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Plittersdorf: Ehepaar saniert Turm am denkmalgeschützten Haus

Zuhause mit Vergangenheit : Ehepaar saniert Turm am Denkmal in Plittersdorf

Das Ehepaar Kircher stellt in Plittersdorf den ursprünglichen Zustand seines denkmalgeschützten Hauses her. Der Krieg hatte dem Turm seine Haube genommen. Es war nicht einfach, einen Fachbetrieb zu finden.

Als sie Anfang der 80er Jahre in die Ubierstraße gezogen waren, hatten Christine und Nikolaus Kircher für sich und ihre Kinder ein Zuhause mit Zukunft gefunden. Und mit Vergangenheit. Denn vor dem Krieg hatte der Turm auf dem vorne aufragenden Teil des Gebäudes eine Haube besessen. So sei es ein großer Wunsch gewesen, den Ursprungszustand wieder herzustellen, erzählte Nikolaus Kircher.

Nach knapp 40 Jahren war es im März nun soweit. „Wir sind endlich unter die Haube gekommen“, sagte Nikolaus Kircher scherzhaft über das zwiebelförmige Haubendach, das den denkmalgeschützten Bau  wieder krönt. „Die Denkmalbehörde war begeistert“, erzählte Kircher. Eher selten ist nämlich das Anliegen von Hauseigentümern, nach so vielen Jahren einen Originalzustand anzustreben.

Denkmalschutztechnisch sprach nichts dagegen

Und ganz einfach ist es eben auch nicht. In jedem Falle benötige man eine denkmalrechtliche Erlaubnis, erfuhr man bei der Stadt Bonn. „Die Genehmigung wird prinzipiell erteilt, wenn keine denkmalfachlichen Gründe dagegen sprechen und die Maßnahmen dem Erhalt und der nachhaltigen Nutzung des Baudenkmals dienen“, so Kristina Buchmiller vom städtischen Presseamt. Wolle man allerdings einen ursprünglichen Zustand wiederherstellen, so müsse der Eigentümer nachweisen, dass das Bauteil tatsächlich einmal vorhanden war. „Wir hatten ein altes Foto“, sagte  Kircher. Auf diesem ist das Haus mit zwei Damen an den Fenstern des Turms in den Jahren vor dem Verlust der Haube abgelichtet worden. Später entstandene Bilder zeigten den Turm mit einem Schornstein, der aus der Fußgängerperspektive von der Straße aus über dem Turm unschön aus dem Nichts zu wachsen schien. „Jetzt ist das Haus wieder richtig vollständig“, meint Kircher.

Bis das geschafft war, hatten die Kirchers jedoch auch jenseits der Genehmigung der Denkmalbehörde einige Hürden zu nehmen. „Es war nicht einfach, jemanden zu finden, der so etwas heutzutage noch machen kann“, so Kircher. Schließlich fand er ein Fachunternehmen, das die Turmhaube sogar mit dem passenden Schiefer nachbaute. „Das Material wird am Markt zunehmend knapp, weil die Schiefergruben teilweise wegen Rentabilitätsmangel geschlossen werden“, erklärte der Hausherr ein weiteres Problem.

Der Durchmesse liegt bei vier Metern

Nachdem aktuelle Berechnungen vom Statiker vorlagen, die Bauphase durchgeplant war und die Genehmigung für die Straßensperrung vorlag, wurde die 2,5 Meter hohe Tragkonstruktion mit einem Durchmesser rund 4 Metern in zwei Teilen in einer Werkstatthalle vorgefertigt. „Die Sperrung hat nur kurz gedauert. In zwei Zügen hat ein Teleskopkran die Elemente nach oben gehievt“, erinnerte sich Kircher an die aufsehenerregende Aktion.

Jetzt, wo alles fertig ist, wollten wir eigentlich mit den Nachbarn mit einem Glas Sekt anstoßen“, so Kircher. Weil wegen der Corona-Pandemie daraus nichts wird, hat das Paar dieses Vorhaben erst einmal verschoben. „Das holen wir aber nach. So etwas kann man nicht sang- und klanglos vorüberziehen lassen“, betonte das Ehepaar Kircher.