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Kommentar: Gesundheitsvorsorge für Kinder: Vorsorge

Kommentar : Gesundheitsvorsorge für Kinder: Vorsorge

Kontrolle ist besser als Bohren. Offenbar hat diese Erkenntnis viele Familien bislang nicht erreicht. Anders ist nicht zu erklären, dass jedes sechste Kleinkind in NRW unter Karies leidet.

Der neue Zahnpass eröffnet die Chance, auch bildungsferne und sozial schwache Eltern auf das Angebot der Vorsorgeuntersuchung hinzuweisen. Dies ist umso dringlicher, als die Zahnbürste im Alltag mancher Familien oft nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Die verpflichtenden U2- bis U9-Untersuchungen haben den richtigen Weg gewiesen. Wer mit seinem Kind nicht regelmäßig zur Vorsorge beim Kinderarzt erscheint, wird mit Mahnbriefen bis hin zu Besuchen vom Jugendamt an seine Pflichten erinnert. Die Folge lässt sich sehen: Inzwischen werden fast alle Kleinkinder regelmäßig gesundheitlich durchgecheckt. Warum sollte das nicht auch bei der Zahngesundheit gelingen? Der Bund müsste ein verpflichtendes Kontrollsystem wie bei den U-Untersuchungen beschließen.

Noch ist die zahnärztliche Vorsorge nur ein Angebot. Aber der Kinderarzt wird sicher häufiger Druck machen, mit dem Kind zum Zahnarzt zu gehen, wenn er bei mehreren U-Untersuchungen feststellt, dass die Eltern das Karies-Problem ignoriert haben. Eltern in Zuwandererfamilien wissen oft nicht, welche gesundheitlichen Folgen eine mangelhafte Zahnhygiene haben kann.

Es ist ein Armutszeugnis, wenn Kinder in unserer medizinisch eigentlich gut versorgten Gesellschaft Schmerzen leiden müssen, weil die Früherkennung versäumt wurde