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Kaffeewagen in Poppelsdorf: Wahid Raufi hat mehr Kunden in der Krise

Kaffeewagen in Poppelsdorf : „Tatsächlich kommen seit der Krise mehr Kunden zu mir“

Wahid Raufi hat mit seiner Kaffeemaschine auf zwei Rädern mehr Kunden als zuvor an der Poppelsdorfer Allee. Er sagt: „Eigentlich hat sich hier nicht viel verändert, außer, dass die Menschen Masken tragen.“

Für Wahid Raufi hat alles auf der Poppelsdorfer Allee seinen bestimmten Takt: Erst saust ein Fahrradfahrer vorbei, der kreuzt den Weg eines Joggers, und schließlich spazieren Eltern mit Kinderwagen über die Brücke vom Poppelsdorfer Schloss auf die Spitze der Allee zu. Oft legen letztere genau dort eine Pause ein und bestellen sich bei Raufi am Kaffeerad zwei Cappuccini. Diese Routine beobachtet der Kaffeeradbesitzer nun schon seit zehn Jahren. Anders als viele andere Gastronomen kann er sein Angebot trotz Corona-Krise und Lockdown aufrechterhalten.

Obwohl es inzwischen schon November ist, strahlt die Sonne auf die Poppelsdorfer Allee: Es ist ein guter Tag für Raufi (47), heute werden viele Spaziergänger die grüne Lunge Bonns besuchen und einen Kaffee trinken wollen. „Tatsächlich kommen seit der Krise mehr Kunden zu mir“, sagt Raufi und beschreibt die Erfahrungen der vergangenen Monate. Während Cafés und Restaurants im ersten Lockdown komplett schließen mussten und nun im Teil-Lockdown nur Getränke zum Mitnehmen verkaufen dürfen, konnte Raufi während der ganzen Zeit so weitermachen wie üblich. „Eigentlich hat sich hier nicht viel verändert, außer, dass die Menschen Masken tragen“, sagt er.

Ein bisschen mehr habe sich dann doch verändert, räumt Raufi ein. „Es kommen andere Kunden. Die Menschen, die in der Universität gearbeitet haben, sehe ich kaum noch. Dafür sehe ich aber neue Gesichter – derjenigen, die nun im Homeoffice arbeiten.“ Im ersten Lockdown sei die Allee sogar ein wenig voller gewesen als jetzt. Schließlich war wegen der geschlossenen Geschäfte ein Spaziergang mit das einzige, was die Menschen draußen machen konnten.

Ein Fahrradfahrer saust wieder am Kaffeerad vorbei und winkt Raufi zu. Kurze Zeit später hält eine Frau mit Kinderwagen und ihren Eltern an: Zwei Cappuccini sollen es sein. Raufi drückt den Hebel der Kaffeemaschine herunter und klopft die Kanne mit der geschäumten Milch auf die kleine Arbeitsfläche seines Kaffeerades. Währenddessen erzählt seine Kundin: „Seit man in den Cafés nicht mehr sitzen kann, hat das Kaffeerad bei mir schon an Beliebtheit gewonnen.“ Raufi reicht ihr die zwei Cappuccini. Er habe Glück mit seinem Standort, sagt er. „Hier kommt eine bunte Mischung an Menschen hin.“ Doch so gehe es nicht jedem mobilen Kaffee-Verkäufer. „Diejenigen, die Firmengebäude angefahren haben, haben seit Corona zu kämpfen. Schließlich arbeiten nun viele Menschen im Homeoffice.“

Auch wenn nun mehr Kunden zu seinem Stand kommen und der Winter aufgrund des Teil-Lockdowns mehr Kunden als sonst verspricht, bedauert Raufi die prekäre Lage der Gastronomen: „Ich wünsche keinem, dass er seinen Laden schließen muss. Ich werde von den paar Euro, die ich mehr verdiene, weder ärmer noch reicher. Und ich habe es die neun Jahre vorher auch geschafft, mich über Wasser zu halten.“ Der 47-Jährige steht das ganze Jahr über an der Poppelsdorfer Allee und trotzt Wind und Wetter. „Die Rechnungen müssen nun mal bezahlt werden“, sagt er. Doch Raufi kann sich keinen besseren Job vorstellen. „Ich stehe an einem Ort, wo Menschen ihre Freizeit verbringen, und bekomme sogar Geld dafür.“ Oft sagten ihm die Kunden, dass sie gerne mit ihm tauschen würden, sagt Raufi.

In Bonn und vor allem in der Poppelsdorfer Allee fühlt sich der gebürtige Afghane zu Hause. Als er zehn Jahre alt war, verließen seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern wegen des Krieges ihr Heimatland und zogen später nach Bonn. Sie wohnten damals in der Meckenheimer Allee. „Die Poppelsdorfer Allee war damals der erste Ort, den ich zum Spielen in Bonn kannte.“

Dann bleibt ein Taxi auf der Straße vor seinem Kaffeerad stehen und blockiert den Verkehr. Der Fahrer lässt das Fenster herunter und grüßt Raufi. Dann ein zweiter Gruß: Diesmal von einem fahrradfahrenden Stammkunden. Er steigt ab, lässt sich einen Kaffee machen, lehnt sich gemütlich an einen der Pfosten an der Spitze der Poppelsdorfer Allee und liest Zeitung. Der entschleunigte Takt in der grünen Lunge in der Mitte Bonns geht trotz der Corona-Krise weiter.