke: „Mit Rückenwind durch den Burgund – das war wunderschön, kann ich nur jedem empfehlen.“