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Lieferengpässe: Waschmaschinen, Handys, Fahrräder

Lieferengpässe : Auf diese Produkte müssen Verbraucher derzeit warten

Beim Einrichtungskauf müssen Kunden viel Geduld haben. Die derzeitige Materialknappheit trifft die Hersteller, deren Lieferverzögerung schlägt auf den Handel durch.

Wenn man eine neue Küche kaufen will, geht man in der Regel in ein entsprechendes Studio. Dort setzt man sich mit einem Kundenberater zusammen, entwirft gemeinsam häufig in mehreren Sitzungen die neue Traumküche, gibt die Bestellung auf und wartet auf die Auslieferung nach Hause. Meist sechs bis acht Wochen.

Daran hat sich eigentlich nichts geändert – bis auf die Wartezeit. Die bemisst sich derzeit nämlich eher in Monaten als in Wochen. Und die Küchenhändler und -hersteller sind beileibe nicht die Einzigen, die ihrer Klientel aktuell viel Geduld abverlangen müssen. Die Materialknappheit und die damit verbundenen steigenden Preise sind quer durch nahezu alle Branchen dafür verantwortlich, dass sich die Lieferzeiten sehr verlängert haben und die Ware für den Kunden auch teils deutlich teurer wird. Einige Beispiele, bei denen das besonders sichtbar wird:

Möbel „Die Situation hat sich weiter verschärft“, sagt Andreas Wagner, Vorsitzender des Verbandes Holz und Kunststoff in Westfalen-Lippe. Das gilt vor allem für Metall, für Kunststoff und Elektro. Eine der Folgen: „Küchen werden teilweise ohne einen Teil der Elektrogeräte ausgeliefert“, sagt Wagner. Mal fehle die Mikrowelle, mal der Kühlschrank, mal ein oder mehrere andere Teile. Lieferzeit: zwischen 13 und 16 Wochen. Bei anderen sieht das nicht besser aus. Bei LED-Leuchten, Waren aus Glas und Schaumstoff für die Polstemöbel sitzen die Lieferanten teilweise in Asien, sodass Verbraucher genauso lange auf eine Couch, einen dazugehörigen Glastisch oder die Stehlampe warten müssen. Und: je größer die Nachfrage, desto stärker steigen die Preise: „Küchen sind derzeit etwa zehn Prozent teurer als vor zwei Jahren vor dem Ausbruch der Pandemie“, sagt Wagner.

Handys/Computer In vielen Fällen haben die Elektronikhändler noch genug Geräte auf Lager. Doch bei einigen Herstellern stehen die Zeichen schon auf Engpass, weil nicht nachgeliefert wird. Media-Markt-Saturn beispielsweise fürchtet bereits Probleme zum Jahresende: Ausgerechnet im so wichtigen Weihnachtsgeschäft könnte es Schwierigkeiten bei der Lieferung von Smartphones, Tablets und Druckern geben – vor allem, wenn es um neue Geräte geht, die manche auch gern zu Weihnachten verschenken. Natürlich ist eine wichtige Ursache auch hier der Mangel an Halbleitern, der bereits in der Automobilindustrie für Kopfzerbrechen gesorgt hat. Wer beispielsweise auf das neue iPhone 13 wartet, muss laut dem Online Store von Apple bis zu fünf Wochen auf das neue Smartphone warten.

Bekleidung Mehrfach wurde der Textilhandel auch in Deutschland während der Pandemie von Zwangsschließungen getroffen. Jetzt könnte er Geschäft nachholen, doch fehlt teilweise die Ware. Auch in der Bekleidungssparte kommt vieles aus Asien, genauer gesagt aus einer der vielen Textilfabriken vor allem in Vietnam. Das Land wollte eigentlich Lieferprobleme in China zum Teil auffangen; nun wird es selbst von einer schweren Coronawelle erschüttert, Fabriken stehen still. Und wenn etwas geliefert wird, dauert es wie bei den Küchen oft doppelt so lange wie normalerweise.

Fahrräder Auch hier liegt das Problem vielfach bei Herstellern in Asien: „Viele Fahrradteile stecken fest und können in Europa nicht montiert werden“, sagte jüngst Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut. Es trifft Privatkunden genauso wie Unternehmen, die beispielsweise E-Bike-Leasing-Verträge für Mitarbeiter abgeschlossen haben. „Da wartet man mitunter drei Monate auf eine Speiche oder eine Kette“, sagt Wagner. Nach Einschätzung des Zweirad-Industrie-Verbands ist der Höhepunkt der Materialknappheit noch nicht erreicht. Die Vorräte aus dem vergangenen Jahr seien aufgebraucht.

Das Problem in der Industrie sind indes nicht nur stillstehende Fertigungsanlagen, sondern auch mangelnde Transportkapazitäten und Wartezeiten – auch an europäischen Seehäfen. Dass es auch in Hamburg und Rotterdam Rückstaus bis aufs offene Meer gibt, liegt unter anderem an den Teilen, die mit dem Containerschiff „Ever Given“ ankommen sollten, das im März dieses Jahres sechs Tage lang den Suezkanal blockierte. „Die Nachlieferung zieht sich bis heute“, heißt es.

Eine schnelle Auflösung der Lieferengpässe erwartet der deutsche Mittelstand nach Angaben der Förderbank KfW nicht: Nur fünf Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen gehen von einer Entspannung bis zum Jahresende aus.