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Unterricht per Video-Schalte: Musikschule Popfarm in Beuel hofft auf schnelle Öffnung

Unterricht per Video-Schalte : Musikschule Popfarm in Beuel hofft auf schnelle Öffnung

Mit einem Schreiben hat sich der Leiter der Beueler Musikschule Popfarm an Oberbürgermeister Ashok Sridharan gewandt: Darin bittet er um eine Lockerung der Corona-Beschränkungen für Kulturtreibende.

Während die ersten Geschäfte und Schulen öffnen dürfen, ändert sich in der Popfarm vorerst nichts. Die 130 Schüler der Pop- und Rockmusikschule nehmen weiter über das Internet am Unterricht teil. Normalerweise üben sie im einstigen Verwaltungstrakt der alten Tapetenfabrik fleißig Schlagzeug, Keyboard und Gitarre. Auch geplante Veranstaltungen musste die Leitung absagen. Um negative Folgen abzuwenden, hat sich Intendant Michael Kernbach (54) mit einem Brief sogar an Oberbürgermeister Ashok Sridharan gewandt. Darin bittet er um Lockerungen für Kulturschaffende.

Seit Mitte März erhalten die Musikschüler Gesangs- und Instrumentalunterricht per Videochat. „Die Schüler sind glücklich mit dem Angebot und stets engagiert“, sagt Intendant Michael Kernbach (54). Allerdings sei diese Lösung ein Kompromiss, sagt Kernbach und verweist auf technische Einschränkungen. Denn Lehrer und Schüler würden sich im Videochat oftmals zeitversetzt hören. „Bei vielen steht das Schlagzeug im Keller, da hat man schlechtes W-LAN beim Spielen“, sagt er. Und Kernbachs Ehefrau, Gesangslehrerin Anke Beuth, fügt hinzu: „Normalerweise spielen die Gesangslehrer die musikalische Begleitung am Klavier während die Schüler mitsingen.“ Das gemeinsame Musizieren falle beim Online-Unterricht sogar ganz aus. Auch die Lautstärke des Gesangs sei im Videochat für Teilnehmer oft nicht genau zu bestimmen. Stattdessen müsse wegen der manchmal stockenden Verbindung viel improvisiert werden, erzählt Beuth.

Zudem haben sich die Leiter der Popfarm entschieden, angesichts der aktuellen Krise zusätzlich in den Ferien zu unterrichten. „Auch die Eltern sind zufrieden, wenn ihre Kinder sich sinnvoll beschäftigen“, meint Beuth. Das individuell angepasste Lehrangebot nutzen auch drei Schüler mit Behinderungen.

Gemeinsame Musikprojekte mit der Stadt, wie das Kultur-Angebot „Rock-Camp“, mussten in den vergangenen Wochen verschoben oder gar gestrichen werden. „Wir sind leider für einige nur eine ‚Nice-to-have‘-Kultur“, meint Kernbach.

Mit Sorge blickt er auf eine mögliche Fortführung der Beschränkungen. „Wenn es am 30. April heißt, wir verlängern die Allgemeinverfügung bis Juni, dann hätten wir große Schwierigkeiten“, sagt Kernbach. Erst kürzlich habe er dem Oberbürgermeister deshalb geschrieben, um eine Lockerung der Maßnahmen für Kunst- und Kulturschaffende anzuregen. „Wir könnten mit einem blauen Auge überleben, solange die Einschränkungen nur von mittelfristiger Dauer bleiben“, sagt er. Andernfalls sei auch die wirtschaftliche Existenz der Popfarm bedroht. Deshalb fordert Kernbach: „Im gemeinsamen Kampf gegen das Sterben unserer Kulturangebote ist es enorm wichtig, dass die Behörden auch den Einzelfall prüfen.“

Für die 17 freien Mitarbeiter, die von ihren Auftritten und dem Unterricht lebten, lasse sich keine Kurzarbeit beantragen, sagt das Ehepaar. „In den letzten 13 Jahren haben wir diesen Betrieb ohne Subventionen mühselig aufgebaut“, sagt Kernbach. Er habe sich auch für Kulturbetriebe staatliche Hilfen erhofft, die über die Betriebskosten hinaus gingen. Grundsicherung zu beziehen, sei für Kulturschaffende, die bewusst einen unkonventionellen Beruf gewählt hätten, kein geeigneter Weg.

Im Falle einer baldigen Wiederaufnahme des Unterrichtes sei in der Popfarm für genügend Abstand zwischen Lehrer und Schüler gesorgt. „Wir haben die Möglichkeit, Plexiglas zwischen Lehrer und Schüler aufzustellen und Mundschutze bereitzulegen“, erzählt Beuth. Desinfektionsmittel gebe es zudem ohnehin für alle Besucher in der Popfarm.

Andererseits habe die Krise die Musikschule auch zu neuen Digitalprojekten inspiriert. So ist für die Zukunft ein „Streaming Raum“ im Gebäude der Musikschule geplant, also ein Raum für die Übertragung von Live-Videos. Zudem sei das Lied „Staying Alive“ aus zusammengeschnittenen Gesangseinlagen von 20 Musikschülern entstanden.