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Biologische Station: 10 000 Helferstunden für die Natur in Bonn

Biologische Station : 10 000 Helferstunden für die Natur in Bonn

Die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft zieht Bilanz für 2017. Eine positive Entwicklung gibt es bei der Artenvielfalt in Flora und Fauna der erfassten Natur- und Landschaftsschutzgebiete in der Region.

„Wie oft kratzen wir heute noch Insekten von der Autoscheibe?“, fragte Christian Chmela, Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Leiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft und machte damit eindrucksvoll auf das Fehlen von Insekten aufmerksam. Er erinnerte daran, dass es vor Jahren noch unbedingt notwendig war, im Sommer die Windschutzscheiben von Insekten zu befreien.

„Daran kann man für jeden einsichtig machen, wie stark die Masse an Insekten zurückgegangen ist“, sagte Chmela, nachdem er den Jahresbericht 2017 der Biologischen Station zusammen mit Helmut Wiesner, dem Beigeordneten für das Dezernat Planung, Umwelt und Verkehr, vorgestellt hatte. Wiesner hob die Bedeutung der Biologischen Station für die Stadt Bonn hervor, die sie in Naturschutzfragen unterstützt und darüber hinaus auch eine Anlaufstelle für Bürger darstellt, die Rat suchen.

Mit verschiedensten Diagrammen konnte Chmela die größtenteils positive Entwicklung von Artenvielfalt in Flora und Fauna der erfassten Natur- und Landschaftsschutzgebiete darstellen. Mit etwa 10 000 Stunden Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer konnten unter anderem Zählungen durchgeführt werden, die eindrucksvoll belegen, wie die Schutz- und Aufklärungsmaßnahmen greifen. So stellte Chmela beispielhaft die Entwicklung des Gefleckten Knabenkrauts in den Kohlkauwiesen vor, von dem man 2007 vor Ort 263 und 2017 nahezu 3000 Exemplare zählen konnte. Ein Neufund konnte im Sommer mit der in NRW stark gefährdeten Thymian-Seide gemacht werden.

Auch in der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft konnten Erfolge erzielt werden. Mit der Wechselkröte, die laut Chmela „eine der schönsten Amphibienarten ist, die die heimische Fauna zu bieten hat“, habe man mit einem Landwirt Fortschritte erzielt, da sich die Kröte in den Wasseransammlungen zwischen seinen Spargel- und Erdbeeren-Anpflanzungen wohlfühlen durfte und sich damit die Population entsprechend vermehren konnte.

Insgesamt konnten die Mitarbeiter und Helfer der Biologischen Station in den Flusstälern von Rhein und Sieg, den Waldgebieten von Kottenforst, Waldville und Ennert, im Siebengebirge und nicht zuletzt in den typischen landwirtschaftlich genutzten Flächen der Kulturlandschaft mit unterstützenden Maßnahmen, mit Amphibienzäunen und Wegebegrenzungen, mit Anlage und Schutz von Streuobstwiesen sowie mit dem Projekt „Regiosaatgut“, das dem Erhalt und der Wiederansiedlung regional angepasster Blütenpflanzen dient, einige Erfolgefeiern. Chmela stellte im Hinblick auf die momentane Glyphosat-Debatte fest, „dass der gesellschaftliche Druck für eine ökologische Landwirtschaft wächst“ und auch der Verbraucher „langsam aus der Defensive herauskommt und feststellt, man muss etwas tun“.

Für Freitag und Samstag, 23. und 24. Februar, sucht die Biostation noch Helfer für den Schnitt der Kopfweiden in der Siegaue. An allen vier Tagen kann man auch Äste und Zweige für den Bau von lebenden Weidenhäusern, Zäunen, Hecken oder auch für neue Kopfweiden erhalten. Interessierte können sich per E-Mail an g.klosterhuis@biostation-bonn-rheinerft.de wenden.