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Schilfplatten füllen das Fachwerk: Alanus-Studenten bauen nachhaltiges Haus in Meckenheim

Schilfplatten füllen das Fachwerk : Alanus-Studenten bauen nachhaltiges Haus in Meckenheim

Julian Weber und Raphael Reichert bauen für ihre Bachelor-Arbeit im Meckenheimer Unternehmerpark eine „Workbox“ aus nachhaltigen Materialien. Ein wichtiger Bestandteil: Eine Pflanze, die bis zu fünf Zentimeter am Tag wächst.

Das Fachwerk unweit der Landesstraße  261 sieht unscheinbar aus. Wer sich aber mit Baumaterialien auskennt, dem dürfte bei näherem Hinsehen das ungewöhnlich astfreie Holz auffallen. Das verwenden Julian Weber und Raphael Reichert, die im Zuge ihrer Bachelor-Arbeit eine „Workbox“ aus unterschiedlichen nachwachsenden Rohstoffen errichten, um deren Verhalten im Bau zu demonstrieren.

Aktuell entsteht eine Art größeres Gartenhäuschen mit zwei Umkleiden und einem Raum für Geräte und Maschinen, die „Workbox“. Die Architekturstudenten der Alanus-Hochschule bauen daran seit Anfang Juni, das Grundgerüst steht. Die Planung mit exakten 3D-Zeichnungen und teilweise 3D-gedruckten Sägeschablonen haben sie zuvor erstellt. In zwei Monaten wollen sie fertig sein. „Wir sind zuversichtlich, dass wir schnell vorankommen“, sagte Weber. Sie seien sogar ein bisschen vor dem Zeitplan. „Wir müssen jetzt aber auf eine Lieferung unserer Miscanton-Wände warten.“

Dabei handelt es sich um Platten aus Beton und der Miscanthuspflanze. Auf dieses Schilfgewächs setzen die Studenten in ihrem Projekt. Bei der Präsentation, zu der auch  Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles kam, erklärte Professor Ralf Pude, Leiter des Forschungsbereiches Nachwachsende Rohstoffe der Universität Bonn, den Vorteil von Miscanthus. Das Riesen-Chinaschilf wachse bis zu fünf Zentimeter am Tag und könne an Ort und Stelle angebaut werden. Aus den Fasern lassen sich beispielsweise Platten herstellen, auch als Schüttmaterial in Wanddämmungen sei das Schilf nutzbar. Ein weiterer Rohstoff der „Workbox“ ist Paulownia, ein sehr schnell wachsendes Holz. Ein Baum kann laut Pude schon nach 14 Jahren gefällt und verarbeitet werden. Bei Fichten dauere es 70 Jahre.

Die Studenten, die schon vorher gemeinsam Möbel gebaut haben und handwerkliche Erfahrung mitbringen, testen nun die Verarbeitung. „Es lässt sich butterweich sägen“, berichtete Weber vom Gerüstbau. Und im Regen der vergangenen Tage hätten sich die Balken nicht verzogen. In der Workbox planen sie ein Parkett aus rund 5000 kleinen Stirnholzklötzchen. Allerdings seien ihre Werkstoffe nicht alles Materialien für den Massenmarkt, es fehle teilweise noch eine „bauaufsichtliche Zulassung“, wie Professor Mathias Wirth von der Alanus-Hochschule erklärte. Die fertige Workbox soll anderen Bauherren im Unternehmerpark Kottenforst als Beispiel dafür dienen, was im nachhaltigen Bauen möglich ist.

Die unterschiedlichen Materialien, die verbaut werden: Miscanthus für das Dach oder die Wandeindeckung als Dämmstoff; Paulowina für das Ständerwerk beziehungsweise die Balken. Foto: Matthias Kehrein

Die Stadt Meckenheim hat dazu ein rund 5000 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung gestellt. Die Universität Bonn liefert die ökologischen Baumaterialien. Außerdem wird sie später rund um die Workbox Paulownia und vor allem Miscanthus anpflanzen. Bürgermeister Spilles dankte den Studenten dafür, dass sie ihr Projekt vor Ort realisierten. „Das passt wunderbar hier in den Unternehmerpark“, betonte er. Schließlich möchte die Stadt hier Unternehmen aus dem Branchencluster „bio innovation“ ansiedeln, zu den Ansiedlungskriterien gehört neben Photovolta­ik­anlagen die Nutzung nachwachsender Rohstoffe im Bau.

Erklärtes Ziel ist zudem die Etablierung eines Kompetenzzentrums für solche zukunftsweisenden Baustoffe mit einem Showroom, einem Forschungslabor und Büros. Dazu arbeitet die Stadt Meckenheim im Netzwerk des Vereins „bio innovation park Rheinland“ mit. Beteiligt sind unter anderem auch die Hochschule Bonn/Rhein-Sieg, die Universität Bonn und die Alanus-Hochschule.