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Konzept für Entsorgungspark in Sankt Augustin: Die Mülldeponie als Erlebnisraum

Konzept für Entsorgungspark in Sankt Augustin : Die Mülldeponie als Erlebnisraum

Radwege, Freizeitareal und Aussichtspunkt: Die Bürger sollen den RSAG-Verwertungspark wieder nutzen können.

Ein Radweg mitten über den Entsorgungs- und Verwertungspark der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) könnte bald Niederpleis und Buisdorf verbinden. Das ist ein Bestandteil des Nutzungskonzeptes für die Mülldeponie, das am Mittwochabend im Planungsausschuss vorgestellt wurde. Noch ist es allerdings nur eine Grundlage – wie die Umsetzung genau abläuft, ist aktuell noch unklar. RSAG-Geschäftsführerin Ludgera Decking sagte dem General-Anzeiger auf Nachfrage: „Wir sind sehr froh, dass wir einen Konsens gefunden haben. Anfangs habe ich schon gedacht, dass das problematischer sein könnte.“

Wie berichtet, hatte die Stadt in der jüngeren Vergangenheit eine Gesamtbetrachtung der Deponie vermisst und beklagt, jedes RSAG-Vorhaben einzeln beraten zu müssen. Deshalb forderte sie ein übergeordnetes Konzept. Jetzt liegt es vor. Aufgrund des sogenannten Friedensvertrages mit der Stadt von 1994 muss sich das Unternehmen alle Projekte absegnen lassen. Mit dem Vertrag beendeten Stadt und RSAG zu jener Zeit ihre Rechtsstreitigkeiten.

Stadt und RSAG wollen die Fläche wieder für die Bürger öffnen. Dort sollen folgende Aspekte kombiniert werden: Umwelt, Freizeit, Gewerbe, Energiegewinnung, Forschung und Recycling. Unter anderem ist ein Aussichtspunkt geplant. Seit vorigen März gab es mehrere Workshops, unter anderem mit Bürgern und Politikern. Das Dortmunder Büro „plan-lokal“ hat die Veranstaltungen moderiert. Dabei ging es darum, gemeinsame Interessen, aber auch Konflikte zu benennen – und am Ende ein für alle Beteiligten zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.

Der Technische Beigeordnete Rainer Gleß sagte: „Die Schnittmenge aller Akteure ist riesengroß, das habe ich mir zu Beginn nicht erträumen lassen.“ Noch ist das Konzept allerdings nur eine Ideensammlung, die Umsetzung steht bevor. Das machte Gleß deutlich. „Es ist eine gute Grundlage, aber gemessen wird es daran, was die Menschen dann in fünf Jahren tatsächlich sehen“, sagte er. Diplom-Ingenieur Thomas Scholle von „plan-lokal“ sagte: „Die Leute sollten nicht 15 Jahre warten, bis etwas passiert.“ Die Finanzierung der Maßnahmen muss später im Einzelfall geklärt werden, sagte RSAG-Sprecher Joachim Schölzel.

Aktuell arbeiten Stadt und RSAG ein Kommuniqué aus, es soll folgende Fragen beantworten: Wie läuft die Umsetzung ab? Welche Rechte und Pflichten haben beide Seiten? Wie sieht das Zeitfenster aus? Wenn es fertig gestellt ist, geht es an die Ratsfraktionen, damit die Mitglieder des Planungsausschusses es in der nächsten Sitzung verabschieden können. Danach soll der Kreis mit ins Boot geholt werden.

Dabei war die Beziehung zwischen RSAG und der Stadt Sankt Augustin nicht immer die beste, darin erinnerte Wolfgang Köhler, Fraktionschef des „Aufbruch“. Er sagte: „Früher haben wir uns im Rat mit der RSAG nur mit Prozessen auseinandergesetzt. Das ist jetzt anders, es herrscht ein Konsens und keine Auseinandersetzung.“

Unter anderem führte die RSAG die Anwohner der Langstraße im Oktober über eine angrenzende 1,2 Hektar große Fläche des Verwertungsparks. Dort möchte das Unternehmen ein Verwaltungsgebäude für 70 Mitarbeiter, eine Umladestation für Altkleider der Arbeiterwohlfahrt, eine Kaminholzherstellung und einen Lagerplatz für Container unterbringen. Im Herbst 2017 soll das Gebäude fertig sein. Eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagte dem GA: „Die RSAG hat versucht, das gut rüberzubringen. Wenn das Verwaltungsgebäude wie vorgestellt kommt, bin ich zufrieden.“ Die zunächst vorgesehene Zufahrt zur Deponie über die Langstraße wurde gestrichen, das sei wichtig. „Früher hat die RSAG hier die Sau gemacht. Aber in den letzten Jahren hat sie sich bewegt, wenn wir uns beschwert haben.“