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76-Jähriger aus Bad Godesberg hilft Krankenhäusern in Tansania durch die Krise

GA-Serie „Ruhestand 4.0“ : Bad Godesberger hilft Krankenhäusern in Tansania durch die Krise

Der 76-jährige Winfried Zacher berät ehrenamtlich Kliniken in Afrika. Dort kommt die Corona-Krise gerade erst an. In Deutschland engagiert sich der Wahl-Godesberger fürs Klima.

Während sich der Großteil der Welt mitten in der Corona-Krise befindet, beginnt sie in afrikanischen Ländern wie Tansania gerade erst. Winfried Zacher guckt von seinem PC in Plittersdorf gewissermaßen hilflos dabei zu. Noch im Februar war der Allgemeinmediziner da, zum 15. Mal seit 2011. „Ich bin zwar gerade noch rechtzeitig raus, frage mich aber schon, wie es dort weitergeht“, sagt der 76-Jährige, der im Auftrag des Bonner Senioren Experten Service (siehe Infokasten) im Ausland ehrenamtlich sein Wissen weitergibt.

Als es 2009 in den Ruhestand ging, hatte sich der Entwicklungshelfer erstmal neun Monate Lesen und Musikgenuss verordnet. „Aber es war klar, dass ich nicht dauerhaft die Hände in den Schoß legen würde“, meint Zacher, den die Dritte Welt schon seit Studientagen gepackt hat. Mit seiner Frau, einer Lehrerin, war er 1974 das erste Mal für zweieinhalb Jahre in Tansania. „Das erste Land bleibt bei Entwicklungshelfern meist ein enger Bestandteil“, meint der Mediziner, der später beim Deutschen Entwicklungsdienst (heute die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) das Fachreferat Gesundheit leitete.

Über Germanwatch kam er zum Thema Klimawandel

Bevor aber Afrika wieder in seinen Fokus rückte, war es vor elf Jahren über die  Bonner Umweltorganisation Germanwatch zunächst der Klimawandel. „Der Zusammenhang von Gesundheit und Klimawandel wird in Deutschland nicht genug thematisiert“, lautet eine der Kernthesen des Mediziners. Er publizierte viel dazu, gründete schließlich mit einer Handvoll Mitstreitern die „Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit“. Heute zählt der Verein mit Sitz in Berlin 200 Mitglieder, darunter viele Ärzte. „Wir wollen auf der einen Seite Strategien entwickeln, wie Gesundheitssystem und Gesellschaft auf die Klimaerwärmung reagieren können, auf der anderen Seite das Anliegen in die Gesundheitsberufe hineintragen“, erzählt Zacher, der seit 2000 in der Ami-Siedlung wohnt.

Er ist dreifacher Vater und vierfacher Großvater, es gäbe also auch in der Heimat genug zu tun. Er schmunzelt bei der Frage, da immer noch viel Zeit für die Familie bleibe. Warum er denn unbedingt weg müsse, habe er auch schon vor 40 Jahren von Freunden gehört. „Da kann ich einfach besser einbringen, was ich kann als hier.“ Es gibt aber noch einen Grund, warum er in der Region Lindi Krankenhäuser bei der Qualität der Dienstleistungen oder der Finanzplanung berät. Ohne Lohn, zwei Mal pro Jahr vor Ort und permanent von zu Hause aus. Als Jugendlicher hat er die Anti-Kolonial-Bewegung mitbekommen. „Ich denke nach wie vor, dass ein erheblicher Teil unseres Wohlstands durch Ausbeutung entstanden ist“, meint Zacher.

Sein Auftraggeber ist der Senior Experten Service aus Bonn

Zu Beginn seines Einsatzes für den SES stand der Wunsch der tansanischen Mediziner nach einer Schwesternschule. Dass sie steht und läuft, ist zu nicht geringem Teil dem Wahl-Godesberger zu verdanken, der die 250.000 Euro „zum Anleiern“ über viele Kontakte zusteuern konnte. Er spricht fließend Kisuaheli, was die Zusammenarbeit erleichtert. „Englisch wird leider nur noch wenig gesprochen“, bedauert er, da zum Beispiel die Ausbildung der Schwestern auf Englisch erfolgt.

Kulturelle Unterschiede gilt es manchmal ebenfalls vorsichtig zu glätten. „Die Planungsvorstellungen gehen häufig weit auseinander“, umschreibt er es diplomatisch. Zudem änderten sich die Umstände andauern, zum Beispiel Vorgaben des Gesundheitsministeriums. Und der Staat unterstütze zwar die – in seinem Fall – christlichen Krankenhäuser. „Aber leider werden die Finanzzusagen nicht immer eingehalten“, betont der 76-Jährige, dessen Frau sich ebenfalls ehrenamtlich engagiert, beim Godesberger Verein „Ausbildung statt Abschiebung“.

Sorge um Fortbestand der Projekte

Gerade angesichts der Corona-Pandemie sorgt er sich um den Fortbestand der Projekte, fragt sich, ob durch den Hunger das Immunsystem geschwächt ist, hat Angst um die vielen HIV-Patienten. Zudem würden in den ersten Ländern die Güter knapp, es gebe wieder mal schlechte Ernten. Die Themen Klimawandel und Gesundheit machen eben an Ländergrenzen nicht Halt.