Lesereise durch die Altstadt Die Linsen in der Weltliteratur

BONN · Therapie am Tag, Literatur am Abend: Mit ein paar Handgriffen verwandelte sich gestern Abend die Praxis für Physikalische Therapie in der Alexanderstraße in eine Kleinkunstbühne. Zum Auftakt der elften Lesereise durch die Altstadt gab es aber keine Massagen, sondern Entspannung fürs Gemüt.

 Auf einen unterhaltsamen Ausflug in die Poesie entführen Anja Martin (mit Hut) und Petra Kalkutschke die Gäste während ihrer Lesereise durch die Altstadt.

Auf einen unterhaltsamen Ausflug in die Poesie entführen Anja Martin (mit Hut) und Petra Kalkutschke die Gäste während ihrer Lesereise durch die Altstadt.

Foto: Barbara Frommann

Die beiden Bonner Schauspielerinnen Petra Kalkutschke und Anja Martin hatten zu einer Reise in Begleitung namhafter Lyriker eingeladen. "Vom Unterwegssein" war das Motto ihres amüsanten Ausflugs in die Poesie.

Eduard Mörike folgt dem Posthorn, Odysseus will nur nach Hause, doch Joseph von Eichendorff weiß: Da lauert bloß Sehnsucht. Wenn einer eine Reise tut ... - viel zu erzählen hat nicht nur "Otto Normalverbraucher" bei seiner Rückkehr. Von der Zerrissenheit zwischen Heimweh und Fernweh erzählten die ausgewählten Gedichte und Geschichten.

"Wer touristisch unterwegs ist, der ist manchmal auch Extremsituationen ausgesetzt", bemerkte Anja Martin augenzwinkernd. Genau in diese Wunde legten die beiden Künstlerinnen ihre Finger. Denn sie rezitierten nicht einfach nur die Texte. Mit viel Spielfreude, Mimik und Situationskomik präsentierten sie ihre ganz persönliche Sichtweise auf die Ereignisse - mal poetisch, mal zum Schmunzeln.

Sie scheuten auch nicht davor zurück, die beschriebenen Konstellationen durch eigene Erfahrungen und lustige Ergänzungen zu begleiten. Und da das Verreisen bekanntlich hungrig macht, gab es anschließend Quiche und Wein.

Außergewöhnliche Spielorte

Für Familien, Musikliebhaber, Feinschmecker und Literaturbegeisterte verwandeln sich wieder bis Sonntag, 30. August, Ladenlokale, Bars, Werkstatträume, Praxen und Büros im Schatten des Stadthauses in Kleinkunstbühnen. "Es gibt wieder ein paar ganz außergewöhnliche Spielorte", verspricht Alfons Aigner von der Altstadtinitiative Bonn (AIB). Gemeinsam mit Elke Sueß hat er das Kulturprogramm zusammengestellt - getreu dem bewährten Motto "kreativ, unkonventionell, multikulturell".

Ist Gott schwarz und auch noch eine Frau? Dies ist eine der skurrilen Fragen, die im Rahmen der Altstadt-Aktion beantwortet werden soll. An einem anderen Tag treffen sich die "Leguminosen-Liebhaber", um die Linsen nicht nur in der Weltliteratur zu beleuchten, sondern auch ein paar Spezialitäten zu probieren.

Mit Eugen Drewermann, Sahra Wagenknecht und Volker Kutscher hat die Altstadtinitiative zudem auch wieder prominente Akteure am Start. "Nach zehn Jahren wissen wir genau, womit wir den Geschmack der Bonner treffen", sind sich Aigner und Sueß sicher. "Wir wollen mit der Aktion auch Bürger aus anderen Stadtteilen in die Altstadt locken. Wir möchten zeigen, dass wir ein lebendiger Bezirk sind, der in vielerlei Hinsicht etwas zu bieten hat", meint Aigner.

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