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WestLB: Portigon will den Ausverkauf

WestLB : Portigon will den Ausverkauf

Nach dem umstrittenen Verkauf von zwei Warhol-Bildern steht in NRW ein weiterer Millionenverkauf von Kunstwerken aus Landesbesitz bevor. Die WestLB-Nachfolgerin Portigon muss die rund 400 Kunstwerke der ehemaligen Landesbank meistbietend auf den Markt bringen, um einen Teil der WestLB-Schulden zu tilgen.

Portigon-Chef Kai Wilhelm Franzmeyer nannte den Millionenverkauf erstmals "alternativlos". Gegen den Verkauf von Kunst aus Landesbesitz läuft die Kulturszene in NRW Sturm. Alleiniger Eigentümer der Portigon ist das Land NRW. Etliche Bilder hängen in NRW-Museen, etwa in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.

Das Kölner Museum Ludwig und das Wallraf-Richartz-Museum sowie das Kunstmuseum Bonn haben keine Portigon-Leihgeben. In der gerade mit einem Rekord (über 100.000 Besucher) zu Ende gegangenen Bonner Ausstellung über Macke und Marc hing jedoch das "Gartenbild" von Macke aus Portigon-Besitz.

Nach einer internen Inventarliste des NRW-Finanzministeriums umfasst die Sammlung hochwertige Bilder und Plastiken von renommierten Künstlern wie August Macke, Gerhard Richter, Emil Nolde, Günther Uecker und Salvador Dali. Den Wert der Kunstsammlung schätzen Experten auf 100 bis 150 Millionen Euro. Die Versteigerung von zwei Andy-Warhol-Bildern des landeseigenen Casino-Betreibers Westspiel in New York hatte im November 2014 zusammen 120 Millionen Euro eingebracht.

Franzmeyer begründete die konkreten Verkaufspläne mit dem Auftrag aus Brüssel, die WestLB abzuwickeln. Dafür müsse die Rechtsnachfolgerin Portigon das gesamte Vermögen der früheren Landesbank verwerten. Man habe mit Blick auf den Steuerzahler nichts zu verschenken und müsse sich an Recht und Gesetz halten, stellte Franzmeyer klar. Der Portigon-Chef will ausgewählte Objekte der Sammlung NRW-Museen aber für die nächsten zwei Jahre zur Ausstellung anbieten, um sie der Öffentlichkeit noch einmal zugänglich zu machen.

Am Ende sollen die Stücke dann an Kunstsammler in aller Welt versteigert werden. Der Verband Deutscher Kunsthistoriker hatte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) unmittelbar vor Weihnachten noch einmal vor weiteren Verkäufen aus Landesbesitz gewarnt. Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) will bei einem "Runden Tisch" am 5. Februar im Ministerium einen offenen Dialog über die Zukunft der Kunstwerke anstoßen. Dass die NRW-Museen allerdings die Mittel zum Ankauf der Bilder haben, glauben Experten nicht.

Der CDU-Politiker Thomas Sternberg hofft dennoch, dass der Verkauf in letzter Minute verhindert werden kann. Schließlich handele es sich nicht um eine Insolvenz, sondern um eine Abwicklung, die dem Eigentümer einen weiten Gestaltungsspielraum lasse. Portigon-Chef Franzmeyer stellte allerdings klar, dass die Kunstwerke Teile des Betriebsvermögens von Portigon seien und sämtliche Vermögenswerte verwertet werden müssten.

Die deutsche Kunstszene sieht in dem "Ausverkauf" von Kunst aus Landesbesitz einen Tabubruch. Die Portigon darf den NRW-Museen auch keinen Sonderrabatt einräumen, falls ein anderer Interessent mehr bieten sollte. Dies würde aus Sicht Franzmeyers den Tatbestand der Untreue erfüllen. Die WestLB-Kunstsammlung war seit den 60er Jahren aufgebaut worden.

Museumschefs: Protest

Die Direktoren mehrerer großer Museen in Nordrhein-Westfalen haben gegen den angekündigten Verkauf der Kunstsammlung der ehemaligen Landesbank WestLB scharf protestiert. Der Kunstverkauf sei eine "kulturpolitische Bankrott-Erklärung" auch der NRW-Landesregierung, die nicht entschieden genug eingeschritten sei, hieß es am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung. Die Kunstwerke gehörten eigentlich den Bürgern in NRW, betonten die Direktoren.

"Wir fordern einen sofortigen Stopp der Verkaufsvorbereitungen sowie eine gründliche juristische Prüfung, wie diesem Ausverkauf kultureller Güter ein Riegel vorgeschoben werden kann." Die WestLB-Nachfolgerin Portigon will die Sammlung verkaufen.

Zugleich kündigten die Direktoren an, nicht auf das Angebot des Portigon-Chefs Franzmeyer einzugehen, die Werke vor dem Verkauf Museen für eine gewisse Zeit für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. "Unsere Häuser dürfen nicht zum Durchlauferhitzer für den Kunstmarkt werden."

"Zynisch" sei angesichts der aktuellen Preise auch die Offerte, dass öffentliche Sammlungen die Werke "zum Marktpreis" ankaufen könnten.

Die Kunst-Sammlung der Portigon AG

Die Portigon AG als Rechtsnachfolgerin der WestLB verfügt über eine hochkarätige Kunstsammlung, die einst von der Landesbank angekauft wurde. Auf der Unternehmens-Homepage (www.portigon.com) - Stichwort: Gesellschaftliches Engagement - nennt Portigon einige Namen, allerdings ohne Details.

Klassische Moderne: Ein "Gartenbild" von August Macke, das "Rote Haus" von Gabriele Münter, eine Ansicht Konstantinopels von Paul Signac und die Serie von Stierlithographien Pablo Picassos.

Abstrakte Kunst: Ein Bild des Amerikaners Morris Louis (1912-1962), mehrere frühe Arbeiten Victor Vasarelys (1906-1997), zwei Reliefs von Jan Schoonhoven, Arbeiten von Max Bill und Plastiken von Nicolas Schoeffer.

Zeitgenössische Kunst aus NRW von 1960 bis heute: Joseph Beuys, Imi Knoebel, Gotthard Graubner, die ZERO-Künstler Günther Uecker, Otto Piene, Heinz Mack und Adolf Luther sowie Isa Genzken, Hans Peter Feldmann und Katharina Grosse

Zeitgenössische Fotografie: Werke von Candida Höfer, Thomas Struth, Jörg Sasse, Jitka Hanzlová und Elger Esser.

Klassische Musik: Portigon stellt dem Violinisten Frank Peter Zimmermann die Stradivari "Lady Inchiquin" aus dem Jahre 1711 zur Verfügung. Außerdem wurden an junge Musiker die Stradivari "ExCroall" (1684) und ein Violoncello von Joseph Rocca von 1860 verliehen.