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Bis zur letzten Sekunde des Lebens: Pflegeforum Palliative Care für angehende Krankenpflegekräfte

Bis zur letzten Sekunde des Lebens : Pflegeforum Palliative Care für angehende Krankenpflegekräfte

Mehr Menschen werden immer älter, der Bedarf an Pflegekräften steigt immer weiter, das ist nichts Neues. Für die Veranstalter des dritten Pflegeforums Palliative Care war der Umstand, dass sich mehr als 130 junge Leute dafür angemeldet hatten, ein sehr gutes Zeichen.

Denn die meisten dieser Teilnehmer machen eine Ausbildung zu Krankenpflegern und sind schon früh bereit, sich mit dem Thema palliative Versorgung von Menschen am Lebensende auseinanderzusetzen. „Die sind heute hier, weil sie einen sinnhaften Dienst am Menschen suchen“, sagte Oliver Tiemann von der Bürgerstiftung Rheinviertel.

Einblick in die Facetten der palliativen Versorgung


Diese veranstaltete das Forum am Mittwoch im Forum Bad Godesberg zusammen mit dem Caritasverband der Stadt Bonn, dem CBT-Wohnhaus Emmaus und dem Sankt Vinzenzhaus. Die Stiftung steckt jährlich 250 000 Euro in die Palliativarbeit und die Betreuung Demenzkranker.

Neben Vorträgen, einem spirituellen Impuls von Pfarrer Edward Balagon und anderen Programmpunkten erhielten die Teilnehmer in vier Workshops Einblick in verschiedene Facetten rund um palliative Versorgung.

Bei Silvia Buchner, Koordinatorin des Beueler Hospizvereins, ging es um Trauerarbeit mit Angehörigen, die viel Einfühlungsvermögen verlangt. Die Ernährungsberaterin Ruth Rieckmann gab Tipps rund um die Ernährung am Lebensende.

Auch das Thema Sterbefasten wurde angesprochen: Wie kann man damit umgehen, wenn sterbende Menschen die Nahrungsaufnahme einstellen? Die Ermutigung zur spirituellen Begleitung - auch ohne theologischen Hintergrund - von Menschen mit und ohne Demenz war bei Beatrice Döhner, Fachdozentin für Gerontopsychiatrie, das Thema. Andrea Schaeffer vom Diözesanverband referierte über grundsätzlichen Kompetenzerwerb für Palliative Care.

„Bis zur letzten Sekunde haben Menschen das Recht, würdig behandelt zu werden“, sagte Jean-Pierre Schneider, Chef der Bonner Caritas.

Dafür bedürfe es eines guten Pflege-Netzwerks, und ohne ein solches könne auch so ein Pflegeforum nicht stattfinden. Mit diesem soll laut Christine Kiderlin, Vorstandsreferentin der Bürgerstiftung Rheinviertel, das Thema auch in die Öffentlichkeit getragen werden. Palliativversorgung sei vor wenigen Jahren noch ein Tabuthema gewesen. Das habe sich gewandelt.

Thema sollte ein Muss in derAusbildung sein

Auch Schneider hat das festgestellt. „Es ist ein Merkmal der gesamten hospizlichen Arbeit, dass sich die Menschen geöffnet haben.“ Der Fachkräftemangel sei aber unübersehbar, sagte Birgit Ratz, Leiterin des Fachbereichs Ambulante Pflege im Caritasverband. „Wir könnten gut 15 Prozent mehr Fachkräfte sofort beschäftigen.“

Teilnehmerin Laura De Marianis-Borchert ist in dem Bereich ein alter Hase: Seit 23 Jahren arbeitet sie als Fachkrankenschwester für Palliativ Care, jetzt studiert sie nebenbei. Aber auch in den Workshops konnte sie noch etwas Neues erfahren. „Es ist gut, dass so viele junge Leute da sind“, sagte sie, „und dass das Thema auch früh in die Ausbildungsberufe hereinkommt.“

Durch ihren christlichen Kontext habe die Konfrontation mit Sterbenden schon bei ihrer Ausbildung dazugehört. „Es sollte ein Muss sein, dass das gelehrt wird.“