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Kulturpolitik in Leverkusen: Hoffnung für Museumsverein Morsbroich

Kulturpolitik in Leverkusen : Hoffnung für Museumsverein Morsbroich

Museumsverein Morsbroich legt ein Konzept für das von der Schließung bedrohte Haus vor. Ende August entscheidet der Rat der Stadt Leverkusen.

Urlaubszeit ist ja auch Lesezeit. Dicke Romane werden eingepackt, der „Kindle“ wird mit E-Books aufgeladen. Vielleicht haben die Leverkusener Ratsdamen und -herren auch ein Papier im Gepäck, das auf nur wenigen Seiten demonstriert, was bürgerschaftliches Engagement zu leisten in der Lage ist.

Der Verein der Freunde und Förderer des Museums Morsbroich legt ein detailliertes Konzept vor, das zur Rettung des Anfang des Jahres durch ein Wirtschaftsgutachten zur Disposition gestellten, renommierten Museums führen könnte.

Aus wenig nachvollziehbaren Gründen hatte der Rat der Stadt Leverkusen Ende Juni die Entscheidung über das Konzeptangebot vertagt. Nach den Sommerferien soll Ende August die endgültige Entscheidung fallen.

Unter dem Vorsitz des ehemaligen Bayer-Vorstands Gottfried Zaby will der Museumsverein zweierlei erreichen. Auf eigene Kosten will er Vorschläge erarbeiten lassen, aus denen ein funktionierendes Rettungsszenario entstehen könnte.

Damit greift der Verein ein Grundpro-blem des Verfahrens an: Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG hatte bei seinem Gutachten über Sparmöglichkeiten in der Leverkusener Kultur – Höhepunkt war die Empfehlung, das Museum Morsbroich zu schließen und die Kunstsammlung zu verkaufen – unter anderem mit fragwürdigen Zahlen operiert.

Nach der Veröffentlichung des KPMG-Berichts erhob sich breiter Protest unter Künstlern, Museumsleuten und Kunstfans. Auch die meisten Politiker im Leverkusener Rat stellten sich gegen die harten Forderungen. Etliche Schlussfolgerungen der KPMG sind wiederholt kritisiert worden, ein Weg zur Rettung des Museums fehlte ganz.

Nun will der Museumsverein durch ein Expertengremium prüfen lassen, wo man einsparen kann, wie man die Liegenschaft, das wunderbare barocke Schloss Morsbroich, zusätzlich gewinnbringend nutzen kann. Ziel ist es, den städtischen Zuschuss von 750 000 Euro deutlich zu senken. Dem Verein schwebt ein „perspektivisches Standort-Entwicklungsprojekt“ für den gesamten Bereich vor.

Die Initiative wirkt, das ist der zweite wichtige Aspekt, als aufschiebendes, schützendes Moratorium. Denn der Verein wird mit seiner Analyse und seinem Projekt nur dann tätig werden, wenn die Stadt Leverkusen sich bereit erklärt, den gegenwärtigen Status quo „in der Nutzung, Bewirtschaftung und Finanzierung des Schlosses Morsbroich aufrechtzuerhalten“ – bis 31. Dezember 2017, wenn der Schlussbericht vorliegt.