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Lizenzspielerabteilung des 1. FC Köln: In der zweiten Reihe des FC in wichtiger Funktion

Lizenzspielerabteilung des 1. FC Köln : In der zweiten Reihe des FC in wichtiger Funktion

Ein Mann aus der zweiten Reihe, der dennoch wichtige Aufgaben übernimmt - das trifft beim 1. FC Köln auf Frank Aehlig zu. Der GA hat ihn besucht.

Frank Aehlig gehört nicht zu der Sorte Menschen, die eine Polonaise anführen müssen. Er braucht es nicht, in der ersten Reihe stehen, kann es aber und will es manchmal auch. Es muss halt Sinn machen. So wie beim 3:0-Heimsieg des 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga gegen den FC Schalke 04. FC-Teambetreuer Denis Lapaczinski hatte sich am vergangenen Samstag krank melden müssen. Aehlig sprang ein und hielt als Leiter der Lizenzspieler-Abteilung bei den Auswechslungen im Rheinenergiestadion die elektronische Anzeige hoch. Alles andere als eine Selbstverständlichkeit und Ausdruck des Teamgedankens, den der 52-Jährige vorlebt.

Frank Aehlig ist also eher ein Mann aus der zweiten Reihe. Das ist keineswegs despektierlich zu verstehen, denn der gebürtige Dresdner ist fleißig, ehrgeizig und weiß nach mehr als 25 Jahren im Geschäft, was er tut. So wie im November 2019, als der 1. FC Köln als Aufsteiger unter Geschäftsführer Armin Veh und Trainer Achim Beierlorzer in eine schwere sportliche Krise schlingerte. Nach der 1:2-Heimniederlage am 8. November gegen Hoffenheim verließ Veh den FC, am Tag drauf wurde Beierlorzer freigestellt. Die Geißböcke hatten aus elf Partien nur sieben Punkte geholt und standen auf einem Abstiegsplatz. „Krise ist für mich, wenn ich alles versucht habe, um bessere Ergebnisse zu erzielen, es aber keine weiteren Stellschrauben mehr gibt, die ich noch drehen kann. Das war der Fall“, erklärte Aehlig in einem Interview im Vorfeld des Spiels bei RB Leipzig.

Mehr als 30 Trainer eingestellt

Der Zeitpunkt für die erste Reihe war gekommen. Aehlig moderierte gemeinsam mit Geschäftsführer Alexander Wehrle die Personalentscheidungen gegenüber der Mannschaft und machte sich auf die Suche nach einem neuen Cheftrainer. „Wir wollen jemanden, zu dem wir Vertrauen entwickeln, dass er es schaffen kann“, sprach Aehlig die Spieler an und forderte „totale Offenheit“.

Nun hat Frank Aehlig in seiner Karriere als Fußballmanager mit fast 50 Trainern zusammen gearbeitet und mehr als 30 davon selber eingestellt – darunter Wolfgang Wolf oder Milan Sasic. „Wir haben einen Coach mit Erfahrung gesucht“, sagte er. Bruno Labbadia hätte es werden können oder Pal Dardai. Als die Wahl überraschend auf Markus Gisdol fiel, überzeugte er die Mannschaft mit einer ehrlichen Ansprache, die in der Doku 24/7 FC zu sehen ist: „Markus Gisdol hat in Hoffenheim und beim HSV gezeigt, dass er mit solchen Situationen umgehen kann. Er hat Bock auf euch, andere hatten keinen Bock und waren nicht überzeugt.“

Vom aktuellen Cheftrainer des FC überzeugt

Aehlig hatte eine Entscheidung des FC vorbereitet, die schon in ihrer Entstehung viel Unverständnis hervorgerufen hatte – öffentlich und intern. Den Widerständen gegen einen FC-Trainer Gisdol begegnete er mit Arbeit. Aehlig, der seit Jahren keine Zeitungsberichte mehr liest, ging es darum, sich selbst ein Bild zu machen. Also sprach er mit Gisdols Jugendtrainer in Geislingen, Helmut Groß, dem Mentor von Ralf Rangnick. Aehlig befragte auch Rangnick nach Gisdol. Je mehr Gespräche er führte, desto überzeugter war er, dass der öffentlich gebrandmarkte Schwabe der richtige Mann für den FC ist. Eine Überzeugung, die er in die Gremien trug und die der Trainer in zwei Vorstellungsgesprächen authentisch mit Inhalt füllte. Am Ende stand ein einstimmiges Ergebnis für Gisdol und die Geburtsstunde des aktuellen Erfolgs.

Frank Aehlig ist der Architekt des Umschwungs, den die Mannschaft sich unter Markus Gisdol mit 22 Punkten und Platz elf erarbeitet hat. Wie der Sachse, der mit der ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigin Shelley Thompson verheiratet ist, tickt, zeigt auch die Personalie Horst Heldt. Als schon vieles dafür sprach, dass der in der Krise klug und sachlich agierende Aehlig Nachfolger von Armin Veh wird, entschied er sich im Sinne des Clubs: „Für die Sache da vorne ist der Horst besser als ich“, erklärte sich Aehlig in der FC-Doku. Es war Zeit, sich wieder in der zweiten Reihe an die Arbeit zu machen. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2021.