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Bibliotheken in Bonn: Ehrenamtler haben wegen vieler Ausleihen mehr zu tun

Bibliotheken in Bonn : Ehrenamtler haben wegen vieler Ausleihen mehr zu tun

Weil einige Zweigstellen der Stadtbibliotheken geschlossen sind, weichen Ausleiher auf die noch geöffneten Büchereien aus. Vor Weihnachten gibt es einige besondere Titel zu entdecken.

Die Stadtteilbibliothek in Dottendorf ist nahezu leer – nur zwei Kinder stehen vor einem Regal mit Jugendbüchern und überlegen, welches sie mitnehmen wollen. Stöbern ist in der Corona-Krise in allen Bibliotheken in Bonn nicht erwünscht. Nur 30 Minuten sollen die Kunden in den Büchereien verweilen. Trotzdem haben die ehrenamtlich geführten Stadtteilbibliotheken momentan mehr zu tun als sonst, heißt es von dort. Und das liegt an der Schließung der hauptamtlich geführten Bezirksbibliotheken Beuel und Bad Godesberg sowie die Stadtteilbibliotheken Tannenbusch und Brüser Berg.

Am 20. November bis voraussichtlich Ende Februar hat die Stadt die vier genannten Bezirks- und Stadtteilbibliotheken geschlossen (der GA berichtete). Das Personal wird die drei Monate im Gesundheitsamt unter anderem zur Unterstützung in der Corona-Kontaktpersonennachverfolgung eingesetzt. Weiterhin geöffnet bleiben die Zentralbibliothek im Haus der Bildung sowie die ehrenamtlich betriebenen Einrichtungen in Dottendorf, Auerberg und Endenich.

Die Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei Rheindorf/Auerberg, Ulrike Blumenreich, hat das Gefühl, dass seitdem mehr Kunden in die Bibliothek nach Auerberg kommen, die auch erstmalig aus anderen nun geschlossenen Zweigstellen kommen. Das beobachtet auch Helga Albrecht, Leiterin der Stadtbibliothek Bonn: „Sowohl für die Zentralbibliothek als auch für die geöffneten Zweigstellen in Endenich, Dottendorf und Auerberg stellen wir fest, dass ein Teil der Kunden, die üblicherweise eine der derzeit geschlossenen Zweigstellen zur Ausleihe nutzen, nun eine der noch geöffneten Einrichtungen aufsucht. Dies verursacht selbstverständlich Mehrarbeit in diesen Einrichtungen, ist jedoch vom Umfang her noch gut zu bewältigen.“

Die Dottendorfer Bibliothek bekommt vor allem die Schließung der Bad Godesberger Zweigstelle zu spüren, sagt die Vorsitzende des Fördervereins Kultimo, Christiane von Heyden. Nicht der Zulauf habe sich erhöht, sondern die Bestellungen von Medien. „Alles, was vorher in Bad Godesberg bestellt wurde, kommt jetzt bei uns an. Dadurch haben wir natürlich mehr zu tun. Dafür haben wir unser Team aufgestockt“, sagt von Heyden. Sie beobachtet auch, dass sich das Ausleihverhalten der Kunden seit der Wiedereröffnung der Stadtteilbibliothek nach dem ersten Lockdown verändert hat: „Ich habe den Eindruck, dass mehr Kinderbücher ausgeliehen werden als vorher. Gerade jetzt vor den Weihnachtsferien wird das deutlich.“

Mehr junge Kunden hat auch Blumenreich in Auerberg beobachtet. „Viele unserer Neukunden sind Kinder und Jugendliche. Das ist eine klare Auswirkung des ersten Lockdowns, bei dem weder Kinder- und Jugendliteratur noch Gesellschaftsspiele noch Hörbücher ausgeliehen werden konnten.“ Die Bücherei an der Matthäikirche in Duisdorf der evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg hat zwar keinen größeren Zulauf seit der Schließung einiger Stadtteilbibliotheken festgestellt, doch das Ausleihverhalten hat sich auch bei ihren Kunden verändert. „Viele Kunden sind auf unser Online-Angebot umgestiegen. Außerdem versorgen sie sich meist mit ein paar mehr Büchern als vorher, damit sie nicht mehr jede Woche, sondern vielleicht alle zwei oder drei Wochen kommen müssen“, sagt Ulrike Knichwitz vom Büchereiteam.

Helga Albrecht, die einen Überblick über alle Zweigstellen der Stadtbibliothek hat, sieht, dass seit der Pandemie vor allem Sachbücher nachgefragt sind, beispielsweise Titel zum Thema Corona-Krise, konzentriertes Arbeiten, digitale Sicherheit sowie künstliche Intelligenz. „Ausleihrenner sind zudem Medien zum Thema Minimalismus, Aufräumen und Selbstorganisation“, so Albrecht. Auch Titel zum Thema Fotografie und Heimwerken seien beliebt, genauso wie zu den Themen Yoga und andere Entspannungstechniken sowie Waldbaden. Albrecht: „Sehr en vogue sind auch die Themen Aquarellmalerei und Urban Sketching.“