Japans Schönheit, Japans Seele

Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zeigt Meisterwerke aus dem Tokyo National Museum

Tokio/Bonn. (dpa) Kunstliebhaber in Europa können sich auf eine außergewöhnliche Ausstellung zur klassischen japanischen Kunst freuen. Mit einer Auswahl von 117 der bedeutendsten Kunstwerke des Tokyo National Museum präsentiert die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn von diesem Freitag (29. August) an bis 26. Oktober unter dem Titel „Japans Schönheit, Japans Seele - die Meisterwerke aus dem Tokyo National Museum“ - eine Auswahl an klassischer japanischer Kunst, wie sie bisher noch nie in diesem Umfang außerhalb Japans zu sehen war.

Die Ausstellung in Bonn umfasst einen Zeitraum, der sich von der zweiten Hälfte der Muromachi Periode (15. Jahrhundert) bis zur frühen Edo Periode (frühes 18. Jahrhundert), also vom Mittelalter bis zur frühen Moderne spannt. In dieser Zeit bildete sich die künstlerische Identität Japans heraus. Aus dem verfeinerten Lebensstil der Shogune und bushi, der mittelalterlichen Fürsten und Krieger, entstand eine eigene Ästhetik.

Den Ausstellungsbesucher erwartet am Anfang die Statue des ersten Shoguns Japans, Minamoto no Yoritomo. Die Statue aus dem 13./14. Jahrhundert ist das älteste Exponat in der Ausstellung und symbolisiert den Beginn des goldenen Mittelalters, die Vielschichtigkeit und die Dynamik der japanischen Gesellschaft.

Die darauffolgende Muromachi-Periode zeichnet sich durch ungeheuer kreative künstlerische Aktivitäten aus. Bei der kulturellen Entwicklung dieser Epoche spielte sowohl die Verlegung des Shogunats von Kamakura in die Stadt Kyoto, als auch die intensiven Beziehungen zum Ming-China und zu Korea eine Rolle. Besonders wichtig aber war der Einfluss der Zen-Mönche, die als Ratgeber der Shogune auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet fungierten. Die Metropole erlebte damals in vielen Bereichen der Kunst eine neue Blütezeit.

Die Ausstellung zeigt hierzu unter anderem chinesische sowie Nationalschätze der japanischen Zen-Malerei, Objekte der frühen Tee-Zeremonie sowie zahlreiche Kalligraphien. Zu den weiteren Bereichen der Ausstellung gehören kostbare Exponate des traditionellen No-Theaters mit seinen weltberühmten Masken und Gewändern. Die bushi-Krieger sind durch ihre Rüstung sowie das Schwert vertreten. Unter den Klingen, die als Kunstwerk und lebende Seele betrachtet werden, befinden sich die „Han''nya Nagamitsu“, die als Nationalschatz nur höchst selten außerhalb Japans zu sehen sind.

„Mit dieser Ausstellung, die sowohl hinsichtlich der Werke als auch der Art und Weise der Ausstellung Beeindruckendes und Symbolisches präsentiert, kann der Besucher ein Verständnis von der Kunst und Kultur Japans erlangen„, sagte Yasuhiro Nishioka, Vize-Generaldirektor des Tokyo National Museum, der dpa im Vorfeld der Ausstellung. Nach Angaben der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland war eine Sammlung von solcher Qualität in der Nachkriegszeit Deutschlands bisher nicht zu sehen gewesen. Auch für Europa insgesamt sei diese Ausstellung „eine seltene Gelegenheit, die Kunst Japans anhand von Meisterwerken kennen zu lernen“, hieß es.

Ziel sei es, „das klischeehafte Verständnis der japanischen Kunst und Kultur zu durchbrechen, ja ein neues Japan-Bild zu schaffen“. Die Veranstalter wollen mit der Bonner Ausstellung dazu beitragen, dass die bisher vornehmlich von der Kunst der Edo-Zeit geprägte Sicht auf Japan in Europa erweitert wird. Der Besucher soll dabei in einem Rundgang durch die Geschichte geführt werden. Es wird versucht, durch die Kunstobjekte die japanische Kultur, das Denken und ästhetische Empfinden Japans sowie die Geschichte des Inselreiches zu erklären.

Es ist das erste Mal, dass das japanische Nationalmuseum seine große Sammlung an Kunstwerken im Ausland zeigt. Möglich wurde die Ausstellung in Bonn nicht zuletzt durch eine Gesetzesreform in Japan, die den Museen des fernöstlichen Landes vermehrt Eigenverantwortung einräumt. Als Ergebnis können sie nun verstärkt und in Eigeninitiative Kooperationen mit Institutionen im Ausland eingehen. „Wir sind glücklich, dass für diese große erstmalige Kooperation die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ausgewählt wurde“, sagte Tomoe Kreiner, Projektleiterin und Ko-Kuratorin der Bundeskunsthalle.