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Kommentar: Entscheidung im Blindflug

Kommentar : Entscheidung im Blindflug

Da können die Funktionäre des Stadtsportbundes noch so treuherzig versichern, sie wollten keinen Grabenkampf mit der „Hochkultur“ um das knappe städtische Geld anfangen. Ihre Wortwahl ist verräterisch: „Wir sitzen alle im selben Boot, aber nur die Kultur hat eine Rettungsweste“ – wer in solchen Bildern spricht, heizt den latenten Konflikt um die Zuschüsse an.

Dass die Sportler sich Sorgen machen, ist allerdings berechtigt. Wächst die Bonner Finanznot, und das ist fast sicher, dann drohen ihnen weitere Einschnitte. Und zwar umso tiefer, je weniger die Stadt bei Oper und Schauspiel, Kunstmuseum und Orchester spart – mit jährlich rund 45 Millionen Euro der weitaus größte Batzen ihrer freiwilligen Leistungen.

Es ist völlig unstrittig, dass Bonn im NRW-Vergleich die höchsten Kulturkosten pro Kopf hat. Mit der Gemeindeprüfungsanstalt und der Bezirksregierung Köln fordern gleich zwei staatliche Instanzen, diese Ausgaben zu reduzieren, weil Bonn über seine Verhältnisse lebt. Doch ein ernsthafter Wille, die Kulturkosten deutlich zu kappen, ist weder in der Stadtverwaltung noch bei der Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP zu erkennen.

Klar: Oper und Schauspiel haben schon gespart – vor allem im Vergleich zu Hauptstadtzeiten, als der Bund auf den Bühnen noch Milch und Honig fließen ließ. Aber das Theater Bonn schon jetzt bis zum Jahr 2023 von späteren Kürzungen auszunehmen, kann nicht richtig sein. Genau das würde durch den geplanten Vertrag für den Generalintendanten passieren.

Es ist nachvollziehbar, dass ein Theaterchef Planungssicherheit für mehrere Jahre braucht. Aber vielleicht reicht im Moment ja auch eine Vertragsverlängerung bis zum Beethoven-Jubeljahr 2020. Beschließen sollte der Rat die Vertragseckpunkte jedenfalls erst, wenn der nächste Doppelhaushalt beraten ist: also frühestens im Herbst. Alles andere wäre eine Entscheidung im Blindflug – über mehr als 130 Millionen Euro.