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Bonner Konzern erzielt Umsatzwachstum: Telekom investiert massiv in die Netze

Bonner Konzern erzielt Umsatzwachstum : Telekom investiert massiv in die Netze

Bilanzpressekonferenzen sind kein Ort für große Emotionen. Doch als Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges gestern seine Vision "einer Gesellschaft, die alles teilt", entwarf, lag in seinen Ausführungen durchaus Leidenschaft.

Die Telekom will die technische Plattform dafür bilden, dass Angebote der "Sharing economy" (geteilte Güter) gemacht werden könnten. Motto: Man besitzt kein Auto, sondern nur das Recht, eines zu benutzen. Deshalb kooperiere der Konzern mit Unternehmen wie dem Taxifahrdienst-Betreiber Uber oder dem Zimmervermittler AirBnB. Die Telekom will gezielt damit junge Nutzer ansprechen. "Wir wollen mit Partnern zusammenarbeiten, die marktführende Produkte anbieten - denn das ist es, was die Kunden wollen", ist Höttges überzeugt.

Für diese Angebote brauche es schnelle Netze. Deshalb investiere der Konzern noch stärker als in den Vorjahren. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 9,5 Milliarden Euro. "Bei der Deutschen Telekom stehen die Zeichen wieder auf Wachstum", so Höttges.

Das Geschäftsjahr 2014 hat die Telekom mit einem Umsatzwachstum von 4,2 auf 62,66 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Konzerngewinn stieg von 930 Millionen auf 2,92 Milliarden Euro, was an Sondererlösen aus dem Verkauf von 70 Prozent an der Scout-Gruppe (Internetportal Scout24) lag. Die Zahl der Mitarbeiter lag weltweit mit 227.811 um 0,3 Prozent unter dem Vorjahr.

Das Umsatzwachstum wurde vor allem durch gute Geschäfte in den USA angeschoben. Acht Millionen neue Kunden verbuchte T-Mobile USA im Jahresverlauf: "Das ist der größte Zuwachs der Unternehmensgeschichte", so Höttges. 55 Millionen Kunden gibt es jetzt in den USA.

Auch in diesem Jahr soll es konzernweit mit der Gewinnsteigerung weitergehen: Das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) solle 2015 bei konstanten Wechselkursen 18,3 Milliarden Euro erreichen nach 17,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Darüber hinaus soll die wichtige Kennzahl bis 2018 im Schnitt um zwei bis vier Prozent jährlich wachsen.

Die Strategie bleibe unverändert: "Unser Anspruch lautet, der führende europäische Telekommunikations-Anbieter zu werden", meinte Höttges. Es müsse nicht automatisch bedeuten, der Größte zu sein. Sondern es gehe vor allem darum, mit der Netzmodernisierung einen einfachen Zugang für Kunden und Geschäftspartner zu bieten. Außerdem sei die höchste Kundenzufriedenheit das Ziel.

Mit dem Verlauf des Deutschland-Geschäftes zeigte sich Höttges zufrieden. In Deutschland investierte die Telekom im vergangenen Jahr eine Summe von 3,8 Milliarden Euro. Dabei geht es um schnelle Internetzugänge, die Umstellung des Telekom-Netzes auf IP-Basis sowie LTE-Netze im Mobilfunk. "Wir haben allein in Deutschland eine Million neue glasfaserbasierte Anschlüsse in Betrieb genommen", sagte Höttges.

Die Marktführerschaft im Mobilfunk habe die Telekom bei den Service-Umsätzen weiter ausgebaut, betonte Höttges. Ende vergangenen Jahres hatte die Telekom 38,9 Millionen Mobilfunkkunden. Im vierten Quartal gab es im Deutschland-Geschäft ein Umsatzplus von 1,6 Prozent.

Nach Angaben des Unternehmens gab es damit erstmals seit der Schaffung dieses Segments vor fünf Jahren ein Umsatzwachstum auf dem Heimatmarkt. Durch den Wettbewerb auf dem Festnetzmarkt hat das Unternehmen in den letzten Jahren stets Marktanteile und damit Umsatz verloren.

Bei der Geschäftskundensäule T-Systems stehen die Zeichen derzeit auf Restrukturierung. Die Umsätze gingen um 3,1 Prozent zurück. "T-Systems hat sich aus margenschwachem Geschäft zurückgezogen", erläuterte Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt. Die Entwicklung im Jahresverlauf, so Höttges, zeige, dass das Unternehmen dabei auf dem richtigen Weg sei. Es sei gelungen, Großaufträge von ThyssenKrupp und zum Aufbau eines Maut-Systems in Belgien zu gewinnen.

Die schwierige wirtschaftliche Lage in anderen Teilen Europas spiegelt sich im Europageschäft des Konzerns, das einen Umsatzrückgang von vier Prozent verbuchte. Als große Chance wertet Höttges den Verkauf des britischen Gemeinschaftsunternehmens EE an BT (früher British Telecom). Durch dieses Geschäft wird die Deutsche Telekom künftig zwölf Prozent der Anteile an BT halten. Gemeinsam werde man aus der Partnerschaft heraus mehr entwickeln.

Ob er sich ein Beispiel am griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis genommen habe, wurde Höttges, der erstmals ohne Krawatte, mit schwarzem Hemd und blauem Anzug gekommen war, gefragt: "Ich trage mein Hemd in der Hose und sehe nicht so gut aus", meinte Höttges. Es ist wohl eher ein Zeichen einer gesellschaftlichen Veränderung, aber auch der Tatsache, dass die Telekom ein jüngeres Publikum ansprechen möchte als früher.