1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Kultur- und Begegnungsfest "Vielfalt": "Bonn-Spirit" in der ganzen Stadt

Kultur- und Begegnungsfest "Vielfalt" : "Bonn-Spirit" in der ganzen Stadt

Mit Delikatessen aus ihrer Heimat, Musik, Tanz und Kunsthandwerk stellten sich mehr als 90 verschiedene Organisationen und Vereine am Sonntag beim Kultur- und Begegnungsfest "Vielfalt" zwischen Münster- und Marktplatz vor.

Infos, Kultur und Kulinarisches aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam bei einem Fest zu präsentieren - diese Mischung hat sich auch in diesem Jahr wieder bewährt. Denn neben den Köstlichkeiten verschiedener Kontinente gab es auch jede Menge Informationen über die beteiligten Länder, die aktuelle Politik oder Anstrengungen im Bereich Umweltschutz.

Davon ließen sich die Jugendlichen allerdings wenig beeindrucken. Sie nahmen des Angebot des Stadtsportbundes Bonn und des Postsportvereins gerne an und trugen Wochen vor dem ersten Anpfiff in Brasilien schon einmal die ersten Länderspiele auf dem kleinen Fußballfeld vor dem Münster aus - allerdings mit einem unerwarteten Ausgang: "Die Bonner Haie aus dem Kongo haben das Match klar mit 7:0 gewonnen" erzählten die jungen Kicker nach dem Abpfiff.

Währenddessen mussten die Besucher nicht lange überlegen, aus welcher Region die Mädchen kamen, die gerade auf der Bühne vor dem Rathaus auftraten. Nicht allein die Musik, sondern der Hüftschwung der fünf- bis zwölfjährigen Mädchen verriet, dass sie aus dem Land kamen, in dem nicht nur Zumba erfunden, sondern auch Shakira geboren wurde: Die "Estrellitas de la Cumbia" vom Deutsch-Kolumbianischen Freundeskreis bereiteten Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch einen tollen Empfang auf der Bühne. "Was für ein Bild", rief er begeistert, als er über den Markplatz blickte.

"Bonn ist bunt, vielfältig, tolerant und weltoffen. Menschen aus 180 Nationen leben hier nicht nur friedlich nebeneinander, sondern sie gehen sorgsam, achtsam und freundlich miteinander um", hob der OB hervor und ergänzte: "Die Vereinten Nationen nennen das den Bonn-Spirit."

Gleichzeitig bedankte er sich auch bei den Bonnern, die er vor einem Jahr an gleicher Stelle aufgefordert hatte, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. "Ich hatte Sie darum gebeten, ihre Arme zu öffnen. und das haben Sie getan. Dank ihrer Hilfe fühlen sich heute bereits viele Kriegsflüchtlinge in unserer Stadt zu Hause."

Das konnte Alphonsine Kayinamura-Ihunge nur bestätigen. Sie ist eine der Preisträgerinnen des Integrationspreises der Stadt Bonn, der im Rahmen des Festes verliehen wurde. "Ich bin vor 20 Jahren als Flüchtling mit meinen Kindern hier angekommen. Heute kann ich voller Stolz sagen: Ich bin eine Bonnerin." 22 Vereine und Organisationen hatten sich um den Integrationspreis 2014 beworben.

Überreicht wurden die Preise am Sonntag von Safiye Temizel, der Vorsitzenden des Bonner Integrationsrates.

Die Gewinner des Integrationspreises

Alphonsine Kayinamura-Ihunge erlebte in ihrer Heimat Ruanda hautnah die Brutalität des Stammeskrieges und den Völkermord. 1994 gelang der Juristin und Sozialassistentin die Flucht nach Deutschland. In Bonn war sie aktiv an der Gründung des Internationalen Frauenzentrums und des Deutsch-Afrikanischen Zentrums beteiligt. Heute unterstützt und berät sie Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern. Sie initiiert vor allem Projekte für Jugendliche, engagiert sich bei der Aids-Hilfe und bietet sich ehrenamtlich als Dolmetscherin an.

Projekt Sonnenkinder: Wohnhäuser liegen in Schutt und Asche, seit Monaten haben die Menschen in Syrien tagtäglich Angst um ihr Leben. Unter dieser Situation und dem perspektivenlosen Alltag in den Flüchtlingslagern leiden besonders die Kinder. Auch wenn sie längst das Land verlassen konnten und in Sicherheit sind, bei der Aufarbeitung dieser traumatischen Erfahrungen benötigen sie professionelle Hilfe. Beim Projekt Sonnenkinder des Vereins "Hilfe für psychisch Kranke Bonn/Rhein-Sieg" bekommen sie diese Betreuung.

"Kultur verbindet": Die Kultur des Gastlandes kennenzulernen und gleichzeitig die eigenen Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren, diesen Spagat müssen Zuwandererfamilien leisten. Feste, Bräuche und Sitten der neuen Heimat kennenzulernen hat sich der Verein "Kultur verbindet" zum Ziel gesetzt. Er organisiert Theaterbesuche, plant gemeinsame Museumsbesuche und organisiert Vorlese- und Leseaktionen für Kinder und Erwachsene. Durch Patenschaften knüpfen die Mitglieder zudem engen Kontakt mit den Zuwanderfamilien.