Markus Koropp aus Oberkassel Mit 13 Jahren bereits ein ausgezeichneter Komponist

BONN · Dass Musik in diesem Haus eine wichtige Rolle spielt, ist beim Eintreten sofort erkennbar: Im Wohnzimmer bildet ein Flügel das Zentrum des Raums, ein Geigenkasten liegt an der Terrassentür und auf dem Esstisch steht ein Laptop, auf dem ein Notenschreibprogramm geöffnet ist. Das Werk, das gezeigt wird, stammt von Markus Koropp. Der 13-Jährige aus Oberkassel ist in diesem Jahr Preisträger des Wettbewerbs "Jugend komponiert" der Jeunesses Musicales Deutschland

 Der 13-jährige Markus Koropp aus Oberkassel ist in diesem Jahr Preisträger des Wettbewerbs "Jugend komponiert" der Jeunesses Musicales Deutschland.

Der 13-jährige Markus Koropp aus Oberkassel ist in diesem Jahr Preisträger des Wettbewerbs "Jugend komponiert" der Jeunesses Musicales Deutschland.

Foto: Max Malsch

Und das schon zum dritten Mal in Folge. Bereits mit elf Jahren improvisierte er so viel und zielstrebig, dass seine Eltern ihm einen Lehrer für Musiktheorie suchten. Der Geigen- und Klavierunterricht reichte dem Achtklässler schon früh nicht mehr. "In eigenen Kompositionen spiegelt sich die Persönlichkeit wider und ich kann mich damit viel besser ausdrücken", sagt Markus. "So kann ich etwas schaffen, das anderen zeigt, was ich fühle."

Wenn Markus das Stück, das 2012 bei seiner ersten Teilnahme am Wettbewerb prämiert wurde, auf dem Flügel anklingen lässt, wird klar, was er meint. Das Werk heißt "Loslassen üben". Es ist Markus' Interpretation eines Gedichtes, das sein Großvater geschrieben hat. Er starb, bevor Markus auf die Welt kam. Entsprechend nachdenklich, fast traurig ist das Stück. Generell sind viele von Markus' Werken eher melancholisch. "Das ist bei moderner Musik meiner Meinung nach meistens so", sagt Markus. "Wenn ich harmonischere Stücke komponiere, lande ich meistens eher im Bereich der Filmmusik."

Die Ideen zu seinen Kompositionen kommen von ganz allein: "Mein Problem ist eher, dass die Ideen viel zu schnell hintereinander auftauchen und ich sie kaum aufschreiben kann", sagt Markus. "Deshalb versuche ich mich schon am Anfang auf eine Stilistik festzulegen, sonst schweife ich von einer zur nächsten." Viele der verschiedenen Stile und Techniken hat Markus in der Musikakademie Schloss Weikersheim kennengelernt. Alle Preisträger des Wettbewerbs "Jugend komponiert" werden zu einer einwöchigen Musikwerkstatt eingeladen, die von erfahrenen Kompositionsdozenten geleitet wird.

"Ich freue mich schon wieder sehr darauf", so Markus. "Man kann dort Freunde fürs Leben finden! Mit vielen bin ich immer noch in Kontakt. Ich finde es toll, wenn ich mich über Musik unterhalten kann und merke, dass die Leute mich richtig verstehen", sagt er. Das ist im direkten Umfeld oft eher nicht der Fall, auch wenn alle seine Freunde sein Hobby respektieren. "Mit meinen Freunden höre ich natürlich auch ganz normale Pop-musik, aber ich besitze selbst keinen Ipod oder CDs mit Popmusik", sagt Markus.

Momentan beschäftigt er sich am meisten mit Musik aus dem 20. Jahrhundert. Sein Lieblingskomponist ist Witold Lutoslawski, ein polnischer sehr experimentierfreudiger Komponist. "Zur Entspannung höre ich aber auch schon mal Violinsonaten von Beethoven", lacht Markus. Die Violine ist für ihn nach wie vor eines der schönsten Instrumente. "Ich liebe Virtuosität", sagt Markus und legt eine CD mit seinem aktuellen Lieblingsstück ein. Es heißt "In the Tube" und ist für drei Geigen geschrieben. "Es drückt aus, was mir von einem Besuch in London in Erinnerung geblieben ist: die U-Bahn", sagt Markus, während sich die einzelnen Geigenstimmen in fast unvorstellbare Höhen schrauben.

Seine Kompositionen sind so komplex, dass Markus nicht immer Musiker findet, die seine Werke spielen. Auch deshalb ist Schloss Weikersheim für Markus eine wichtige Erfahrung: Hier werden die prämierten Stücke auf einem Abschlusskonzert präsentiert und aufgenommen. Zu Hause behilft sich Markus ansonsten mit seinem Laptop: Das Notenschreibprogramm kann die gewünschten Instrumente einfach simulieren. Für die Verwandtschaft gab es deshalb zum letzten Weihnachtsfest anstelle von Strohsternen eine CD mit Markus Kompositionen.

Trotzdem wird es ein besonderer Moment, wenn das Orchester des Kardinal-Frings-Gymnasiums seine Ankündigung wahr macht und im Sommer ein Stück von Markus aufführt. Er selbst könnte die Violinstimmen seiner Stücke wohl spielen. "Aber dafür müsste ich auch erst mal üben", grinst Markus. 2015 möchte er noch einmal am Wettbewerb "Jugend komponiert" teilnehmen und dann versuchen, zu den Bundespreisträgern zu gehören. "Da ist immer ein renommierter Komponist der Gegenwart in der Musikwerkstatt dabei, das fände ich richtig interessant", so Markus. Einmal selbst vom Komponieren leben zu können, wäre sein Traum. Doch er weiß, wie schwierig das ist. Dennoch plant er ein Musikstudium: "Das ist einfach der Bereich, in dem ich mich am besten auskenne und der mir am meisten Spaß macht", sagt Markus.

Der Kampf um die Kübel
Gastronomie in Bonn Der Kampf um die Kübel