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Prototyp der GoBox steht in Bad Godesberg

Prototyp steht in Bad Godesberg : Aus der GoBox darf sich jeder bedienen

Die Bonner Sophie Schraml und Darius Roncoszek haben einen nachhaltigen Schrank entwickelt, der in Serie gehen soll. Nutzer können sich an öffentlichen Plätzen Tag und Nacht aus der Box bedienen oder sie befüllen. Der Prototyp steht in Bad Godesberg.

Sie liegt ein wenig versteckt, die neue Wundertüte von Bad Godesberg. Und ohne die Empfehlung ihrer Freundin hätte Amina Aguig das außergewöhnliche Möbelstück an der Friesdorfer Straße 39 wohl nur zufällig entdeckt. Doch einmal da, zeigt sich die Frau aus Pennenfeld begeistert: „Ich habe mir eine schwarze Bluse, eine Tunika und Nordic-Walking-Stöcke mitgenommen.“ Freundin Bouchra Madloon genießt mit ihrer Wohnung gegenüber Heimvorteil. Häufig kommt sie vorbei, um nicht mehr Benutztes in den großen grauen Schrank einzuräumen oder wie gerade eine Hose für ihre Tochter zu ergattern.

Wer aber zeichnet verantwortlich für das Etwas, das seit fast drei Wochen auf dem Areal der früheren Michaelschule steht? Das ist zum einen der Verein „Wir unter der Godesburg“. Fast noch entscheidender aber sind Sophie Schraml und Darius Roncoszek. Das Bonner Paar hatte vor vier Jahren als Vorläufer einen begehbaren Schrank, die BonnBox, entwickelt, die mittlerweile an der Alten Volkshochschule an der Wilhelmstraße steht.

Das Paar hat eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft gegründet

„Der Ansatz, darüber Menschen an einem Ort zu verbinden, die sonst nicht in Kontakt kämen, ist geblieben, aber die Idee hat sich weiterentwickelt“, sagt Geograf Roncoszek, der in Bonn als Kulturmanager und DJ bekannt ist. Das moderne Stadtmöbel soll nämlich in Serie gehen, weshalb er mit seiner Freundin eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft gegründet hat. Schraml hat dafür ihren Job als Juristin aufgegeben und gemeinsam mit ihrem Freund das Design des Prototypen entwickelt. Ziel ihrer Firma Envision21: „Wir wollen die sogenannten FreeBoxen an möglichst vielen öffentlichen Plätzen aufbauen.“

 Die Erfinder der Freebox Darius Roncoszek und Sophie Schraml haben den neuen Prototypen jetzt dem Verein Wir unter der Godesburg mit Vertreter Ruwen Noltenhans zur Verfügung gestellt.
Die Erfinder der Freebox Darius Roncoszek und Sophie Schraml haben den neuen Prototypen jetzt dem Verein Wir unter der Godesburg mit Vertreter Ruwen Noltenhans zur Verfügung gestellt. Foto: Silke Elbern

10 000 Euro kostet den Käufer der Schrank, der brandschutzsicher, wetterfest und höchst stabil ist. „Wir installieren die Box aber nur, wenn ein Verein dahintersteht, denn wenn sich keiner kümmert, öffnet das dem Vandalismus die Tür“, sagt die 36-Jährige. Hier kommen „Wir unter der Godesburg“ ins Spiel, die sich wie berichtet auf die Fahnen geschrieben haben, das Gelände der früheren Schule zu beleben.

„Im Quartier geht der Wandel los, dafür brennen wir“, sagt Vize-Vorsitzender Ruwen Noltenhans. Vorgaben, was in den Schrank darf: Dinge, die zu Hause ausgedient hätten, aber noch in Ordnung seien. „Allerdings bitten wir darum, dass vorerst nur abgepackte Lebensmittel hineingestellt werden“, so der 33-Jährige. Man überlege jedoch, das Foodsharing, also das Teilen von Essen, über einen großen Kühlschrank oder Regale neben dem Schrank zu ermöglichen.

Schrank ist gewissermaßen eine Leihgabe

Doch auch bei nachhaltigen Ansätzen geht es nicht ganz ohne Geld. Der Schrank ist zwar gewissermaßen eine Leihgabe, muss aber bis auf 2500 Euro aus dem Bürgerhaushalt noch refinanziert werden. „Wir haben deshalb eine Crowdfunding-Kampagne gestartet“, sagt der 43-jährige Roncoszek. Ein Glück für den Godesberger Verein. Künftige Interessenten müssen zunächst das Geld selbst sammeln und geben dann bei Envision21 ihre Box in Auftrag. Ein Jahr lang hat die Saarbrücker Agentur K8 an dem technischen Entwurf gefeilt, das Feintuning stammt von Ingenieur Roger Pfeiffer, einem Freund des Paares. Bauen werden Schraml und Roncoszek die Schränke mit Solarvorrichtung im Dach für Licht und einem Gitter für Lebensmittel als Boden selbst.

Zudem wollen sie als Mittler tätig sein und karitative oder kommunale Eigentümer ihres sozio-ökologischen Projekts beraten. „Wir können uns an solchen Plätzen Musikaktionen vorstellen, Workshops zum Upcycling und vieles mehr“, sagt Roncoszek. Amina Aguig will auch ohne spezielles Angebot wieder zur GoBox kommen und dann Teile ihrer Gläsersammlung hineinstellen.

Weitere Informationen zur Crowdfunding-Kampagne unter www.ecocrowd.de/projekte/gobox und zum Verein unter www.wirunterdergodesburg.de