1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Laufen am Rheinufer nach dem Überfall: Mulmiges Gefühl beim Joggen

Laufen am Rheinufer nach dem Überfall : Mulmiges Gefühl beim Joggen

Auch eine Woche nach dem Überfall auf einen 54-jährigen Läufer am Rüngsdorfer Rheinufer ist der Vorfall unter Spaziergängern und Freizeitsportlern ein Thema. Unabhängig vom höchst subjektiven Sicherheitsempfinden jedes Einzelnen rückt der Fall auch die Frage in den Blick, wie es an der Godesberger Promenade eigentlich um die Beleuchtung bestellt ist. Die GA-Redaktion hat einen Testlauf vom Langen Eugen bis zur Landesgrenze unternommen.

Donnerstag, 20 Uhr. Vorbei am "KunstRasen" machen wir uns auf den Weg in Richtung Süden. Schon am Bismarckturm fällt auf: Es ist ganz schön dunkel hier. Und einsam. Die einzigen Menschen, denen wir begegnen, sind zwei Obdachlose, die sich bei leichtem Nieselregen in einer Schutzhütte niedergelassen haben. Unter der Südbrücke und zwischen den knorrigen Bäumen bietet sich die ideale Kulisse für einen guten Krimi. Und zwar für die Anfangsszenen, wenn die Spurensicherung am Tatort eintrifft. Einzige Lichtquellen sind der blasse Vollmond und die Gebäude am gegenüberliegenden Ufer, deren üppige Beleuchtung sich wie ein Raumschiff im Rhein spiegelt. Anders gesagt: Der Uferbereich in Höhe der Rheinaue ist ideal für jeden, der beim abendlichen Laufen ungestört und unbeobachtet bleiben möchte.

Knapp zwei Kilometer lang ändert sich an dieser "Idylle" nichts. Erst kurz vor dem Schaumburger Hof wird es hell. In Abständen von 40 Metern tauchen Laternen das Plittersdorfer Rheinufer in Licht, das sich in regelmäßigen Abständen südlich der Fähre auf Rüngsdorfer Gebiet fortsetzt. Bis jetzt sind uns an diesem trüben Abend ein Läufer, ein Spaziergänger und zwei Radfahrer begegnet. Gänzlich entvölkert ist der Bereich unterhalb des Rüngsdorfer Bootshauses.

Hier ist es am vergangenen Samstag passiert: Als ein 54-Jähriger Jogger gegen 19.30 Uhr mit einer Begleiterin diese Stelle passierte, wurde er von Unbekannten angesprochen und dann unvermittelt attackiert. Die Täter schlugen den Mann, raubten ihm die Jacke mitsamt Schlüssel und verschwanden in der Dunkelheit. Die Fahndung der Polizei blieb ohne Erfolg. Immerhin: In diesem Abschnitt gibt es durchgehend Laternen, die auch nahezu vollständig funktionieren.

"Wir sind zu zweit und wir haben einen Hund und Telefone dabei", sagen Spaziergängerinnen in Höhe der Deichmanns Aue, auf ihre Gefahreneinschätzung angesprochen. Im Umkehrschluss soll das wohl bedeuten, dass sie sich alleine abends am Mehlemer Rheinufer unwohl fühlen. Vor Jahren, so erinnern sich die beiden, wurde drüben am Weinhäuschen eine Frau vergewaltigt. "Polizeipräsenz gibt es hier leider so gut wie nicht", lautet ihre Beobachtung. Das sei - gerade hier - zu Hauptstadtzeiten anders gewesen: "Damals wurde fast im Zehnminutentakt patrouilliert, in Mehlem musste man das Haus eigentlich nicht abschließen", berichtet die Ältere der beiden und verweist auch auf die Drogenszene, die bestimmte Bereiche Mehlems als Umschlagplatz entdeckt habe. Vom anderen Ufer schlagen die Königswinterer Kirchenglocken neun Uhr.

Jenseits der Mehlemer Fähre, kurz vor der Genienaue, wird es wieder dunkel. Hier bricht die Lichterkette ab, dafür kann man ein Naturerlebnis verbuchen: Drachenfels mit Raureif im Mondschein. Aber Ähnliches kennen wir ja schon aus der Rheinaue.

Dass es dort auf einer Länge von fast zwei Kilometern keine einzige Laterne gibt, erklärt die Stadt so: Es sei gesetzlich nicht vorgeschrieben, selbstständige Rad- und Fußwege abseits von Straßen zu beleuchten, auch wenn dies natürlich wünschenswert wäre, sagte gestern eine Sprecherin. Letztlich sei aber auch das eine Kostenfrage. Eine Beleuchtung der Strecke unterhalb der Rheinaue sei bislang noch nie ein Thema gewesen.

Die Polizei sagt

"Wie in allen Bereichen einer Stadt gibt es auch am Rhein Bereiche, die weniger gut beleuchtet und bevölkert sind, so dass sich Menschen dort unsicherer fühlen als andernorts", erklärt eine Sprecherin der Polizei auf Anfrage. Aus Sicht der Behörde gibt es jedoch am Rheinufer "kein spezielles Sicherheitsproblem", das sich aus auffälligen Fallzahlen ableiten ließe. Abgesehen von dem jüngsten Fall seien keine Überfälle auf Läufer aktenkundig.