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Flüchtlingshelfer kritisieren Bamf: Flüchtlinge können Asylantrag nicht stellen

Flüchtlingshelfer kritisieren Bamf : Flüchtlinge können Asylantrag nicht stellen

Ehrenamtliche Helfer in Swisttal berichten von Flüchtlingen, die einen Termin in der Außenstelle des Bamf in der Ermekeilkaserne hatten, dort aber entweder gar nicht an die Reihe kamen oder nur einen Teil des Asylverfahrens absolvieren konnten.

Hans Hacke setzt sich ehrenamtlich für zwei Flüchtlinge in Buschhoven ein. Beide waren Anfang September in die Bonner Außenstelle des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge (Bamf) eingeladen, um ihren Asylantrag zu stellen und zur Anhörung zu gehen. Beide kamen zurück, ohne dass die Anhörung stattfand. „Die sind so was von frustriert, das können Sie sich gar nicht vorstellen.“

Wie Hans Hacke berichten viele ehrenamtliche Helfer in Swisttal von Flüchtlingen, die einen Termin im Ankunftszentrum in der Ermekeilkaserne hatten, dort aber entweder gar nicht an die Reihe kamen oder nur einen Teil des Asylverfahrens absolvieren konnten.

130 Flüchtlinge seien am 5. September eingeladen worden, davon seien 60 zurückgekommen, ohne dass irgend etwas passiert sei, sagt Michael Gadow vom Netzwerk Flüchtlingshilfe Swisttal-Ludendorf-Essig-Odendorf (Leo). 70 der Flüchtlinge hätten einen oder beide der Antragsteile tatsächlich absolvieren können, so Gadow weiter.

„Die Situation im Ankunftszentrum war für die Flüchtlinge sehr belastend, weil nicht klar war, komme ich noch dran oder nicht“, sagt Gaby Lohmann, die ein Flüchtlingscafé der Katholischen Jugendagentur (KJA) leitet.

Auf Anfrage des General-Anzeigers bestätigt das Bamf, dass nicht alle Swisttaler Asylsuchenden auch ihren Antrag stellen konnten. Eine mehrstündige technische Störung im IT-System habe zu Verzögerungen geführt. Das Amt nennt aber abweichende Zahlen: Von 133 Personen hätten 102 ihren Asylantrag stellen können, 31 nicht. Die Anhörung hätten neun Flüchtlinge am selben Tag und weitere 40 am darauffolgenden Tag gehabt.

Mehrere Flüchtlinge hätten den Wunsch geäußert, dass die Flüchtlingshelfer sie begleiteten, sagen die ehrenamtlichen Helfer Gadow, Lohmann und Manfred Huth. In der Einladung zu dem Termin sei aber explizit darum gebeten worden, dass die Betreuer nicht mitkämen.

In der Stellungnahme des Bamf heißt es, dass der Leiter des Ankunftszentrums Personen die Anwesenheit gestatten kann. Dazu müsse drei Tage vorher eine Anmeldung beim Leiter des Standorts erfolgen. Einen Tag vor der Anhörung erhalte die Vertrauensperson die Nachricht, ob eine Teilnahme möglich sei.

Immerhin, so Lohmann, seien alle Familien unter den 130 Flüchtlingen im Ankunftszentrum auch an die Reihe gekommen. Gadow betont, dass viele nach der Antragstellung froh gewesen wären, dass das Verfahren in Gang komme und sie damit einen Schritt weiter gekommen seien.

Kritisch merken die Helfer allerdings an, dass es nicht für alle Sprachen der Antragsteller Dolmetscher gab. So habe etwa für einen jungen Afghanen ein Dolmetscher für Dari, das afghanische Persisch, gefehlt. Pressesprecherin Andrea Brinkmann vom Bamf macht hierzu keine konkrete Angabe, merkt aber an, dass es für Dari in Nordrhein-Westfalen nur wenige Übersetzer gebe. Das Land NRW und die Bezirksregierung Arnsberg teilten dem Bundesamt im Vorfeld der Antragstellung mit, welche Sprachen übersetzt werden müssten.

Belastend sei auch, dass denen, die ihren Antrag nicht hätten stellen können, keine Ersatztermine genannt worden seien, sagen die Flüchtlingshelfer. Schließlich hätten die Asylsuchenden schon vorher Wartezeiten bis zu einem Jahr hinter sich gebracht.

Eine 34-jährige Syrerin berichtet von Handgreiflichkeiten zwischen Flüchtlingen und Security am Abend des 5. September am Ankunftszentrum. Die Flüchtlinge hätten nach einem Tag des Wartens auf einen neuen Termin bestanden. Die Security habe davon gesprochen, die Polizei zu rufen.

Dazu sagt Brinkmann: „Informationen zu Handgreiflichkeiten durch Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes liegen uns nicht vor.“ Die Bürgermeisterin der Gemeinde Swisttal und der Landrat seien darüber informiert, dass „die fehlenden Aktenlagen in der Woche ab dem 10. Oktober durchgeführt werden sollen“.

Bereits im Juli kritisierte Stefan Raetz als Sprecher der Bürgermeister im Rhein-Sieg-Kreis ähnliche Probleme. Bamf-Sprecherin Nadia Rouhani räumte daraufhin einen Engpass bei den Anhörungen in Bonn ein und kündigte an, dass notwendige Anpassungen bald vorgenommen sowie neues Personal eingestellt werden sollten.